GB2 (1989)

Story

Undank ist der Welten Lohn. Da haben sie New York vor einem 50 Meter hohen Marshmallowmann und einer Armee von Geistern gerettet, und wie dankt die Stadt es ihnen? Benennt sie eine Strasse nach den Ghostbusters? Stehen Venkman, Stantz, Spengler und Winston seit neuestem in Überlebensgröße auf dem Times Square?

Natürlich nicht. Kurz nach geglückter Abwehr der Geisterinvasion witterte jedermann die Chance auf schnelle Kohle und überschüttete die Ghostbusters mit einer Flut aus zivil- und strafrechtlichen Prozessen. Die Folgen waren traurig: Auf allerhöchsten Beschluß entzog der Richter unseren Helden die Lizenz zur Geisterjagd ein für allemal.

Fünf Jahre nach ihrer grandiosen Heldentat sind die einst so großen Geisterjäger endgültig auf den Hund gekommen. Stantz und Zeddemore verdienen ihren Lebensunterhalt als Witzfiguren auf Kindergeburtstagen. Spengler arbeitet in einem parapsychologischen Labor und widmet sein Genie albernen Tests.

Peter Venkman schliesslich, der ehemalige Anführer der Ghostbusters, vertreibt sich seine Zeit als Moderator einer Kabelserie über die Welt des Übernatürlichen, in der sich diverse Spinner darum streiten dürfen, wann die Welt das nächste mal das Zeitliche segnen wird. Selbst das Happy End mit Dana erwies sich als ausgesprochen kurzlebig. Inzwischen hat Dana eine gescheiterte Ehe hinter sich, lebt mit ihrem acht Monate alten Sohn Oscar allein in einem Altbau und arbeitet als Kuratorin in einem Kunstmuseum, wo sie sich nur mühsam gegen die Avancen ihres Kollegen Janosz Poha erwehren kann.

Doch das Übernatürliche schläft nicht! Eines schönen Tages – Dana kommt mit ihrem Sohn gerade vom Einkaufen zurück – macht sich Oscars Kinderwagen selbstständig. Wie ein Formel 1-Geschoss rast das Gefährt durch den Verkehr und bleibt schließlich mitten auf der Straße stehen. Ein klarer Fall von paranormaler Aktivität!

Ihrer alten Freundschaft zuliebe zwängen sich Stantz und Spengler noch einmal in ihre Monturen und graben des Nachts kurzerhand die Straße auf. Was sie in der Tiefe finden, lässt selbst den abgebrühten Geisterjägern die Haare zu Berge stehen. Ein breiter Fluss aus rosafarbenem Schleim schwappt durch die alten Tunnel, die man vor der letzten Jahrhundertwende für ein gescheitertes U-Bahn-Projekt ausgehoben hatte. Es gelingt den Ghostbusters noch, eine Probe des Schleims zu entnehmen, dann treffen die Behörden ein und machen den paraphysikalischen Forschungen ein rasches Ende. Dummerweise reisst dabei ein Kabel, und so kommt es in ganz Manhattan zu einem enormen Stromausfall.

Tags darauf sieht man sich vor Gericht wieder. Louis Tully – nach seinen Erfahrungen als Monsterhund zum Finanzanwalt umgestiegen – bemüht sich zwar nach Kräften, seine Klienten in Schutz zu nehmen. Doch davon will der Richter nichts hören. Der Schuldspruch liegt ihm bereits auf der Zunge, als sich die beiden Geister eines Verbrecherpaars, das der Richter seinerzeit auf den elektrischen Stuhl geschickt hat, materialisieren. Hämisch kichernd legen sie den Gerichtssaal in Schutt und Asche und machen sich dann auf die Jagd nach ihrem Mörder. Dem Richter bleibt keine andere Wahl. Notgedrungen gibt er den vier Angeklagten die Lizenz zur Geisterjagd zurück – die Ghostbusters sind wieder im Geschäft!

Gerade noch rechtzeitig, wie sich herausstellt. Im Museum ist Danas Kollege Janosz mittlerweile unter den Einflus eines unheimlichen Bildes geraten. Vigo, ein einstiger Karpatenfürst, gedenkt, in diese Welt zurückzukehren. Dafür braucht er jedoch einen neuen Körper, den Janosz ihm beschaffen soll. Kurz darauf erlebt Dana den Shock ihres Lebens. Als sie ein Bad für Oscar einlassen will, tropft statt Wasser rosafarbener Schleim aus dem Wasserhahn, und nur in letzter Sekunde kann Dana ihren Sroß vor den schwabbelnden Tentakeln retten. Die entstetzte Kuratorin weiß sich keinen anderen Rat mehr. Widerwillig zieht sie bei ihrem Ex-Freund Venkman ein, der sich alle Mühe gibt, sie auf’s Neue zu bezirzen.

