Netflix: „The Real Ghostbusters“ neu synchronisiert

Nur durch Zufall und Monate später sind wir bei Netflix über ein Kuriosum gestoßen. Teile der fünften Staffel der Serie „The Real Ghostbusters“ (bei Netflix fälschlich als Staffel 4 gekennzeichnet) wurden still und heimlich neu synchronisiert. Es sind jene Folgen der Staffel, die seit US-Erstausstrahlung über jede deutsche TV-Ausstrahlung hinweg immer einen Tick zu langsam liefen (erkennbar an dem dümpelnden Titellied und der starren Animation) und auf die in dieser falschen Geschwindigkeit damals auch deutsch „draufsynchronisiert“ wurde. Dieser Fehler wurde erst mit Erscheinen der DVD-Boxen von Turbine Media behoben (auf unser Anraten, aber hier soll’s nicht darum gehen wie toll wir sind, wobei das natürlich der Fall ist). Auf der DVD-Box sind somit folglich diese Episoden erstmals in der richtigen Geschwindigkeit und mit der alten TV-Synchro zu hören.

Nun hat auch Netflix Hand angesetzt, allerdings einen anderen Weg gewählt. Die Folgen wurden auf die richtige Geschwindigkeit gebracht, doch statt die alte Synchro daran anzupassen, hat man kurzerhand sieben Folgen komplett neu synchronisiert, mit neuen Sprechern. Das Ergebnis ist durchwachsen.

Zunächst sei angemerkt, dass der Aufwand, Teile einer 30 Jahre alten Zeichentrickserie neu zu synchronisieren, nur weil diese Folgen einen technischen Mangel hatten, beachtlich ist – das muss gesagt sein. Doch die Umsetzung lässt zu wünschen übrig, auch oder gerade wegen der besonders genialen alten Vertonung.

Patrick Adrian Stamme synchronisiert Ray

In den Hauptrollen sprechen Jacob Weigert (Peter), Patrick Adrian Stamme (Ray), Robin Brosch (Egon), Tobias Schmidt (Winston), Jesse Grimm (Louis) und Leoni Kristin Oeffinger als Janine, Slimer wird von Patrick Bach gesprochen. Vor allem Oeffinger macht einen ganz passablen Job und wirkt sogar besser als Miriam Behpour, die damals in den späteren Staffeln die geniale Dorette Hugo beerbt hat. Behpour war dabei stimmlich viel zu softes Püppi, wo Oeffinger der Figur wieder etwas Kantigkeit zurückgibt. Das war es dann aber auch mit den guten Nachrichten.

Auf Seiten der Jungs herrscht Enttäuschung. Das hat weniger mit den Sprechern zu tun, die ihren Job gut machen und hörbar Freude haben als vielmehr an ihrer Besetzung: Zum einen klingen alle zu jung. Schon Rohrbeck und Freunde waren sehr taufrisch damals, aber dies hier sind nun allzu junge Männer, die eher nach herumulkenden Studenten als nach Doktoren klingen (mit Ausnahme von Egon, dessen Sprecher aber dennoch jünger klingt als er ist). Darüber hinaus klingen sie oftmals zu ähnlich und allzu viel Zeit, sich mit ihren Figuren auseinanderzusetzen, war hörbar auch nicht da – Auch Mitschuld des neuen Dialogbuches, das Peter „Was geht’n jetzt ab?“ sagen lässt und Egon: „Raff’s endlich!“ Patrick Bach auf Slimer klingt manchmal nah dran, dann aber wieder wie eine CSD-Fassung der kleinen Knolle. Zu dumm, dass Slimer in den späten Folgen so viel zu sagen hatte. Ecto-Eins ist nun hier plötzlich „Ecto-One“, obwohl das ja nun wirklich jeder wissen müsste. Die Protonenstrahler werden zum „Proton Pack“, auch hier war die deutsche Wortschöpfung eigentlich eine Errungenschaft. Immerhin haben wir plötzlich die Erwähnung von „Vigo, dem Karparten“ anstelle des alten „Schleimgeistes“.

Die Tonspuren klingen auch seltsam. Gerade das Titellied während der Folgen klingt oft kaputt, wechselt sprunghaft zwischen zu hoch und zu tief. Ein-, zweimal klingt es im Vorspann gruselig heruntergepitcht, dann wieder normal.

Was mag hier passiert sein? Abschließend lassen sich ein paar Dinge feststellen: Ein Glück, dass diese Neubearbeitung diesen späten, sowieso teils grottenschlechten Folgen widerfahren ist und nicht den Glanzstunden aus den ersten beiden Staffeln. Ein Glück, dass die alte TV-Fassung, dazu noch gut „repariert“, auf den DVDs von Turbine erhalten bleibt und ein Glück, dass damals so liebevoll übersetzt, gecastet und eingesprochen wurde. Am Vergleich kann man hören, wieviel das damals zu dem Gesamteindruck einer tollen Show beigetragen hat.

Wer Netflix hat und einen Eindruck gewinnen möchte, kann das tun. Dies sind die betreffenden Folgen:

– Unheimliche Kartoffelchips
– Drei Geisterjäger und ein Baby
– Sherlock Holmes und die Geisterjäger
– Ein falscher Geist auf Geisterjagd
– Das Baby des Wassergeists
– Attacke aus der Geisterwelt
– Live von Al Capones Grab

(c) Foto: Patrick Adrian Stamme

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