Exklusiv: Interview mit Ghostbusters-Autor Richard Mueller

Wer Ghostbusters sagt, muss auch Richard Mueller sagen: Denn der vielbeschäftigte Autor hat nicht nur den Roman zum Kinofilm geschrieben, sondern auch zahlreiche Episoden der Trickserien THE REAL GHOSTBUSTERS und EXTREME GHOSTBUSTERS. Der Roman ist dieser Tage im Nachdruck erschienen und Mister Mueller war so freundlich, uns einige Fragen zu beantworten.

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Wissen Sie noch, wie Sie an den Auftrag für den „Ghostbusters“-Roman gekommen sind und was ihre Grundlage war, um die Geschichte von Aykroyd und Ramis zu adaptieren?

Ich hatte gerade meinen ersten Roman – JERNIGAN’S EGG – an Jim Frenkel von Bluejay Books verkauft. Jims Frau, Joan Vinge, wurde angeboten GHOSTBUSTERS zu schreiben, sie hatte allerdings gerade für MAD MAX: BEYOND THUNDERDOME zugesagt und so fragte Jim mich, ob ich das machen wolle (die Antwort auf auf solch eine Frage ist übrigens immer ja). Ich lieh mir also eine IBM Schreibmaschine und man schickte mir das Drehbuch.

Es gab ein kleines Problem: Keine von Peter Venkmans Zeilen war im Skript. Venkman sollte von Jim Belushi gespielt werden, doch er wurde selbst zum Geist und so sezten sie auf einen anderen Saturday Night Life Player. Bill Murray kam gerade von Dreharbeiten in Indien zurück und meinte, er sei zu müde gewesen um seine Zeilen zu lernen und wollte improvisieren. Das Studio wollte mir ein Video des Films schicken, aber das haben sie nie gemacht. Glücklicherweise war GHOSTBUSTERS ein toller Date-Movie und ich sah ihn mehrmals und ich habe ein ganz gutes Gedächtnis und so habe ich die meisten Sprüche hinbekommen. Ich habe alles in vier Wochen geschrieben. Die einzige Enttäuschung war, dass Tor Books (der Herausgeber) die Dialoge kindgerecht wollte, also konnte ich nicht schreiben „Ja Sir, dieser Mann hat keinen Schwanz“.

Beim Schreiben habe ich meine Erinnerungen an New York genutzt und die Geschichte großzügig ausgebaut, indem ich die Verwandten der Jungs hineingeschrieben habe, von denen die meisten später auch in der Serie aufgetaucht sind. Außerdem habe ich während meines Abschlussjahres im College selbst in einem verfluchten Wohnheim gewohnt und war im mittleren Westen auf Geisterjagd.

Sie haben den Figuren mehr Tiefe und Hintergrund gegeben. Wie viel Freiheiten hatten Sie bei der Adaption und was war die Inspiration für die zusätzlichen Informationen für die vier Hauptfiguren?

Ich musste viel dazuerfinden, denn Drehbücher sind tatsächlich ziemlich kurz. Wenn man ein 120-seitiges Drehbuch in einen Roman komprimiert hat man Glück, wenn am Ende 40 Seiten herauskommen und das kauft niemand. Ich nahm mir also Hinweise zu den Figuren und dichtete Verwandte und Freunde hinzu. Venkman war von Natur aus ein Betrüger. Egon und Ray waren beinahe kindlich in ihrer Freude an der Wissenschaft. Winston war ein Zyniker. Was den Spielraum angeht, so wollten sie es schnell und gut. Ich musste es also dehnen.
J. Michael Straczynski war als Story Editor dafür zuständig, das Ghostbusters-Universum ins Fernsehformat zu übertragen. Wir finden, er hat einen perfekten Job gemacht, genauso wie Sie mit einigen großartigen Geschichten. Wie kamen sie bei The Real Ghostbusters an Bord?