Inzwischen hat Spengler im Labor eine erstaunliche Entdeckung gemacht. Der Schleim aus dem U-Bahn-Tunnel ist nichts anderes als eine ektoplasmische Gefühlsmanifestation, geschaffen von den unzähligen Hassgefühlen der Bewohner von New York, die hier gewissermaßen glitschige Gestalt angenommen haben.

Noch gibt es jedoch Hoffnung für New York. Durch gutes Zureden (“Lieber Schleim! Guter Schleim!”) gelingt es Stantz und Spengler, ihre Proben in ein positiv geladenes Gegenstück umzuwandeln. Diese neue Sorte Schleim verbreitet “good vibrations” und bringt sogar einen damit besprühten Toaster zum Tanzen, wenn man ihm nur das richtige Lied vorspielt!

Auch sonst scheint sich alles zum Guten zu entwickeln. Nicht zuletzt dank Baby Oscar kommen sich Dana und Venkman natürlich wieder näher. Spengler, Stantz und Zeddemore dringen noch einmal in die Tunnel vor und kommen mit etlichen neuen Erkenntnissen in Sachen Schleimforschung wieder zurück, und Louis kommt in einem feschen One-Night-Stand der Sekretärin Janine näher.

Doch der Friede währt nur kurz. Dana kommt gerade rechtzeitig von einem Abendessen mit Venkman nach Hause, um mitzuerleben, wie ein geisterhaftes, von Janosz gelenktes Luftgefährt ihren Oscar entführt. Im selben Moment bricht überall in New York die Hölle los. Rosafarbener Schleim quillt aus dem Boden und hüllt das Museum in einen undurchdringlichen Panzer, während drunten am Hafen die Titanic von ihrer Jungfernfahrt zurückkehrt und eine ganze Schiffsladung geisterhafter Passagiere absetzt.

Schliesslich weiß der Bürgermeister keinen Rat mehr und ruft die Ghostbusters zu Hilfe. Doch gegen soviel ektoplasmische Bosheit versagen selbst die atomgetriebenen Protonenpacks der Geisterjäger. Der Schleim scheint unangreifbar.

Während Baby Oscar drinnen im Museum bereits auf dem Schrein liegt und mit großen Augen die Materialisation Vigos verfolgt, kommt Venkman eine geniale Idee. Jetzt muss positives Feeling her. Und ein Symbol, das – für jeden New Yorker klar erkenntlich – das Gute verkörpert.

Beides findet man im Hafen von New York. Kurz darauf wandelt, vom “guten” Schleim belebt, eine ungewöhnlich hochgewachsene Dame aus Gußeisen über den Times Square – dem Showdown mit dem bösen Karpatenfürsten Vigo entgegen…

(Text: Kino-Presseheft)

Hintergrund

“Ghostbusters 2” vereint das komplette Erfolgsteam des ersten Teils: Regie führt der aus der Tschekoslowakei stammende Ivan Reitman, das Drehbuch schrieben wieder Harold Ramis und Dan Aykroyd. Die George Lucas-Firma ILM steuerte die Tricks bei. Der Film wirkt wie ein großes Spielzeug: perfekt gestylt, griffig, glitzernd und am Reißbrett entwickelt. Reitman und seine Mannen lassen nichts aus, was “Ghostbusters”-Fans erwarten: Menschen, Monster, Mutationen, verrührt zu einem kindlichen Vergnügen zwischen Comicstrip und Kino-Knallfrosch, stets auf Wirkung bedacht und atemlos dem Showdown entgegenhetzend.

Der zweite Teil der Serie ist von einem patriotischem Optimismus getränkt, der Ramis und Aykroyd unter Reagan wohl noch nicht aus der Feder geflossen wäre (und wohl auch nicht heutzutage, unter Bush). Es geht wieder aufwärts, der Schleim von gestern wird endgültig besiegt. Hinter der Nonsenskomik von Reitman Dämonen-Rabbatz schlummert ein parodistischer Abgesang auf die realen Plagegeister des Reaganismus. Hinfort, ihr grauen Geister! Reitmans Film präsenmtiert sich aber auch in anderer Sicht trendbewusst: Mehr denn je steht das amerikanische Kino im Zeichen von Familie, Kinderkriegen und Generationsversöhnung.

– Kinorezension aus Illustrierter, 01/1990


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