RGB

 Retrospektive und Serienanalyse zu The Real Ghostbusters

von Rain

 Das Jahr ist 2011. Fans der Geisterjäger geht es so gut wie zuletzt in den 80ern, denn die Marke Ghostbusters ist wieder ähnlich präsent. Zahlreiche Merchandise-Artikel wie Comics, Figuren oder das große Videospiel mit Originalbesetzung erscheinen, die Chancen auf Ghostbusters 3 standen nie besser und verdichten sich mehr und mehr – und zwischen all dem feiert die Zeichentrick-Version der Geisterjäger, The Real Ghostbusters, ihren 25sten Geburtstag! Ein passender Anlass für eine kleine Retrospektive und genaue Analyse der Animationsserie von 1986, die den Kult um die Geisterjäger ähnlich mitgeprägt hat wie die beiden erfolgreichen Spielfilme…

The Real Ghostbusters, kurz: RGB, entsteht mit insgesamt 134 Folgen in 7 Staffeln durch die Produzenten der Ghostbusters-Filme und das Produktionsstudio DIC kurz nach dem Erfolg des ersten GB-Films und erlebt seine Erstausstrahlung 1986 bis 1992 durch den US-Sender ABC. In Deutschland wird die Serie von 89 bis 94 durch Sat.1 und Pro7 ausgestrahlt. Derzeit läuft RGB im Morgenprogramm von Kabel 1.

Als Trickserien-Adaption und Weiterführung des Ghostbusters-Kinofilms muss RGB zunächst den Geist der Film-Vorlage treffen und sich an seinen Qualitäten messen. Was RGB spielerisch gelingt. Die gemeinsame wichtige Basis ist hier der zentrale Humor. Er zeichnet sich in Film und Serie immer durch seine Betrachtung absurder menschlicher Eigenarten und der feinen Kritik an gesellschaftlichen Gewohnheiten und Personen aus. Der Kern von Ghostbusters sind nicht die Gespenster sondern die zwischenmenschliche Komödie zwischen zwei Parteien, die seltsamer und komischer als jedes Gespensterwesen sein kann. Die Geister symbolisieren nur den Konflikt. Das macht eine gute Ghostbusters-Geschichte aus und das hat RGB verstanden. Durch die Wahl des Mediums Zeichentrick, wird dieser Kernhumor praktischerweise verstärkt, denn hier muss er plakativ wirken. So gelingt es der Serie zusätzlich im Kinderprogramm zu funktionieren. Neben dem ansonsten eher trockenen Humor, wird der absurde Slapstick dabei gelegentlich verstärkt, er ist aber in Ansätzen bereits in den beiden Spielfilmen zu finden.

Dazu greift der Geist der Serie natürlich die bekannten Figuren und die Geschehnisse der Filme auf, also den inhaltlichen Kanon, um die selbsternannten Gespensterfänger Peter, Ray, Egon und Winston. Vom Einsatzfahrzeug Ecto1 bis hin zur aufsässigen Sekretärin Janine ist jedes Element vertreten. Die 1:1 Verwendung des originalen GB-Titel-Schriftzugs und natürlich des bekannten No-Ghost-Logos unterstreicht die gemeinsame Identität. So entsteht ein erzählerisch rundes Universum, das sich auch durch kleine Änderungen wie Egons neue Strudel-Frisur nicht aus dem Gleichgewicht bringen lässt.

Nach diesen beiden wichtigen Ankerpunkten (Humor und Kanon) bringt die Serie nun neue Facetten in den GB-Kosmos und glänzt in den folgenden Bereichen:

Storys

Alles steht und fällt mit dem Skript, das zunächst die Grundlage für jede Produktion ist. Die Storys in RGB sind kleine, originelle Stücke, bei denen die meisten der Geschichten das Potential hätten auch auf der großen Leinwand als Film zu funktionieren. Die vielen Ebenen und Kultur-Zitate, die immer mehr aus dem eigentlichen Stoff herausholen als es die Oberfläche erkennen lässt, erwecken den Eindruck, dass hier eher für Erwachsene als für Kinder geschrieben wurde. Zwar sind auch immer wieder Storys dabei, die eher auf die jüngere Zielgruppe ausgerichtet sind (etwa wenn die Jungs ausziehen um ihren Hausgeist Slimer zu finden, weil dieser sich nicht genügend geliebt fühlt) – wenn dann allerdings nur wenige Folgen später das buchstäbliche Armageddon durch Menschenhand über die Welt hereinbricht – die Geisterjäger einen wahnsinnigen Milliardär aufhalten müssen, der mittels einer Maschine zusammen mit seinem Geld ins Jenseits verschwinden will – oder die Jungs gegen Lovecrafts bekannte Horror-Ikone C’thulhu antreten müssen, entschädigt dies mehr als einmal und macht den großen Maßstab deutlich, mit dem hier geschrieben wurde.

Die Art der Geschichten kennt dabei keine Einschränkung und der Fokus wechselt, auch innerhalb der Episoden, spielerisch zwischen Comedy, Spannung, Rätsel oder Slapstick. So ist die Folge „Egon der Schreckliche“ eine tiefe und originelle Abrechnung mit dem Verantwortungsgefühl der Medien, die heute treffender als je zuvor erscheint. „Janines freier Tag“ ist top ausgearbeiteter Spaß mit feinster Choreografie in der Action. „Egon löst sich auf“ ist höchst dramatisch, „Die indianische Legende“ die immergültige Geschichte von Gut & Böse in neuzeitlichem Setting und „Hilfe, ich bin ein Geist“ ein bewegendes, bühnenreifes Kammerspiel. Die zweite Staffel ist hier qualitativ vor allen anderen zu nennen. Ihre Geschichten wirken durchschnittlich am authentischsten, da diese (im Gegensatz zu den übrigen Episoden, die für den Sender ABC produziert wurden) im amerikanischen Syndication-Sendebereich laufen und keine inhaltlichen Auflagen oder Kompromisse für die TV-Standards einhalten müssen.

Innerhalb der großartigen Storys haben die agierenden Charaktere, sowohl die Hauptfiguren als auch die Nebenpersonen, eines gemeinsam: Sie sind so wunderbar geschrieben wie die Geschichten selbst. Denn die Figuren handeln stets authentisch und verkommen trotz ihrer Bestimmung (Egon = Gehirn, Ray = Herz, Peter = Mund, etc.) nie zum Abziehbild, sondern erhalten stattdessen ganze Episoden, die ihren Charakter formen. So wird einmal Winstons Liebe für Baseball oder Krimis in den Vordergrund gestellt, und an anderer Stelle erfährt man mehr über Rays Elternhaus („Tante Lois und der Scharlatan“). Charakterisierungen, für die im GB-Film keine Zeit blieb, führen die Figuren hier weiter. Was bei diesen Charakter-Episoden berührt ist die emotionale Tiefe und die Authentizität: Als Peter in „Der unheimliche Dachboden“ einer alten Kundin einen Besuch abstattet weil diese so allein lebt und ihn an seine verstorbene Mutter erinnert, bewegt dies nicht nur sehr, sondern es gibt Peter eine zusätzliche Dimension auf der sein trockener Humor erst zu greifen scheint. An anderer Stelle definiert Janines Echtheit die Sekretärin mehr als es andere Figuren sonst durch ganze Serien schaffen: Mit der Hand vor Augen (aber einen Fingerspalt geöffnet) geht sie in den Schlafraum der Jungs um diese zu wecken und klatscht dem schlummernden Venkman mit einer schnippischen Bemerkung feste auf den Hintern, wodurch dieser erschrocken hochfährt („Die Säule von Manhattan“). Die allgemeine Kantigkeit und Echtheit überrascht – erst recht im Vergleich zu anderen Animationsserien dieser Zeit. Denn wohlgemerkt, die Simpsons sind noch in einiger Entfernung und Zeichentrick in der Mitte der 80er Jahre scheint sich stets auf braver und sicherer Art in bekannten Bahnen zu bewegen. Die unfehlbaren He-Man-Helden des Universums treffen so auf die selbsternannten „Helden“ aus der Nachbarschaft, die mit ihren illegalen Protonenwaffen eigentlich fast mehr Schaden als Heldenhaftes vollbringen und dazu meist in Geldproblemen stecken, da Ausrüstung und Slimers Appetit ihr Budget knapp halten. So ist das Leben. (Abgesehen von den Protonenwaffen und den Gespenstern…) Aber auch was Sozialkritik und Kulturzitate betrifft ist die Serie ihren Mitstreitern im Trickprogramm voraus. Kritik am gesellschaftlichen Miteinander und das Aufzeigen von absurden menschlichen Interaktionen ist, wie schon zu Anfang beschrieben, ein Grundpfeiler von RGB. Da arbeitet die Serie wie ein Spiegel für den Betrachter. Perfekt wird es wenn sich RGB diesen Spiegel selbst vorhält und in Folgen wie „Das alte Film-Monster“ augenzwinkernd auf der Metaebene daran erinnert, wo die Serie ihre Wurzeln hat: Die Jungs werden als Berater auf das Set ihrer eigenen Lebensverfilmung geladen. Nach der Fertigstellung des Films am Ende der Episode läuft im Premieren-Kino der reale Ghostbusters Film mit einer Original-Szene. Der Cartoon-Venkman reagiert enttäuscht auf den Murray-Venkman: Der hat gar keine Ähnlichkeit mit mir!

