Ghostbusters-Verschiebung: Warum Streaming keine Alternative ist

Nach der erneuten Verschiebung des dritten Teils werden auch wieder die Stimmen nach einer Video on Demand-Veröffentlichung laut. Keine gute Idee.

Die Debatte war schon nach der ersten Verschiebung von Juni 2020 auf März 2021 monatelang geführt worden: Warum den Film nicht einfach direkt per Streaming-Dienst anbieten? Das wäre eine Möglichkeit, aber die finden wir nicht gut und Sony Pictures wahrscheinlich noch weniger. Deshalb gibt’s eine kleine Liste mit Argumenten dagegen.

Kino ist das Größte

Alles spricht für den Eventcharakter eines Kinostarts: Die lange Wartezeit oder die Tatsache, dass es ein neues Kapitel in (zumindest) unserer Lieblingssaga ist. Wir wollen das nicht schnöde begehen, als sei es nur ein x-beliebiges Netflix-Original. Wir wollen es nicht auf der Couch sehen, auf der wir jeden Tag sitzen, sondern auf einer 20-Meter-Leinwand. Jetzt werden einige auf ihr potentes Heimkino verweisen, aber sorry, gegen einen Onyx-Kinoscreen oder gar eine hausgroße Imax-Leinwand mit Dolby Atmos-Gewitter hat auch das schönste Heimkino keine Chance. Ja, klar: Wir kennen auch die üblichen Gegenargumente: Die Sitznachbarn quatschen und rascheln mit dem Popcorn. Aber das ist ja nicht immer der Fall und man kann sich auch eine weniger populäre Vorstellung abseits vom Samstagabend aussuchen. Daheim klingelt das Smartphone, der Nachbar bohrt – oder sonstwas. Kino vs. Wohnzimmer sollte man immer unter den jeweils bestmöglichen Bedingungen vergleichen. Stellt euch das hier in 20 Meter vor:

Kino bringt Gemeinschaftsgefühl

Im Kino geht das Licht aus und wir erleben im Kollektiv eine Geschichte. Pur, bestmöglich präsentiert, ohne Ablenkung. Als der Autor dieser Zeilen vor 18 Jahren in der Kinopremiere von Star Wars: Angriff der Klonkrieger saß, war gar nicht so offensichtlich, wie eher mittelmäßig der Film ist. Denn man saß dort unter anderen Fans und als Yoda zum Lichtschwert griff, gab es einen Applaus wie im Fussballstation, wenn ein Tor fällt. Wer Streaming bevorzugt, hat sowas noch nicht erlebt.

Schon der kontroverse Reboot von 2016 wurde in ganz Deutschland von verschiedenen Fangruppen gefeiert und bei vielen Vorstellungen begleitet. Für die „echte“ Fortsetzung wird das wohl nochmal eine Nummer größer werden, unter anderem planen auch wir ein paar Events.

Die Ghostbusters 2018 im Kinopolis. Bild: Tom Czek

Der Film kann sich über VOD nicht refinanzieren

Christopher Nolans Tenet lief gut in Europa im Kino, in den USA dagegen schlecht: Zu wenige Kinos hatten dort geöffnet. Anders sah es zum Beispiel bei Bill und Ted 3 aus, der direkt als VOD angeboten wurde. Der war nämlich erfolgreich und sogleich wurde damit argumentiert, dass man Ghostbusters doch nachschieben könne. Auch das Sequel zu Der Prinz aus Zamunda kommt direkt zu Amazon Prime, obwohl eigentlich fürs Kino gedacht.

Nur hinkt der Vergleich: Sowohl Bill und Ted als auch Zamunda haben sehr geringe Produktionskosten. Wenn die also 30 Million Dollar einspielen, gilt das als Erfolg. Ghostbusters müsste das vierfache einspielen, um überhaupt erst das Budget wieder zu erwirtschaften und dann ist noch kein Plus gemacht. Wenn der komplette Verwertungszweig Kino wegläuft, mit dem Filme immer noch am meisten Geld verdienen, wird Ghostbusters abschmieren und die Marke wird für Jahre endgültig begraben sein. Zwar hat Disney seinen großen Mulan auch direkt zu Disney+ geschickt, angeblich erfolgreich. Doch es gibt Zweifel, ob das wirklich so ein Goldesel war wie behauptet.

Über VOD only kann die Marke nicht im großen Stil aufgebaut und verkauft werden

Jeder hat Zugang zum Kino. Das ist auch wichtig, denn Sony hat viel mit Ghostbusters vor. Hasbro will Spielzeug im großen Stil verkaufen. Will man die Marke wieder so pushen wie das früher der Fall war, darf der Zugang zum wichtigsten Werbespot, nämlich dem Film selber, nicht beschränkt sein. Beispiel: Die superpopuläre Netflix-Serie Stranger Things, eines der Vorzeigeprodukte des Streaming-Anbieters. Ganz viele Leute können mitreden, wenn eine neue Staffel erscheint. Aber genausoviele haben noch nie eine Folge gesehen. So entstehen seltsame Streaming-Parallelgesellschaften anstelle einer großen Masse, die einen Sommer über gemeinsam von Jurassic Park schwärmte. Die große Masse braucht es aber, um massenweise Spielzeug zu verkaufen. Und eine neue Serie in Auftrag zu geben. Oder noch einen Film. Bettzeug auch. Und Zahnbürsten.

Ghostbusters II

Wisst ihr, warum so viele von uns Fans Ghostbusters II besser finden als den ersten Teil, obwohl sich die Kritiker alle einig waren, dass es nicht so ist? Weil wir den Film auf dem Höhepunkt des The Real Ghostbusters-Hype im Kino gesehen haben. Den Ersten haben wir nur auf Video gesehen, aber der zweite war ein kulturelles Ereignis, zu dem wir ausgehen mussten. Lieber Leser: Deine Kinder empfinden das nächstes Jahr ebenso.

Kino ist sozialer

Früher oder später sieht sowieso jeder seine Lieblingsfilme im Stream oder auf Blu-Ray. Nämlich dann, wenn diese aus dem Kino in die nächste Verwertungstufe weitergereicht werden. Um die Streaming-Anbieter muss man sich keine Sorgen machen, die haben gerade im Corona-Jahr fette Umsätze erwirtschaftet. Anders sieht es beim Kino aus: Selbst die großen Ketten wissen nicht mehr weiter. In den kleineren, besonders bedrohten Dorfkinos sitzen oft noch Leute, die Film aus Leidenschaft vorführen. Das sind Menschen, die dringend auf jeden dicken Film und auf viele Zuschauer angewiesen sind. Wenn der Corona-Spuk zu Ende geht, sollten wir diese Leute – die, die dann noch über sind – unterstützen. Amazon hat genug Geld.

Es ist Ghostbusters III

…ich muss doch bitten.

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