Ich kannte Joe vom Science Fiction schreiben und ich hatte etwas für Harmony Gold (amerikanische Film- und Fernsehgesellschaft) gemacht. Ich glaube, ich habe auch etwas für Spiral Zone gemacht und hatte ein gutes Verhältnis mit dem Fantasy & Science Fiction Magazine. Ich habe einen Anruf von Joe bekommen und er meinte: „Ich wurde gerade von Fox mit 165 Episoden der Real Ghostbusters beauftragt. Magst du bitte kommen und für mich schreiben“, sowas in der Art. Also sagte ich: „sicher“.
Eine unserer Lieblingsfolgen ist „Tummel und das Jenseits“, in der ein alter Milliardär ein Tor zur Geisterwelt öffnet, um all sein Geld ins Nachleben zu bringen. Die Folge trifft genau den Humor und den Geist von Ghostbusters auf perfekte Weise. Sie spricht außerdem sowohl zu Kindern wie auch zu Erwachsenen, was Real Ghostbusters ausmacht. Können Sie uns sagen wie die Geschichten entstanden sind, speziell „Tummel und das Jenseits“?

You can’t take it with you (Originaltitel), auch einer meiner Favoriten. Ich bin nicht sehr für Mega-Kapitalismus und so hat mir die Idee eines fiesen Milliardärs, der seine Abrechnung bekommt, gefallen. Und wenn jemand fies genug ist, seine Angestellten mit ins Jenseits zu nehmen, dann ist das für mich eine Liga mit einem Massenmörder oder Kannibalen. Ich denke, es war die einzige Episode, in der ein lebender Mensch umgebracht, auf die andere Seite gebracht wurde. Und die Szene mit all den Goldbarren, die nach unten regnen bringt Venkmans diebische Attitüde zum Vorschein. Es hat Spaß gemacht. Ich erinnere mich an eine Lieblingsszene in When Worlds Collide, in der der gemeine Investor in letzter Minute nicht loslegen kann, weil sein Butler seine Plätze an ein junges Paar abgibt.

Was die Ideen generell angeht, haben wir jedes alte Pantheon der Götter, jede Folklore, alle urbanen Legenden, Aberglauben und alle berühmten Ungeheuer geplündert, die wir finden konnten. Ein leidenschaftlicher Dungeons und Dragons-Spieler zu sein, hat mir da geholfen.
Haben Sie selbst eine Lieblingsepisode ihrer Real Ghostbusters-Geschichten?

Meine liebste Staffel war Staffel 4, geführt von Chuck Menville und Len Jenson. Ich hatte drei Episoden dafür geschrieben und die Animation war herausragend. Eine tolle Erfindung mit Peters Ego, das ihn dazu brachte eine Maschine zu bauen die ihn vermeintlich reich machen sollte, aber tatsächlich ein gigantisches Monster namens Mee-Grah anlockte. In Klein aber oho werden die Jungs vom Kopfgeldjäger des Geistermeisters auf Actionfigurengröße geschrumpft und Janine und Slimer müssen einen Gegenzauber finden. Und Winstons Vater öffnet bei Bauarbeiten versehentlich eine Parallelwelt namens Das Land der verlorenen Gegenstände. Sie treffen dort den Sammler, der nicht aufgeben wird bis er „den Schlüssel“ gefunden hat. Jede Folge gab mir die Gelegenheit, mit Bildwitzen und Dialogen zu spielen. Aber meine Lieblingsfolge war Sherlock Holmes und die Geisterjäger. Durch die Macht des Glaubens taucht Moriarity in New York auf, verfolgt von Holmes und Watson. Nachdem die Jungs Watson versehentlich eingefangen haben, muss Winston ihn ersetzen und dabei helfen, Moriarity und seinen Hund zu fangen.
Sie schrieben außerdem zwei Episoden für die nächste Generation, die Extreme Ghostbusters. Können Sie uns etwas über ihre Arbeit an der Spin-Off-Serie verraten?

Ich habe gerade an allem Möglichen gearbeitet, als XGB kam. Aber ich meinte, ich würde gerne etwas dafür schreiben und ich bekam zwei Episoden. Eine hatte wilde Pflanzen, die den Central Park übernahmen. Die andere hatte einen Succubus (gespielt von Nora Dunn), die als temporäre Sekretärin (daher der US-Titel, Temporary Insanity) anheuerte und versuchte, Egon von Janine abzubringen. Nicht, dass Janine das zugelassen hätte. Während der Neunziger gab es viele großartige Serien und ich schrieb für viele davon, und so einige hatten Extreme im Titel. Wir konnten mit wundervollen Schauspielern und Animatoren arbeiten.
Sie sind im Social Media ja noch sehr aktiv wenn’s um die Geisterjäger geht, deshalb müssen wir fragen: Haben Sie den neuen Trailer zum kommenden Film gesehen und wie könnten wir uns einen dritten Film, geschrieben von Richard Mueller, vorstellen?