Einige Episoden später weisen die Geisterjäger Horror-Autor H.P. Lovecrafts epochalen C’thulhu-Mythos in die Schranken – mittels Lovecrafts Erzählung selbst, die Ray in Pulp-Magazinen seines alten Antiquariats wieder findet und die in ihrem Finale logischerweise die Lösung vorgibt wie das Ur-Monster am Ende zu bezwingen ist.

Gruselig wird es zwischen all dem natürlich auch immer wieder. Ganz im Stil der Filme werden in der Serie unheimliche Momente eingebaut, um die Spannung zu schüren, die später durch den Humor wieder befreit wird. Natürlich bleibt man dabei im Rahmen des Zumutbaren, denn primär bleiben natürlich Kinder die TV-Hauptzielgruppe. Figuren wie der Böse Mann, der Grundel, oder auch das widerliche Chemie-Monster scheinen diesen Bogen aus Kindersicht jedoch gelegentlich zu überspannen.

Als Hauptverantwortlicher für die Drehbücher zeichnet sich Joe Michael Straczynski verantwortlich. Zum einen ist er der Autor vieler Geschichten selbst und zum anderen arbeitet er auch als Story-Editor für die Serie, der den inhaltlichen Stil der RGB festlegt und den Skripten der zahlreichen, anderen Autoren erst den nötigen Biss und Feinschliff verpasst. „JMS“ ist bis dahin nur durch ein paar Zeichentrickserien bekannt, beginnt seinen Einzug bei DIC durch einen Geheimtipp und wird später gefeierter Autor der Serie „Babylon5“, sowie der besten Spider-Man Comics und des kürzlichen Eastwood Kinofilms „Der fremde Sohn“. Mit Mit-Autorin Kathryn M. Drennan („Die indianische Legende“, „Egons Familiendrachen“) ist er während der Arbeit an den Geisterjägern verheiratet. RGB ist bis heute ein Lieblingsprojekt von JMS und das merkt man den Skripten an. Später verlässt er die Serie wegen kreativer Differenzen, doch dazu später mehr.

 Sprecher

Die amerikanischen Sprecher der Serie orientieren sich stimmlich am Schauspiel von Murray, Aykroyd, Ramis und Co. Der (leider bereits 2001 verstorbene) perfekt gelangweilte Lorenzo Music ist Venkman, Frank Welker, der fast sämtliche Tiergeräusche in US-Filmen spricht und in ebenso vielen Trickserien vertreten ist, spricht Stantz & Slimer, und der sympathische Maurice LaMarche (uA. der sonore Brain aus „Pinky & Brain“) ist Spengler. Auch der Rest der Besatzung kann sich hören lassen: So klingt Janine schrill und ungewöhnlich, zumindest bis dato für weibliche Zeichentrickfiguren.

Bei aller klanglicher Überspitzung ihrer Filmpendants, verlieren die Figuren schönerweise nie ihre Sympathie oder Emotionalität. Einzig die Tatsache, dass auch die meisten der Nebenfigur von den Stimmakrobaten der Geisterjäger mit verändertem Klang gesprochen werden scheint für den deutschen Hörer etwas gewöhnungsbedürftig, ist im amerikanischen Fernsehen jedoch traditionell akzeptierter. Regisseurin der Stimmen Marsha Goodman, die für den Klang vieler Trickserien der 80er Jahre verantwortlich ist, denkt noch heute mit Lachen an die Zeit der Aufnahmen und an die großartigen Comedy-Talente der Sprecher zurück.

Nach Meinung der deutschen (und auch europäischen) Fans toppt sogar unsere deutsche Synchronisation die Ur-Synchro und erfährt darum später ihren eigenen Absatz.

Design

Die optischen Entwürfe der Helden setzen überraschenderweise nicht am Aussehen der Film-Schauspieler an, sondern modellieren sich nach dem jeweiligen Charakter der Figur. So sind es einerseits dieselben Personen, die man aus GB1 kennt, andererseits gelingt es ihnen ihre eigene visuelle Identität zu finden, die eigenständiger im Bereich des Zeichentricks funktioniert. Hätten die vier Geisterjäger ihre grauen Overalls und die dunklen Haare aus den Filmen behalten, hätte das im Zeichentrick zu trist gewirkt und nicht gut funktioniert. Außerdem wollten Murray und Co. nicht, dass ihr Aussehen für die Sendung verwendet wird. So werden Rays Haare rötlich und entsprechen so eher seiner temperamentvollen Begeisterungsfähigkeit. Peter bekommt ein Aussehen, das Sigourney Weaver wohl eher bevorzugt hätte. Egon kriegt eine blonde Frisur, die sich auf der Stirn zu einer großen Tolle formt und so den tiefen Geist Egons ebenso gut symbolisiert wie seine Absonderlichkeit. Janines Haar und Outfit werden beißend-bunt und kantig, was auch in diesem Fall ihren Charakter betont. Hauptverantwortlicher unter den diversen Figurenentwicklern ist hier Gary Payn, auf dessen Konto das Design der Helden geht, sowie Everett Peck, der mit seinen grotesken und surrealen Monster-Entwürfen das Aussehen von Watt oder des berüchtigten Bösen Mannes festigt. Grade letzterer ist durch sein erschreckendes Äußeres mit Ziegenhufen und Punkfrisur wohl vom Kinder-Erschrecker innerhalb der Serie zum Ängstiger der jüngeren GB-Fans im realen Leben geworden. Beim Design der verschiedenen Geisterwesen wird sich phantasievoll ausgelebt. Hier gleicht kein Geist dem anderen und kein bizarrer Ansatz geht verloren. Mit ihren Kniffen und Konventionsfreiheiten (siehe zB. der Sandmann in „Hier kommt der Sandmann“ oder „Von Trollen und Feuerfliegen“ in dem die Trolle Autoteile als Körpererweiterungen tragen) entsprechen die Designs vor allem auch den originellen Geschichten.

Die Ausrüstung der Geisterjäger erfährt kleine Änderungen im Vergleich zur Filmvorlage, die jedoch immer sinnvoll erscheinen und den Charme des selbst-zusammengeschusterten Nuklear-Beschleunigers nicht zerstören. Die Spitze des Protonenstrahlers erscheint hier zB. logischer als im Film und die Eindämmungseinheit für die gefangenen Geister bekommt erst in RGB eine richtige Identität und wird zum Verbannungscontainer.

Eine eigene Identität schafft außerdem der generell oft unterschätzte Color-Key zur Serie, also die Farbpalette und ihr Farb-Schema. Denn die Colorationen der Figuren sind sorgfältig aufeinander abgestimmt. Von der Farbe der Haut bis hin zur Overall-Farbe passt alles optimal zusammen und liefert ein Raster anhand dessen man die Figuren auch ohne ihre Konturen erkennen würde: So würde zB. alleine die Kombination von Slimers Grünton mit dem Orange seiner Augen eine Identität ergeben, aus der man sofort die Figur des Hausgeistes wieder erkennen würde. Gleicher Wiedererkennungswert gilt für die Hintergründe, die (bei den besser animierten Episoden) oft künstlerisch ins Surreale gleiten, dabei meist von den Farben blau, lila oder orange geprägt sind und so ganz bestimmte eindringliche, unheimliche oder auch düstere Stimmungen schaffen. Man schaue sich hier schon das Intro zur Serie an, in dem das Innere des Feuerwehrhauses dunkel und stimmungsvoll mit spärlicher Beleuchtung vereinzelter Lichtquellen inszeniert wird. Auch die blau-violetten Häuserwände New Yorks definieren schon im Intro einen eigenen visuellen Farb-Stil. Die Tatsache, dass DIC unter französischer Leitung Jean Chalopins steht, mag für die künstlerische Überlegenheit der Produktion im Vergleich zum amerikanischen Standard-Brei stehen, so vermutet Storyboard-Künstler Kevin Altieri der sich uA. für das Intro der Serie verantwortlich zeichnet.

