Gelesen: „Ghostbuster’s Daughter“

Die Harold Ramis-Biographie ist endlich erschienen. Sie ist fesselnd, witzig und traurig – alles auf wunderschöne Weise.

von Timo

Wenn man sich für ein Thema interessiert, und das über viele Jahre, kommt irgendwann der Punkt, an dem man über die „dogmatischen“ Ansätze hinaus sein Spektrum erweitern mag. Die „Ghostbusters“-Filme waren toll, aber wie kam es dazu? Grund waren – neben ungeheuer viel Glück und dem magischen X-Faktor – die kreativen Persönlichkeiten, die als Autoren, Regisseure, Schauspieler etc. diesen absoluten Lieblingsfilm erst möglich gemacht haben. Man beginnt sich zu fragen, ob die Genialität, die philosophischen Ansätze, schlichtweg Stil und Form von „Ghostbusters es auch in andere Werke geschafft haben. Man sieht sich „Ich glaub, mich knutscht ein Elch“ („Stripes„, 1981), „Und Täglich Grüßt Das Murmeltier“ („Groundhog Day„, 1993) und all die anderen Filme all der Beteiligten an. Man beginnt, über die Jahre jedes Interview zu verschlingen und in Hirn und Ordner zu archivieren. Aus der Freude an einem Film wird ein ganzheitliches Erlebnis.

Harold Ramis fiel uns zunächst als Egon Spengler und als Autor auf, dann als großer Filmemacher („Murmeltier“, „Vier lieben Dich“, „The Ice Harvest“, „Die schrillen Vier auf Achse“ usw.), in Interviews dann als Philosoph, ausgeglichen und weise. Das Idealbild eines Kreativen, der etwas zu sagen hatte.

Mich persönlich hat Ramis immer inspiriert, in derselben Reihenfolge. Als Kind spielte ich seinen Egon nach (was ich bis heute im Rahmen unserer Hörspielserie mit einem großartigen Team machen darf, yay). Später, als ich selbst begann zu schreiben, nahm ich mir das Bestreben zum Vorbild, über eine Geschichte auch immer etwas vermitteln zu wollen. Das war, was ich an Ramis‘ Arbeiten liebte. Der Humor war immer smart, nie platt („Year One“ mal außen vor), die Prämissen unverbraucht oder zumindest unverbraucht erzählt. Substanz war stets da, aber nie mit Aushängeschild, sondern im fluss mit der Unterhaltung.

Kein Wunder also, dass schon die Ankündigung eines Buches über Ramis, noch dazu höchst persönlich geschrieben von seiner Tochter, ein riesiges Wonnegefühl auslöste. Nach dem Tod des geschätzten Idols im Jahre 2014 war ein echtes Kennenlernen unmöglich geworden. Ich habe bis heute Dan Aykroyd, Ernie Hudson und sogar Bill Murray getroffen, diese letzte Begegnung sollte mir aber nicht vergönnt sein und auch wenn man ab und an darüber nachdachte wie schön es wäre, Biographien über Aykroyd und Murray zu lesen, so ist das hier nochmal ein anderes Kaliber.

CcBFnLrXIAARAG6Das Buch ist keine vollständige Biographie. Violet Ramis erzählt vielmehr ihre persönlichen Erinnerungen, Gedanken, Erlebnisse, was dem Ganzen eine viel intimere Note verleiht. Harold Ramis wird über die knapp 370 Seiten vom idealisierten Götzen zum Menschen voller Fehler und teils fragwürdiger Entscheidungen – so wie wir. Dadurch schafft das Buch Augenhöhe, und wenn Ramis dann im weiteren Verlauf innerlich reift und schließlich zum Weisen wird, den man in den letzten Jahren seiner Karriere wahrgenommen hat, dann ist das nicht nur Portrait, sondern auch wieder Inspiration. Beginnt man das Buch, ist man Fan der Arbeiten von Ramis. Schließt man damit ab, begeistert man sich für einen Menschen mit Herz und Seele, mit dem Bestreben, das Richtige zu tun.

Die Autorin widmet jedem einzelnen Film ihres Vaters ein Kapitel und erzählt Anekdoten dazu, viele hat man noch nie gehört. Dabei wird Ramis nicht als Filmgott skizziert. Ganz offen wird darüber gesprochen, wie vor allem spätere Filme kommerziell hinter den Erwartungen zurückblieben und wie betrübt Ramis darüber war. Extrem ehrlich wird das z.B. bei „Year One“: „Es waren lauter junge Leute am Set, die meinen Vater vergötterten und keiner hat sich getraut ihm zu sagen, dass das nicht gut ist.“

Geradezu herzzerreissend sind die letzten Kapitel. Nach dem „Year One“-Flop und dem Tod des Vaters, zeitgleich als die „Ghostbusters 3„-Gerüchte hochkochten, fiel Harold in eine Depression, wollte zeitweise das Filmemachen ganz aufgeben. Dann wurde er krank. Die letzten beiden Jahre siechte er vor sich hin, schließlich starb er im Kreise der Familie. Zu diesem Zeitpunkt sitzt man als Fan mit am Krankenbett, es ist packend und traurig. Dennoch gelingt der Autorin ein hoffnungsvolles, kraftvolles, positives Ende.

„Ghostbuster’s Daughter: Life with my Dad, Harold Ramis“ ist ein absolutes Muss für jeden „Ghostbusters“-Fan, für jedes Elternkind und ein starkes Lehrstück über das Leben.

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