Ich habe Real Ghostbusters immer verfolgt. Ich bin stolz auf meine Arbeit an der Serie und ich würde liebend gern an einer Neuen arbeiten. Ich habe meinem hundertjährigen Vater eine Kopie des Romannachdrucks, den ich ursprünglich ihm und meiner Mutter gewidmet habe. Er liebte es. Die Trailer für den neuen Film habe ich gesehen und das sieht toll aus. Ich mag es auch, mit Real Ghostbusters-Fangruppen um den Globus herum in Verbindung zu sein. Real Ghostbusters hat sich als starkes Rückgrad meiner Arbeit entpuppt.
Gummibärenbande, Batman, Ghostbusters: Jahrzehnte sind vergangen und die Leute lieben diese Serien noch immer. Heute haben sie alle ihre großen Anhängerschaften. Was bedeuten die Serien Ihnen heute?

Ich fühle mich gesegnet, ein Teil der Science Fiction, des Zeichentricks und der Geschichte zu sein. Vic Dal Chele, der Regisseur von 39 Extreme Ghostbusters-Folgen, wurde mein bester Freund. Ich kenne viele Sprecher und hatte das Glück mit verrückten Ideen und starken Geschichten arbeiten zu dürfen. Gummibärenbande mit June Foray zu machen. Batman – The Animated Series zu machen und große Superhelden-basierte Animation mitzugestalten. Adrienne Barneau war meine Selena Kylie und wann immer ich sie sehe, nenne ich sie Selena. Dass ich große Shows wie X-Men, Wing Commander Academy, Robocop und Godzilla machen konnte. Nicht schlecht für eine komplett ungeplante Karriere. Ich bin wahrlich dankbar.

Wir danken Mister Mueller herzlichst für die spannenden Einblicke und das schöne Gespräch!

9781789094664Der Roman

Richard Muellers Romanadaption erfreut sich in Fankreisen seit Jahren enormer Beliebtheit. Warum? Der spätere Real Ghostbusters-Autor schreibt nicht bloß die Geschichte des Films ab, sondern dichtet den vier Jungs umfassende Hintergründe zu. Beispiel? Ray hat einen Bruder, erzkonservativ, Republikaner, Waffennarr – und eine bisexuelle Schwester, eine liberale Feministin. Beide reden nicht miteinander und mit Ray schon gar nicht, nachdem Peter auf einer Stantz-Familienzusammenkunft für Trubel gesorgt hat. Mehr? Egon hat eine destruktive Ader und Peter wurde in einem Wanderzirkus geboren. Irre, aber irre gut.

Die zwei Obdachlosen, von Murray und Aykroyd in Zweitrollen gespielt und aus dem Film geschnitten, begleiten hier die ganze Geschichte und tauchen immer wieder mal auf. Die Geschichte ist zwangsläufig an die des Films gebunden und manchmal sind Beschreibungen kurz gehalten, fast wie in einem Drehbuch. Dann aber schwelgt Richard Mueller wieder in selbst ausgeschmückten Szenen und man ertappt sich dabei, Muellers Ideen begeisterter zu lesen als die des Films, die man schon kennt. Schade, dass man ihn nicht mit einer Serie von Buchfortsetzungen beauftragt hat.

Das Buch war lange vergriffen und wurde zu Mondpreisen gehandelt, nun gibt es eine Neuauflage, in der schönerweise auch gleich der Nachfolgeroman Ghostbusters II von Ed Naha drin ist. Der ist nicht ganz so toll wie Muellers Geschichte, liest sich aber zumindest gut weg und ist im Grunde dasselbe, das Jason Dark damals für den deutschen Markt abgeschrieben hat. Ihr findet das Taschenbuch – leider nur in englischer Sprache – auf Nachfrage bei den Buchhändlern eures Vertrauens.
ISBN: 9781789094664

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