Im vier-minütigen Promotionvideo, das zu aller Anfang als Appetithappen produziert wurde um die Serie an die Sender zu verkaufen, haben die Figuren übrigens noch nicht ihr gefestigtes Aussehen, sondern gleichen noch etwas mehr ihren Film-Figuren, besonders Peter und Slimer, der hier noch zu den „Bösen“ gehört. Farbe und Anmutung ähneln aber schon sehr der späteren Serie, auch wenn der Ton noch etwas verspielter und wilder ist. Zu sehen gibt es diesen kleinen MakingOf-Schatz in der amerikanischen DVD-Box oder natürlich auf Videoplattformen im Netz.

Musik

Auf der Basis von Ray Parker Juniors Hit „Ghostbusters“, der 1984 mit dem Film die Charts stürmte, wird der Intro-Song der Serie arrangiert und von John Smith interpretiert. In Verbindung mit dem Inhalt des Vorspanns scheint das Lied hier besser denn je zu funktionieren; die Schritte des Intro-Geistes passen ebenso gut auf den Parker-Takt wie die übrigen Musikstellen auf den weiteren Ablauf des Vorspanns.

Die Komponisten Haim Saban und Shuki Levy schreiben derweil die Hintergrundmusik der Episoden, mit Notenfolgen, die irgendwo auf Ray Parkers Spuren wandeln, jedoch immer ihren eigenen Ton finden und die Szenen emotional perfekt begleiten und formen. Sowohl die langsamen Stücke als auch die Actionpassagen der Syntheziser-Musik, haben einen großen Wiedererkennungswert, der nicht selten als Ohrwurm endet, der dich begleitet. Die Stücke bekommen in den Staffeln 3 und 4 zwar noch zusätzliche Motive, ein offizieller Soundtrack ist bis heute leider nicht erschienen. Die Musik hätte es verdient. Fans haben jedoch längst reagiert und die Tonspuren der Folgen separiert oder neu eingespielt um an den kultigen Score zu kommen – so geht’s auch…

Anders sieht es indes mit der Musik der Zwei-Mädel-Gruppe Tahiti aus, deren 10 Songs in der ersten Staffel zum Einsatz kommen und als Soundtrack-Kassette veröffentlicht werden. Die Lieder gehen inhaltlich sehr frei mit Motiven der jeweiligen Episoden um. So spiegelt der Song „Hometown Hero“ lose die Story aus „Der furchtbare Flügel-Puma“ in dem Ray in seine alte Heimatstadt zurückkehrt. In diesem Stück gibt es übrigens auch ein Gitarren-Solo von Ray Parker Jr. höchst selbst zu hören. Auch wenn die Lieder am Ende selten über seichten Pop hinaus wachsen, ist das mehr musikalischer Aufwand als man bis dahin sonst in TV-Zeichentrick hören konnte.

Intro

Einen eigenen Absatz erhält hier das Vorspann-Intro zu RGB, denn es darf in keiner Hitliste der kultigsten Intros der Achtziger fehlen – wenn nicht, dann ist es sogar eines der besten Intros aller Zeiten! Ray Parker Juniors Ghostbusters-Hit erlebt hier (wie bereits erwähnt) eine kleine Variation und wird auf 60 Sekunden getrimmt. Das ist eine Minute in der alles in perfekter Weise funktioniert: Es wird ein Mini-Auftrag-Abenteuer der Geisterjäger abgespult, das den Ton der Serie bestens vorgibt. Die Figuren und ihr Equipment werden auf den Punkt eingeführt. Action, Humor und Musik machen großen Spaß, und der Geist aus dem bekannten Verbots-Zeichen erhält seine eigene Identität als übergeordneter Saturday-Night-Fever tanzender Quälgeist, der die berüchtigte „Neighborhood“ unsicher macht.

Der gipfelnde Schriftzug „Ghostbusters“, der noch den geisterhaften Zusatz „The Real“ bekommt macht hier einmal mehr deutlich: Du bekommst das was du aus den Filmen kennst plus mehr! Wahrlich ist der Zusatz „The Real“ entstanden aus der Tatsache, dass Filmation die Rechte am Serien-Titel „Ghostbusters“ durch eine Sitcom aus den 70ern besaß und (angestachelt vom GB-Filmerfolg) ebenfalls eine Zeichentrickserie unter selbem Namen (und mit sprechenden Affen) produzierte. Also setzte DIC trotzigerweise noch ein reißerisches „The Real“ vor ihre Serie mit den einzig echten Ghostbusters. So würde es Venkman tun.

Ebenso eigenständig wie das Intro zur Serie ist übrigens auch ihr Abspann, in dem die Geisterjäger während einer gefeierten Straßenparade zu ihrem heldenhaften Siegeszug antreten. Diese Idee zitiert nicht nur das Musikvideo von Ray Parker, sie ist vor allem ein perfekter Folgen-Ausklang, der mit Slimers Auftritt noch einen runden Abschluss-Gag bekommt, wo andere Serien sonst nur Texttafeln einblenden.

Das gesamte Intro (und Outro) wird uns übrigens in feinster Anime-Optik präsentiert, die uns sofort zum nächsten Abschnitt leitet…

Animation

Nicht nur die Tatsache, dass die verschiedenen eingesetzten Animationsstudios in Japan beheimatet sind, machen RGB streng genommen zu einem Anime, die wunderbare Ästhetik östlicher Animation, sprich Anime, ist einfach auch ständig präsent. Auch wenn sie natürlich von Designs und Figuren-Entwürfen des westlichen Produktionsbüros DIC stark amerikanisiert wirkt, so kann man nicht absprechen, dass die endlichen japanischen Animations-Regisseure noch einmal kräftig „durchwischen“ und bestimmte Szenenabläufe/Schnitte einsetzen oder Figurenentwürfe leicht umproportionieren, die das Gesamtpaket in Richtung Anime formen. Am deutlichsten wird es durch die flüssige Animation und die dynamische Action der besseren Episoden, die heute immer noch einen Höhenflug im Trickserien-TV darstellen. Besonders sind hier das Team um „Janines Freier Tag“ hervorzuheben mit seinen ausdruckstarken Mimiken, sowie das Studio TMS mit seiner Bewegungs-Brillianz und den dynamischen Zeichnungen, das auch viel für die Warner-Serien der 90er produzierte und für die Augen stets Zucker mit extra Sahne abliefert. Ansonsten wird es allerdings schwer die verschiedenen Studios und Zeichenteams zu differenzieren, denn im Abspann werden diese leider nicht genügend gewürdigt. Oder sie vermischen sich sogar in ein und derselben Folge, in der die Zeichner-Stilistiken wechseln („New York hat Stromausfall“). Da kann man nur versuchen selbst zu ordnen und die Animations-Teams anhand ihrer speziellen Zeichen-Merkmale zu definieren. So zeichnet besagtes Team um „Janines Freier Tag“ oder „Egon, der Schreckliche“ ihren Figuren gerne mal einen dicken Schmollmund ins Gesicht, der immer recht witzig wirkt und besonders Peters Mimik gut betont. Das Team um „Geisterjäger des Jahres“ oder „Janine, die Geisterjägerin“ zeichnet indes gerne die Köpfe und Overalls der Jungs etwas kantiger, was den Figuren hervorragenderweise etwas mehr Realismus verleiht.

Leider kommen bei der hohen Anzahl an Folgen üblicherweise auch einige Studios zum Einsatz, die eher in den Low-Budget Bereich fallen und dementsprechend schlechtere Animation abliefern – die so genannten Krüppelfolgen. Zeichnungen, Animationen aber auch ihr Tempo und Storyboard sind hier viel grober und wirken stillos. Sogar die Farben sind dann unschöner (oft schon sofort am dominanten Grün/Gelb-Ton der Hintergründe zu erkennen) und manchmal sogar verkehrt zugeordnet zB. bei den Overalls der Jungs („Supersender Spuk TV“). Schönerweise entschloss man sich allerdings die Skripte mit erwachsenerer Geschichte den besseren Studios zu zuweisen, die eben dann am Ende die Über-Folgen produzieren, während die eher einfacheren Storys von den Low-Budget-Teams umgesetzt werden. Wer dies nachvollziehen möchte vergleicht die Folgen „Das Schloss in Schottland“ mit „Budenzauber an der Uni“.

