Entweder Sie glauben Mr. Peck, oder Sie können die Tatsachen akzeptieren

Erinnert ihr euch an den „Manhattan Crossrip“ und die Geisterplage von 1984? Zum Glück hatten wir Dr. Ray Stantz und seine Freunde.

Man überlege sich, wie ungeheuerlich es wäre: Hunderte von geisterhaften Wesen fallen über die Großstädte und Ballungszentren her. Ein Erlebnis, das für uns alle ganz neu wäre, das noch keiner von uns vergleichbar erlebt hat. So richtig kann man es gar nicht fassen, munkelt hinter hervorgehaltener Hand und bittet um Diskretion. Wie der Hotelmanager. Man macht sich darüber lustig, obwohl man es direkt vor der Nase hatte („Mag sein, aber was macht er in meinem Kühlschrank“) und auf wundersame Weise hat man es fünf Jahre später ganz verdrängt, weil’s einfach nicht sein konnte.

Wutbürger Peck: Kein Herankommen

Die Kirche wagt kein Statement abzugeben, obwohl solch ein – zumindest gefühltes – Endzeitszenario ja genau deren Baustelle wäre, am besten aber ist Walter Peck als Stellvertreter des geschlossenen Weltbildes: Was da passiert, was er da hört, das kann nicht sein, denn das kennt man ja so noch nicht. Auch oder trotzdem es überall um ihn herum geschieht. Um das Weltbild zu erhalten, sucht Peck sich zunächst ein Feindbild – in dem Fall die studierten Parapsychologen Venkman und Stantz, sowie Physiker Spengler – und stellt anschließend wilde Mythen und Lügen in den Raum: Die Geisterjäger sollen nämlich selbst Verursacher des Spuks sein und mit Tricks und Nervengasen arbeiten. Damit wäre alles erklärt und Pecks Sicht auf die Dinge gesichert. Nur leider ist damit das Problem nicht beseitigt. Im Gegenteil: Durch seine Trotzigkeit (schließlich lässt er die Geister-Lagereinrichtung abschalten) verstärkt er das Problem sogar und sorgt so dafür, dass noch mehr böse Geister noch mehr arme Leute heimsuchen.

Auf frischer Tat ertappt: Egon sprüht Sinn- und Nervengase

Das Schöne an diesen Harold Ramis-Klamotten ist ja allen gemein, nämlich dass sie die Komödie nutzen, um mit dem Zuschauer zu sprechen und Dinge zu vermitteln. Ramis selbst war da stets bescheiden: „Filme sind nur eine Art Projektionsfläche, so wie der Rorschach-Test. Die Filme ändern sich nicht, aber wir begeben uns zu diesen Erfahrungen und erleben sie verschieden. Der Film ist einfach der Film und ich freue mich, dass die meisten Leute ihn mögen. Aber ich bin sicher, ein paar Fundamentalisten empfanden ihn auch als das Werk des Teufels.“

Auch, wenn das zweifellos stimmt und erst recht dann, wenn wir uns für einen Film besonders interessieren, lässt sich doch nicht von der Hand zu weisen, dass Ghostbusters durchaus Etliches mit sich bringt, beispielsweise den Vergleich mit dem Lovecraft-Universum, denn hier wie da sind die übernatürlichen Geschehnisse und Dämonen nur Stellvertreterfiguren für Probleme, die uns zur Verzweiflung und fast um den Verstand bringen und dann kommt dann noch das Markensymbol der fiktiven Stay Puft Company ums Eck, das 50 Meter hohe Ergebnis jahrzehntelangen, pervertierten Lifestyles, der uns einzuholen droht. H.P. Lovecraft war hier immer Pessimist, seine Figuren verloren ihren Verstand. Ghostbusters ist beseelt vom Optimismus und der weisen Fröhlichkeit seiner Autoren und so akzeptiert Ray, nachdem er das Erscheinen des Marshmallow-Mannes mit Das kann nicht sein! kommentierte, die Tatsachen. Er stellte sich ihnen und wuchs.

Gucken gern arrogant von der Seite: Gutmenschen

Dieses Eingeständnis an die Wahrheit konnte Walter Peck zuvor nicht aufbringen. Er konstruierte Feindbilder und eine alternative Geschichte, so dass dem Bürgermeister am Ende zwei Versionen zur Auswahl aufgetischt wurden. Die wahnsinnige Situation einer Geister-Epidemie, erklärt durch die studierten Fachleute Stantz und Co. Sowie Pecks Version, die diejenigen, die eigentlich zur Lösung beizutragen haben, verteufelt. So ist bei Bill Murrays Ausruf Entweder Sie glauben Mr. Pickel, oder Sie können die Tatsache akzeptieren, dass die Welt einer Katastrophe biblischen Ausmaßen entgegensieht der Schwerpunkt keineswegs die Katastrophe biblischen Ausmaßes. Sondern es ist: Entweder Sie glauben etwas, oder Sie akzeptieren die Tatsachen.

Der Bürgermeister entscheidet sich für Zweiteres und die Ghostbusters werden eingesetzt, um das Problem mit ihrer wissenschaftlichen Expertise zu lösen. Dabei gehen sie zwar beinahe in einem Sinkloch verloren, werden fast vom Hausdach in die Tiefe gefegt und von einer weißen Zuckerpranke erschlagen. Aber hey, das ist okay, denn das ist die Natur von Wissenschaft: Es ist ein von Rückschlägen geprägter Lernprozess, der zum Erfolg führt. Ghostbusters ist eine Ode an die Tatsache, dass wir mit kühlem Kopf, klarem Verstand und Zuversicht alles hinbekommen. In lustig und mit guter Musik.

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