Neben den bereits genannten Anime-Punkten lassen die Animatoren übrigens auch gerne mal andere typische Anime-Stilistiken einfließen, wie etwa große Sprünge der Helden, kleine Grimassen oder anderen grotesken Slapstick. Hört sich albern an – funktioniert hier aber bestens und elegant genug. Die Darstellung der Personen in ruhigeren, in-sich-gekehrten Momenten läuft dann wiederum auf einer Art Eindringlichkeit ab, die das passende authentische Gegenstück zum albernen Slapstick bildet. Siehe das Finale von „Was ist Ragnarock?“ als die Jungs für die Rettung der Welt ihr Leben aufs Spiel setzen und dabei mit intensiven Nahaufnahmen ihrer Gesichter abgebildet werden. Anime eben – das so viel mehr zu bieten hat als große Augen und quietschende Pokemon.

Gegner

Obwohl Helden natürlich immer nur so gut sind wie ihre Widersacher, sind es, wie schon beschrieben, nicht unbedingt die Geistergeschöpfe selbst, die RGB sehenswert machen, sondern der Umgang mit ihnen. So wird schönerweise auf wiederkehrende Stammschurken verzichtet und auch der Rest der Geister fällt überraschend unaufdringlich aus und ist selten mehr als Mittel zum Zweck: In der Folge als die Geisterjäger das Rätsel um eine alte Säule, die Manhattan stützt, lösen müssen, bleiben die Geister, die diese sabotieren, angenehmerweise im Hintergrund. Dennoch mag man natürlich gerne auch mal fiese Gespenster sehen. Die gibt es auch. Einige von ihnen sind sogar fast so beliebt geworden wie die Helden selbst, wie zB. der bereits besprochene Böse Mann oder der kürbisköpfige Geist des Halloweens Sam Hain aus der ersten Staffel. Auf Grund ihrer Beliebtheit kehrten beide sogar einmalig in der dritten Staffel zurück. Aber auch ansonsten sind immer wieder großartige Gestalten dabei, wie Dämon Watt in der Fassade einer gedrungenen alten Frau, die die Helden in ihr Geisterhaus locken will, oder ein abtrünniger Sandmann, der die Meinung vertritt, die Welt wäre mit einem immerwährenden Dauerschlaf besser beraten, oder der knöcherne Captain Jake Higgins, der mit seinem Gespensterschiff New York heimsucht um seinen Schatz zurück zu fordern. Da ist für jeden etwas dabei. Die Gestalten-Kreation erfährt dabei keinerlei Einschränkung und zieht ihre Inspiration aus den unterschiedlichsten Quellen: Mythen, Märchen, Film- und Literaturklassiker… Da gibt es keinen Stoff der unangetastet bleibt um in einer RGB-Zauberaufführung mit Überraschungseffekt und doppeltem Boden zu funktionieren. Ganz buchstäblich geschieht dies übrigens in „Der Schrank des Calamari“ in dem die Zaubertricks des Geistes von Houdini auf die surrealen Gemälde von Dali treffen. Von den unzähligen Neu-Schöpfungen unter den Antagonisten übrigens ganz zu schweigen, deren Inspirations-Quellen oft neuzeitlicherer Natur sind, wie zB. Medienkonsum oder Chemikalienverarbeitung.

Dennoch sind es, ganz im Sinne der beiden GB-Filme, meist Menschen selbst, die hier die Ursache für die Geisterquälerei sind. So wird Houdinis Geist erst aktiv als sich jemand seine Zaubertricks zu eigen macht – Das Armageddon wird erst durch einen liebeskranken Mann eingeleitet der damit seine Enttäuschung kompensieren will – Bauarbeiter öffnen durch ihr Unwissen den Zugang zur Unterwelt, die erst am Tag des Untergangs das Leben auf der Erde ersetzen soll – Ein Vater beschwört einen Geist herauf um das Leben seiner Tochter angenehmer zu machen, verliert die Kontrolle und sperrt ihn auf dem Dachboden ein – Reporter sabotieren aus Sensationslust eine von Egons Maschinen wodurch dieser zur Bestie wird – usw. Meistens sind es die Unbelange des Menschen wie Zorn, Enttäuschung, Dummheit oder Gier, die erst als Katalysator der Geschichte dienen. Das wusste schon Shandor. Und das macht aus Ghostbusters immer mehr als eine Effekte-Gruselshow.

Achja, unser allseits beliebter Marshmallow-Mann ist übrigens auch ab und an, meist innerhalb eines unerwarteten Cameo-Auftritts, in der Serie zu begrüßen. Zu allererst natürlich schon im Vorspann.

Deutsche Synchronisation

So gelungen wie die amerikanische Sprachfassung zunächst erscheint – sie wird noch getoppt durch unsere deutsche Bearbeitung der Serie, die sich überraschenderweise etwas vom Klang des Originals entfernt und eigenere Wege geht. Wo die US-Fassung fast etwas monoton klingt und durch das angestrengte Sprechen der Besetzung, die ihre Stimme immer variieren müssen, ganz leicht an der Grenze zur Karikatur erscheint, klingt die deutsche Fassung jünger, lebendiger und authentischer. Man vergleiche hier vor allem Egon, der seinen tiefen amerikanischen Knödel-Ton eintauscht gegen die hellere und vor allem facettenreichere Stimme von Benjamin Völz (spricht uA. David Duchovny), der dabei aber nie den Kern des semi-autistischen Technik-Nerds außer Acht lässt.

Auch ansonsten fängt die Synchro trotz aller Frische, die GB-typische Trockenheit ein. Das Lob ist hier dem hervorragenden Stimm-Cast um die Geisterjäger auszusprechen, sowie Rebecca Völz und Joachim Kunzendorf bei Magma Synchron, die für Dialogbuch und Regie zuständig sind. Die Berliner Sprecher Stefan Krause (Peter), Oliver Rohrbeck (Ray), Benjamin Völz (Egon), Nicolas Böll (damals Wilcke, Winston), Dorette Hugo (Janine) und Wilfried Herbst (Slimer) sind ein Ensemble mit hervorragender Dynamik, das den Witz perfekt transportiert und optimal auf die Optik der Geisterjäger passt. Alle sind Größen in ihrem Geschäft. Und die Sympathien stimmen. Anscheinend wohl auch unter den Sprechern selbst, denn seit den Arbeiten an der Serie sind die Schauspieler gut miteinander befreundet. Da holt die Realität die Serie ein. Rebecca Völz (Buch) ist die Schwester von Benjamin Völz und ebenfalls gelegentlich in Sprachrollen innerhalb der Serie zu hören. Zum Beispiel spielt sie Shanna, den Superstar-Banshee in „Eine irre irische Fee“. Zu einem kleinen Familientreffen kommt es sogar wenn sich der Stimm-Cast der Serie um Schauspieler Wolfgang Völz und Gattin Roswitha Völz erweitert, wie zu hören in der Folge „Die Geister geh’n zum Film“. Joachim Kunzendorf (Regie) ist Leiter von Magma-Synchron (heute nicht mehr existent) und ist uA. auch verantwortlich für die hervorragenden deutschen Fassungen der Alien-Filme. Ur-Komödiant Wilfried Herbst (uA. in „Die Camper“ zu sehen) schafft mit seiner Slimer-Leistung nicht nur das Kunststück den Hausgeist angenehmer und differenzierter als das Original klingen zu lassen, er kämpft sich auch voller Enthusiasmus und Sprach-Phantasie durch diese lange und unmögliche Babbel-Rolle ohne klare Dialoge.

Dieser perfekte Cast zieht sich durch bis zu den Nebenfiguren, die mit den talentiertesten Sprechern und angesehensten Ur-Gesteinen des deutschen Schauspiels ebenfalls hochkarätig besetzt sind. Der markante Arnold Marquis (John Wayne), der tiefe Helmut Krauss (Löwenzahn-Nachbar), der sympathische Santiago Ziesmer (Spongebob), oder Gerrit Schmidt-Foß (Leonardo DiCaprio), der hier eine seiner ersten Sprecherleistungen abgibt – die Liste der großen Sprecher nimmt kein Ende. Und sei es nur für eine kurze Geisterrolle im Hintergrund.

Zusätzlich punktet die Synchro weil sie die Serie nie als bloße Zeichentrickunterhaltung ansieht (oder gar Fließbandarbeit leistet, was in diesen Tagen vermehrt erscheint) sondern die Belange der Figuren ernst nimmt, was mit den guten Sprechern einmal mehr deutlich wird. Aber auch ansonsten wurden die „Hausaufgaben“ gemacht, was zB. das Dialogbuch betrifft. Hier übersetzt man idealerweise die „Ghostbusters“ mit dem schönen deutschen Eigenwort „Geisterjäger“ wie man es in den Filmen tat. Und auch weiterhin orientiert man sich am Vokabular des Filmes, wenn beispielsweise von „ectoplasmischen Absonderungen“ die Rede ist. Neben den Details in der Sprache hat Buch/Regie aber auch vor allem den Humor von GB begriffen.

Ein weiterer Vorteil unserer deutschen Synchronisation ist die Tatsache, dass Sprach-Schauspiel und Animations-Schauspiel besser aufeinander abgestimmt werden können als in den USA. Dort werden nämlich zu allererst die Dialoge aufgenommen, anhand derer später animiert wird. Hier kommt es vor, dass die Japaner oft einen anderen Gefühls-Ausdruck in die Sätze hineininterpretieren als eigentlich vorgegeben war. Unsere Synchro kann dies ausbügeln und das Stimm-Schauspiel an die Animation anpassen. In ähnlicher Weise ist dies geschehen bei einem Sandwich-mampfenden Ray im Hintergrund, der nur im Deutschen die passenden Schmatz-Geräusche spendiert bekommt und im Amerikanischen stumm bleibt, da diese Einstellung im Dialogbuch gar nicht vorgesehen war („Der kopflose Motorradgeist“).

Ein weiteres Beispiel für die gelungene Synchro: Hauptfigur Jeremy aus der Folge „Was ist Ragnarock?“ hat im Amerikanischen eine Aussprache die an Elvis erinnern soll. Im Deutschen lässt man diesen Gag, der auf den US-Episodentitel „Ragnarok And Roll“ anspielt, logischerweise weg fallen und gibt ihm eine Stimme, die viel emotionaler klingt und so die gebrochene und liebeskranke Figur des Jeremy erst richtig definiert. Toll gemacht.

Sollte man etwas kritisieren wollen, dann vielleicht die Tatsache, dass das Dialogbuch ganz gelegentlich ins kindisch-belanglose abrutscht (am meisten noch in Staffel 1), was man immer an Füllsätzen im Sinne eines „Komm her du böser Geist, dir werde ich es zeigen“ äußert. Dies geschieht oft bei Winston, dessen Sprüche mit amerikanischer Würze ungleich cooler rüberkommen. Wenn dann aber Peter an anderer Stelle deutsches wendehalsches Hit-Gut zitiert („Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei“, damals ein Hit) dann entschädigt das auf ganzer Linie.

Ein Kuriosum der Synchro wäre allerdings, dass man anders als im Original keinen Bezug zu den Geistern der beiden Filme herstellt. Mehrere Male ist in RGB von Sumerer-Gott Gozer die Rede und in „Ein falscher Geist auf Geisterjagd“ wird Karpathenfürst Vigo benannt. Im Deutschen umgeht man dies merkwürdigerweise penetrant und man macht aus Gozer „Gonan“ und lässt Vigo komplett unter den Tisch fallen. Warum dies, bei aller sonstiger Liebe zum Detail und korrekter Namensgebung, geschieht ist offen. Vielleicht hatte das Studio die Auflage bekommen keine direkten Bezüge zu den Filmen herzustellen, da diese in Deutschland erst ab 12 Jahren freigeben sind. Bei allen anderen visuellen Bezügen der Serie zu den Kinofilmen würde dies aber verwundern.

Wer übrigens einen Vergleich möchte, wie man eine deutsche Synchronisation auch völlig ruinieren kann, der hört sich die Sprach-Fassung der deutschen Videokassetten von RGB an, die von einem anderen Studio und anderen Sprechern für den Videomarkt produziert wurde. Diese Handvoll Folgen klingt ganz anders als die Folgen aus dem TV. Die Stimmen sind weniger passend, das Buch wenig geschliffen, und Absurdes wird tatsächlich ständig mit „Banane“ beschrieben. Mancher Fan erlebte da eine böse Überraschung wenn man zuvor die TV-Fassung kennen und lieben gelernt hatte.

Ein Qualitätsbeweis der Fernseh-Synchro sind übrigens auch die damaligen Hörspiele von Karussell, die auf der deutschen Synchronisation basieren und die es auf karussell-untypische 30 Folgen brachten. Erfolgreicher war da nur Alf unter den TV-Lizenz-Hörspielen. In den Kassetten wurden die Dialoge leicht gekürzt, ein Erzähler ergänzt und neue (gar nicht mal schlechte) Musik unterlegt. Zumindest die weniger gut animierten Folgen gewinnen hier als Hörspielversion.

Erfolg & Fanartikel

All diesen Schaffensbereichen sieht man an; die Kreativen, egal ob amerikanische oder deutsche, hatten ihren Spaß bei der Erschaffung von RGB. Das erkannte man schon als Kind, als die Serie Anfang 1989 Freitags-Mittags auf Sat.1 ausgestrahlt wurde. Irgendwie war das anders, echter! Müll im TV gab es damals trotz heutiger Glorifizierung der alten Zeiten und trotz kleinerem Sender-Angebot durchaus, aber hier hatte man das Gefühl, das nicht auf einen herab geredet wurde. RGB hatte Persönlichkeit. Wenn man sich später auf dem Schulhof die Folgen nacherzählte, sich seine Protonenstrahler (Schultornister) anschnallte und RGB-Paninibilder tauschte, war das damals großer Spaß und ist heute ein Stück aktive und schöne Kindheitserinnerung. Sogar Pädagogen begrüßten das neue Programm. Denn trotz seines Franchise-Charakters a la Star Wars usw. wurde hier nicht GEGENEINANDER gekämpft sondern sich miteinander verbündet um gemeinsam Spuk zu beseitigen.

Oft wird dabei angenommen ein emotionaler Schlüssel des Erfolges von Ghostbusters sei es, dass den Kids Vorbilder angeboten wurden, die sich angstfrei gegen unheimliche Geister und Monsterwesen stellten und diese bezwangen. Ich würde sagen, dass für mich persönlich und wohl viele andere die Faszination uA. eher davon ausging, dass die Sendung Lösungen anbot, die sich auf die Konfrontation mit dem sozialen Unbekannten oder Unangenehmen, mit der Angst selbst, bezogen – weniger auf das konkrete Monster unter dem Bett, dessen Ursprung aus der eigenen Phantasie heraus man sich doch irgendwie stets bewusst war. So geht es im Leben nicht um Geister sondern um Menschen. Die wahren Schreckgespenster des Kinderalltags, denen man sich zu stellen hatte, waren die autoritäre Kindergärtnerin, die fiesen Kids der Schule oder andere irre und unangenehme Zeitgenossen. Die meisten von ihnen haben bis heute in anderen Formen überlebt. Ghostbusters nimmt diese Figuren mit Witz, Charme und Überlegenheit. Mit Verbalität – wohingegen die anderen Helden aus dem TV das Problem meist mit Fäusten lösten. So wirkt die zu Grunde liegende Monsterjagd am Ende weniger fesselnd und anwendbar als Peters Humor, Rays Herzlichkeit, Egons Intelligenz, Winstons Diplomatie, Janines Echtheit und Slimers Treue.

Das Angebot an Merchandise rundete das Erfolgspaket RGB ab. Von der Zahnbürste bis hin zum Hosenträger war alles dabei. Firma Kenner brachte die Actionfiguren zu RGB, die die Serie über ihre sieben Staffeln erfolgreich begleiteten. Leider basierten die Geisterfiguren nicht auf den TV-Bösewichten und auch die Helden und Slimer sahen aufgrund der langen Produktionszeit eher so aus wie in ihrem anfänglichen (oben beschriebenen) Promo. Janine fehlte zunächst ganz. Ecto1 war eine rudimentäre Plastik-Haube. Und die gefühlten 100 Varianten der Jungs mit sci-fi-artigen Gerätschaften und Astronautenanzügen brauchte nun wirklich kein Mensch… Ramsch? Aber das sah man damals alles noch nicht so genau…

Die Generation zwischen He-Man und den Turtles ist mit Ghostbusters aufgewachsen. Die Marke Ghostbusters war omnipräsent in Kinos, Kiosken und Kinderzimmern. Das No-Ghost-Logo, egal ob nun für GB oder RGB stehend, ist 80er-Ikone!

Es wird schlechter…

Alles Gute kommt zu einem Ende… Von den wenigen angesprochenen Krüppelfolgen einmal abgesehen, sinkt die Qualität der Serie leider mit Anbruch der dritten Staffel gemächlich, später sogar offensichtlicher bis hin zu einem entsetzlichen, qualitätsfreien Tiefpunkt.

Die Staffel 2 ist mit ihren erwachsenen und ungewohnt vielen Folgen (65 Stück, da sie in den Staaten täglich im Syndication-Bereich parallel laufen sollte) in jeder Hinsicht als Highlight und Herzstück von RGB anzusehen.

Die Staffel 1 ist indes noch etwas bunter, verspielter.

Von diesen beiden Staffeln war bisher die Rede. Zusammengenommen ergeben diese Folgen (durch die lange zweite Staffel) mehr als die Hälfte aller Episoden.

 Staffel 3

Die Serie wird ein Riesenerfolg – Elterngruppen und Programmchefs melden sich zu Wort und meinen mitreden zu müssen – es werden neue Auflagen angesetzt die gemächlich dazu beitragen, dass RGB seine Raffinesse und Kantigkeit verliert. So werden erste Veränderungen an Design und Charakteren umgesetzt; Ray wird etwas schlanker (besonders im Gesicht) um kein schlechtes Vorbild mehr für pummelige Kids zu sein. Slimer bekommt seinen Schwanz zurück um wieder wie das Spielzeug auszusehen und versteht es plötzlich mit den Geisterjägern in ganzen Sätzen zu sprechen. Er ist fortan als Comic-Sidekick ungleich mehr im Vordergrund, bestimmt ganze Szenen und begleitet die Geisterjäger nun zu sämtlichen Aufträgen. Janine verliert völlig ihren Biss; verkommt charakterlich und optisch zur stereotypen Mutti-Figur (weichere Brille/Frisur/Temperament), da man meinte ihre Kantigkeit würde auf Kinder abschreckend wirken. Ihre bisherige Sprecherin Laura Summer wird dabei gegen die weichere und naivere Stimm-Darbietung von Kath Soucie ausgetauscht. So vergisst man Janines eigentliche Bestimmung als schnippische, unterforderte Angestellte und zerstört im Grunde die Figur.

Durch diese Art der rücksichtslosen Kommerzialisierung enttäuscht, verlässt Story-Editor Straczynski die Serie. Nicht ohne Grund beschreibt ihn übrigens eine RGB-Autorin als einen der wenigen „Good Guys“ in der Branche. Der Weg ist nun frei für das Editor-Duo Janson und Menville, deren Richtung der Storys und Sprache fortan etwas konventioneller und lieber wirken, eher im Stile von durchschnittlicheren Zeichentrick-Plots: Helden schrumpfen, Helden landen in der Märchenwelt, Helden adoptieren ein Geister-Baby, Helden gegen die Roboterversion ihrer selbst, usw… Geschichten, die früher individueller auf den RGB-Kosmos zugeschnitten waren, wirken nun zunehmend austauschbarer – Auch wenn mit vereinzelten Folgen wie „Die Rückkehr des Bösen Mannes“, „Die Nacht der Kürbisköpfe“ oder „Der Grundel“ der Horror-Anteil der Show teils drastisch angezogen wird.

Weiter ändert der US-Cast zudem den grandiosen Lorenzo Music in Dave Coulier als Peters Stimme. Nach Gerüchten gehend war Bill Murray mit Musics Stimme unzufrieden. Couliers Venkman klingt jedoch aufgesetzter (das darf bei Venkman nicht sein!) und ist sogar leicht an der Grenze der Nervigkeit. Da sind sich deutsche Fans und US-Fans einig. Winstons Sprecher Arsenio Hall wird außerdem später ausgetauscht, da dieser seine eigene TV-Talkshow erhält. Zusammen mit Janines neuer Mama-Stimme verliert der US-Cast nun deutlich an Qualität. In der deutschen Sprecher-Gemeinschaft finden indes schönerweise keine Umbesetzungen statt, sodass die Serie allerspätestens jetzt in ihrer deutschen Sprachfassung zu bevorzugen ist.

Außerdem werden die Junior-Geisterjäger in die Serie eingeführt, drei Kids aus der Nachbarschaft, die den Geisterjägern ab und an zu Hilfe kommen. Obwohl damit natürlich neue Identifikationsfiguren für Kinder geschaffen werden sollten, bleibt ihr Auftritt idealerweise auf nur zwei Folgen beschränkt. Zum Vergleich; als in Staffel 2 ein kleiner Junge Nachwuchs-Geisterjäger werden möchte, schickt ihn Venkman, nachdem dieser kaum etwas mit dem Kleinen anfangen kann, nach Hause.

Staffel 4

Staffel 4 wirkt im Grunde wie Staffel 3. Der Color-Key wird jedoch freundlicher und bunter, was man sofort am weniger düsteren Innenbereich in der Zentrale erkennen kann. Im Allgemeinen wirkt die Optik der Folgen jetzt blauer.

Große Neuerung ist außerdem, dass die Serie nun im Doppelpack mit einem Spin-Off ihrer selbst ausgestrahlt wird: Slimer, grade erst sprechen gelernt, erhält seine eigene 13-teilige Cartoon-Serie „Slimer!“. Fernseh-Bosse bestimmten, dass der Hausgeist der Geisterjäger beliebt genug dafür sei. Ganz im Stile klassischer Tex Avery Cartoons ist Slimer fortan die Hauptfigur von wilden und bunten Cartoons, in denen er sich mit bösen Miezekatzen, verlorenen Aliens oder verrückten Professoren herumschlagen muss. Die Geisterjäger spielen höchstens einmal eine Nebenrolle. Hauptkreativer ist hier Zeichentrick-Veteran Art Vitello, der den durch und durch überdrehten Stil der Serie prägt. Dabei wenden sich diese Folgen allerdings eher an die aller-jüngsten Fans im Teletubby-Alter. Unter allen älteren Fans bleiben sie leider als infantiler und lieblos gezeichneter Ausrutscher in Erinnerung, dessen Gags schon 1988 längst verbraucht erscheinen.

Ab hier erhält die Serie übrigens einen neuen Vorspann um das neue Zwei-Serien-Paket zu kommunizieren. Die dortige Animation, sowie die neue, frischere Version des Titelsongs sind okay, der Inhalt driftet aber auch hier ins banale und konzentriert sich mehr auf Slimer als auf die Jungs. Am Ende wird der Schriftzug „Slimer! & The Real Ghostbusters“ eingeblendet während sich der grüne Stöpsel in den Vordergrund drängt. Sympathien weckt man anders.

Obwohl man „Slimer!“ später nicht mehr mit RGB ausstrahlte, behält die Serie leider bis zu ihrem Ende das neue Intro mit dem Slimer!-Zusatz bei, der lediglich die Cartoonfolgen meint – nicht die RGB selbst.

 

Staffel 5

Es wird schlimmer. Die Geschichten werden banaler. Schon in der ersten Folge bekommen es die Geisterjäger mit einem offensichtlich fadenscheinigen Arzt zu tun, der den Jungs Kartoffelchips(!?) verschreibt, die sie von einer Geisterallergie befreien sollen, jedoch gegenteilig wirken und die Jungs in abstruse Gestalten verwandeln. Dies fasst die neue Trivialität eigentlich sehr gut zusammen. In der zweiten Hälfte der Staffel werden die Folgen gesplittet um zwei kurze Geschichten zu erzählen. Diese sind inhaltlich sehr belanglos und erscheinen keines RGB-Schriftzuges mehr würdig (Peter erhält Superkräfte, Slimers böser Cousin erscheint, etc.). Außerdem taucht Rick Moranis Louis als trottelige (und überflüssige) Clown-Figur im RGB-Kosmos auf – auf deutsch Ben Affleck Sprecher Peter Flechtner.

Das Design der Geister erfährt zudem Änderungen. Kannte man zu früheren Staffeln keine Einschränkungen was das Aussehen der Geister-Gegner betrifft, wird das Design nun stark eingeschränkt: Die Gestalten wirken ungleich unorigineller, stets wie mutierte Kreaturen – weniger wie Geister. Das neue Markenzeichen sind meist Glubschaugen und Finger-/Tentakel-Elemente. Die Zeichner erscheinen hier komplett ausgetauscht. Wahrscheinlich sollte nicht mehr dargestellt werden wie die Geisterjäger einst lebendige Wesen (nun Geister) unter Beschuss nehmen. Zusammen mit dem früheren Re-Design von Ray, Slimer und Janine und dem freundlicheren Color-Key aus Staffel 4 ist RGB auch optisch spätestens jetzt nicht mehr das, was es früher einmal war.

Sind die ersten vier Folgen von Staffel 5 wegen ihrer guten Animation noch ganz erträglich, verliert sich dies kurz vor den kindlichen Doppelfolgen, mit denen auch der leichte Anime-Touch fortan verfliegt. So ist die Serie ab Folge 105 „Das Baby des Wassergeists“ nicht mehr zu empfehlen.

Der Qualitätsverfall verwundert umso mehr als das Ghostbusters 2 gerade seine Kinopremiere feiert und der Serie wieder neuen Aufschwung hätte geben können. Stattdessen werden lediglich Janines Film- und Serien-Frisur aneinander angeglichen und sie ist fortan, wie im Film, vermehrt mit Louis unterwegs. Auf rein freundschaftlicher Basis! Was hier einen Unterschied zu GB2 darstellt.

Zudem findet ein anderes Kuriosum statt. Die Episoden scheinen fehlerhaft editiert worden zu sein, was sich dadurch auszeichnet, dass die Folgen zu langsam laufen: Von ihren bisher 22 Minuten werden die Folgen nun auf 26 gestreckt. Rein tempotechnisch merkt man dies an der langsamen Musik und der weniger flüssigen Animation. Die Episoden selbst sind dabei ganz klar auf 22 Minuten ausgelegt. Die Doppelfolgen dagegen laufen mit ihren 26 Min. zu schnell. Denn dort ist die eigentliche Animation auf eine Länge von ÜBER 26 Minuten bestimmt. Auf diese Weise werden diese Folgen sowohl im US-Fernsehen, als auch bei uns ausgestrahlt. Was da passiert ist bleibt ein Rätsel. Wahrscheinlich wollte man die normalen Folgen und die langen Doppelfolgen zeitlich aneinander angleichen damit sie mit identischen Laufzeiten besser in den Programm-Block passen. Dieser deutliche Fehler wurde auch später nie ausgebessert und sogar auf DVD-Veröffentlichungen erscheinen die Folgen in dieser Form. Diese Trägheit zieht die Folgen der fünften Staffel jedenfalls zusätzlich herunter. (Nicht von dem Tempo-Problem betroffen sind übrigens „Die Geisterjäger im Hexen-Wahn“ und „Die Geisterinvasion“, was das Kuriosum perfekt macht.)

In Deutschland erhält nun obendrein Janine eine neue Stimme (Viktoria Voigt), die hier zu jung klingt und leider nicht den Charme von Dorette Hugos Janine erreicht. Eventuell hat man hier aber sogar sinnvoll gehandelt, da sich eine spätere Episode mit Janines äußerlichen Veränderungen auseinandersetzt. Oder aber Dorette stand einfach nicht mehr zur Verfügung nachdem die Staffeln 5-7 zu einer späteren Zeit eingedeutscht wurden als das Staffel-Paket 1-4. (Staffel 5 bis 7 erlebten demnach übrigens ihre deutsche Erstausstrahlung nach einer zeitlichen Pause nicht mehr bei Sat.1 sondern auf Pro7 am späten Nachmittag.)

Die große Ausnahme in der allgemeinen miesen Qualität der fünften Staffel stellt allerdings die letzte Episode „Die Geisterinvasion“ (The Halloween Door) dar, die ein Halloween-Special bildet und in den Staaten separat von den anderen Folgen im Abendprogramm ausgestrahlt wurde. Hier ist die Animation perfekt. Es ist die optisch aufwändigste RGB-Episode. Ich nehme an, dass hier das Studio TMS den Auftrag bekam, denn die Animationen sind super flüssig, die Farben (trotz neuer freundlicherer Farb-Vorgaben) schön düster und aufeinander abgestimmt, und die Zeichnungen detailreich und ausdruckstark. Man schaue sich alleine die eindrucksvolle Farbpalette der tief-blauen Häuserfassaden gegen den dunkelroten Nachthimmel an, die die Folge in der zweiten Hälfte dominiert. Der Plot ist eher surreal (Jungs müssen einen Halloween-Hasser aufhalten, der das Fest vernichten will, was in einer Geisterinvasion endet) und gespickt mit Musik-Einlagen der Gespenster(!) und Jungs(!!) – im Sinne eines Feiertags-Spezials geht dies aber alles vollstens in Ordnung und wirkt stets übergeordnet! Zu verdanken ist diese Folge Autor Straczynski, den man hier noch einmal zurück gewinnen konnte. Man köderte ihn mit mehr Freiraum im Abendprogramm, das sich an weniger Zensur-Regelungen halten muss als die anderen Episoden am frühen Morgen. So bricht JMS mit aller höchstem Genuss sämtliche Auflagen, wegen denen er früher die Serie verließ; er benennt den Bösewicht nach einem Satanisten, erschreckt kleine Babys, bringt Ansagen von Nachrichtensprechern (tatsächlich verboten, da die Meldungen amerikanische Kinder zu sehr erschrecken könnten!), usw. Außerdem lässt er seine Song-Texte von den Bus Boys einspielen, die bereits „Cleanin’ Up The Town“ zum GB1-Soundtrack beisteuerten. Mit der Zensurbehörde der Programm-Etagen rechnet er übrigens indirekt auch durch die Geschichte selbst ab: Halloween-Hasser Crowley will alle gruseligen und kinderschädlichen Elemente des Halloween verbieten und beschwört dadurch erst viel größeres Unheil herauf…

Ein einsamer Sonnenstrahl am grade düsteren RGB-Himmel!

Staffel 6 & 7

Längst sind Schildkröten das Thema Nummer 1 auf dem Schulhof geworden – RGB gewinnt keine Fans mehr – die Serie wird in ihren beiden finalen Staffeln nur noch billig produziert – der absolute Tiefpunkt wird erreicht.

Nachdem die Geschichten bereits stetig banaler wurden sind die Geschichten nun nur noch dümmst. So jagen die Geisterjäger skateboardende Dinosaurier oder nehmen an einem Charity-Rennen in futuristischen Wagen teil. Die Figuren wirken dabei nur noch wie Schatten aus früheren Hoch-Zeiten. Offensichtliche Sparmaßnahmen wie eine obligatorische Clip-Show (Folge, die aus früheren Folgen zusammen geschnitten wurde, „Der Gedankenleser“ erstmalig in der Serie) verursachen ebenso Kopfweh wie der Einzug des Widersachers Dr. Dweeb und Hund Elisabeth aus der Slimer!-Serie, die schon rein stilistisch nichts in der RGB-Welt zu suchen haben.

Der Color-Key wird abermals überarbeitet. Die Farbpalette wirkt quietschbunt, stillos und sehr unharmonisch. Meistens ist sie von einem beißenden Pink oder einem unschönen Türkis dominiert. Die Protonenpacks sind nun zB. himmelblau. Auch die Hintergründe wirken dreckig und geschludert.

Die Animation ist lieblos, wackelig und die meiste Zeit unerträglich schlecht („Geisterjagd im Weltraum“). Gleiches gilt für Szenenabläufe und Storyboards durch die man sich spürbar durchzwengt. Der typische Anime-Touch ist längst verflogen. Es ist als WOLLE die Serie hässlich wirken.

Der Gnadenstoß wird dann durch die Hintergrund-Musik erteilt, die komplett ausgetauscht wurde gegen eine kleinere Anzahl kostengünstigerer Stücke eines anderen Komponisten, die nervig und substanzlos klingen. Vor allem passen diese Stücke selten zur Tonalität der Szenen. Es ist schlicht und ständig ein schräges, furchtbar mieses Gedudel im Hintergrund wahrnehmbar. Man muss es hören um es zu glauben.

Diese Punkte zusammen genommen machen die Serie zu diesem späten Zeitpunkt schlicht ungenießbar. Jeder Ansatz von Stil und Rafinesse ist inhaltlich wie optisch verflogen. Das Schauen wird zur Qual.

Auch das deutsche Synchronstudio ist nicht mehr mit Spaß dabei. Die Sprecher klingen schon seit Staffel 5 abarbeitender und die Folgen-Titel werden längst nicht mehr so originell und treffend eingedeutscht wie früher. Man kann es ihnen nicht übel nehmen.

Aber auch bei Staffel 6 sei fairerweise wieder gesagt, dass die ersteren Episoden etwas hervorzuheben sind, für die Guru Straczynski ein allerletztes Mal die Storys schrieb. So schiebt er in „Schönheit um jeden Preis“ Janines Veränderungen weg von den Fernseh-Bossen der Realität, auf den Pakt mit einer bösen Fee, die Janine optisch verändert damit sie mehr Chancen bei Egon hat. Diese Bemühung verpuffen allerdings in oben genanntem Gewirr aus Sparmaßnahmen und Lieblosigkeit.

Staffel 7 hat gnädigerweise nur noch vier Folgen. Da diese keine Steigerung zur sechsten Staffel darstellen, sind hier beide Staffeln zusammen gelistet.

Auf ihrer ungewöhnlich langen Ausstrahlungs-Reise von 134 Folgen in sechs Jahren erlebt die Serie also sämtliche Qualitäten, von der mMn. allerbesten Episode „Tummel und das Jenseits“ aus der zweiten Staffel, über die Durchschnittskost aus Staffel 3 und 4, bis hin zum katastrophalen Abstieg mit Staffel 6 und 7 und ihrer unerträglichsten Episode „Gefangen im Spielzeugland“, die als Note nur noch mit einer Sechs zu bewerten wäre. Trotzdem sollte man eine Serie natürlich immer an ihren Highlights festmachen:

Top-25

25 Jahre RGB – 25 Folgen RGB. Um eine kleine Hilfestellung bei der Episoden-Wahl zu geben, hier eine Aufstellung meiner persönlichen Top-10 sowie weitere 15 Folgen-Favoriten. Meine Haupt-Kriterien bei der Auswahl sind dabei immer eine möglichst erwachsene Geschichte und sehr gute bis gute Animation. (Die hintere Zahl in Klammern ist die deutsche Ausstrahlungsnummer, die sich bei uns an der Produktionsreihenfolge der Episoden orientiert und sich in Staffel 2 von der amerikanischen Reihenfolge unterscheidet.)

1. Tummel und das Jenseits (37) (You Can’t Take It With You)

2. Was ist Ragnarock? (32) (Ragnarok And Roll)

3. Das Tor zur Unterwelt (14) (Knock, Knock)

4. Janines freier Tag (57) (Janine’s Day Off)

5. Egon der Schreckliche (45) (Egon On The Rampage)

6. Geisterjäger des Jahres (61) (Ghostbuster Of The Year)

7. Das Schloss in Schottland (42) (Bustman’s Holiday)

8. Das achte Weltwunder (52) (Cold Cash And Hot Water)

9. Die anstrengende Geisterbeschwörung (41) (The Collect Call Of Cathulhu)

10. Das Chemie-Monster (27) (Doctor, Doctor)

11. Egon löst sich auf – 12. Die indianische Legende – 13. Tante Lois und der Scharlatan – 14. Wir sind die Nummer1 – 15. Der Schrank des Calamari – 16. Egons Familiendrachen – 17. Die Geisterjäger in Paris – 18. Hilfe, ich bin ein Geist – 19. Das unheimliche Gespensterschiff – 20. Die drei Weihnachtsgeister – 21. Janine, die Geisterjägerin – 22. Das alte Film-Monster – 23. Das zweite Bermuda-Dreieck – 24. Der unheimliche Dachboden – 25. Die Geisterinvasion

Abschluss

Mit den Extreme Ghostbusters erlebten die Ghostbusters 1997 den kurzen Versuch einer weiteren Animationsserie. Was sich nur sehr, sehr lose auf das Konzept RGB stützt (Egon formt 10 Jahre später eine jüngere Generation Geisterjäger) und ansonsten völlig andere Wege geht, kam leider in keinster Weise an das RGB-Paket heran. Die Serie floppte relativ (und wurde in D nach nur wenigen Folgen kurzfristig und völlig zu recht aus dem Sat.1-Vorabendprogramm genommen), behält aber immerhin wenige Fans in der GB-Community. Ich persönlich finde, dass man die Serie nicht schlechter hätte gestalten können. Es ist einfach: Ghostbusters sind nicht mehr Ghostbusters wenn sie „extrem“ werden… Es müssen die einfachen Loser von der Uni aus der Nachbarschaft bleiben, sonst ist es nicht komisch. Die EGB-Figuren sind nicht sehr angenehm… Und einst großartige Komödie weicht seichtem Mystery mit immer ähnlichem Folgenablauf, unpassendem Design und katastrophalem Schnitt und Musik… Im Detail sind die Mängel des seelenlosen Merchandiseprojekts von mir an anderer Stelle beschrieben.

Zurück zu RGB… Also zurück zu Kindheits-Erinnerung, Retro-Kult, Film-Fortsetzung und Animations-Schatz. Hat die Serie ihre Zeit überdauert und kann nach einem Viertel-Jahrhundert in einer gänzlich neuen Fernsehlandschaft im 16:9-Format und digitaler Reinheit überzeugen? Zugegeben, der Großbildfernseher enttarnt sämtliche Produktionsmängel, wie Unreinheiten oder Unschärfen, bis hin zu gelegentlichen (zu stark nachgeschärften) Doppelkonturen der analogen Folien-Animations Produktion. Bei einigen wenigen Folgen gibt es sogar produktionsbedingt eine Art Nachzieh-Effekt in hellen Bildbereichen. (Beides übrigens gut in der Folge „Die Säule von Manhattan“ zu erkennen.) Und irgendwie hätten die Hintergründe schon ein paar mehr gezeichnete Details vertragen… Aber das ist 80er-Charme. Die zu Anfang beschriebenen RGB-Qualitäten wirken indes zeitlos und sind hier bedeutender. Nicht ohne Grund wurde die Serie seit ihrer Erstausstrahlung mehrfach mit guten Quoten wiederholt und läuft derweil nun schon seit Jahren in der Endlosschleife im Samstag-Morgen-Programm auf Kabel 1. Die Uhrzeit ist früh, aber welche Serie der Achtziger kann noch von sich behaupten ausgestrahlt zu werden? Zwischen Spiderman und Ben10 behauptet sich nur der 80er-König! Und wer erinnert sich denn heute noch an die Turtles?

RGB lebt also. In Zeiten von aktuellem GB-Merchandise, GB-Videospiel und GB3-Vorboten rundet dies das Gesamtpaket Ghostbusters bestens ab. Aber auch treue Fans halten das RGB-Franchise aufrecht, sind kreativ und produzieren Kurzgeschichten oder neue aufwändige Fan-Hörspiele zu ihren Helden. Oder sie verkünden das Wort durch ellenlange Texte im Internet.

Was bleibt ist der Wunsch nach einer guten DVD-Veröffentlichung um RGB komplett genießen zu können und um die Serie zu archivieren. In Amerika ist eine Komplettbox der Serie (später auch Einzeldiscs) von Time-Life erschienen. Die code-freie Box ist liebevoll produziert und das neue Bonusmaterial mit dem Promo-Piloten und exklusiven Features ist schlicht ein Traum. Leider ist die Bildqualität der Folgen bedingt durch die schlechte Kompression von gut entfernt. Weiterhin möchte man natürlich als deutscher Fan die Serie mit den deutschen Stimmen hören. Und da ist noch großes Handeln nötig. Im Zuge des GB-Videospiels im Sommer 09 ist zwar die erste Staffel RGB in einer europaweiten DVD-Fassung auf dem deutschen Markt erschienen, weitere Staffeln lassen aber bis heute auf sich warten und werden wohl in naher Zukunft nicht mehr erscheinen. Zudem sind Bild und Ton der ersten DVD-Staffel nicht optimal: Die Farben sind zu grell und die deutschen Kult-Stimmen scheinen leicht gepitcht zu sein. Sie klingen verzerrt und fehlerhaft – mögen aber dem Gelegenheitsseher nicht sehr negativ auffallen. Bonus gibt es keinen.

Vielleicht geschieht DVD-technisch etwas im Zuge von GB3, der wohl früher oder später kommen wird. Vielleicht wird es aber auch eine neue Zeichentrickserie zum neuen Film geben, die sich hoffentlich sehr stark an RGB als perfekte Fernseh-Adaption und Trick-Version der Geisterjäger orientiert. Aber das füllt später einmal Seiten…

Happy Birthday, RGB!

 

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