Um den Sommer gebracht

In schlimmsten Quarantänezeiten war Zuversicht und Pragmatismus angebracht. Nun, da die Welt Stück für Stück ein wenig mehr zur Normalität zurückkehrt, ist es Zeit, sich über den verlorenen Sommer einmal richtig auszulassen. Null produktiv, aber man ist ja Mensch.

Wenn man vom Sommer 2020 redet, hat ein jedermann von anderen Verlusten zu berichten. Wir sind hier auf der Ghostbusters-Fanpage und so dreht sich unsere Geschichte um den verlorenen Sommer in Summerville – der Name war Programm.

Was war das alles lang gesetzt und perfekt getaktet: Bereits im Januar 2019, mit dem ersten Teaser Trailer in der Scheune war klar: Im Sommer 2020 steigt die Party. 30 Jahre Wartezeit vorüber, die Fortsetzung läuft an. Eine globale Viruskatastrophe schien damals so unwahrscheinlich wie eine echte Geisterplage, dann kam aber alles anders.

Doch zunächst waren wir glücklich: Bilder und Infos, wenn sie spärlich kamen, wurden wohlwollend aufgefasst. Vorbei die Zeiten, in denen sich das Internet nicht mitgefreut hat. Alle Welt war in Hochstimmung und der Trailer im letzten Dezember setzte dann noch einen drauf.

Es schien alles rund und der Zeitpunkt perfekt: Rund um den Afterlife-Kinostart im Juli / August war kein großer Hollywoodfilm angesetzt, der den Ghostbusters den Box Office-Erfolg hätte strittig machen können, so wie Batman in 1989 oder Star Trek Beyond in 2016. Im Mai hätte der zweite Trailer kommen sollen, im Juni der finale Trailer. Zum selben Zeitpunkt eine Merchandise-Welle mit Hasbro-Actionfiguren, Funko Pops und mehr – wie seit seligsten 80er Jahren nicht mehr und dann schließlich der Film selbst: Ein perfektes Sommer-Vehikel das im Sommer spielt. In einer kleinen, amerikanischen Gemeinde. Neu für Ghostbusters, nostalgisch dennoch: Stand By Me – Das Geheimnis eines Sommers: Geisterjäger-Edition.

Schon Ghostbusters 2016 – ob man ihn nun mochte oder nicht – sorgte für den bisher schönsten Geisterjäger-Sommer, gerade in Fankreisen: Man tourte uniformiert durch die Kinos, traf andere Fans, sah den Film verteilt über den Juli, August, September. Ghostbusters nach 26 Jahren wieder mit einem neuen Film im Kino – was einige für ein Gräul hielten, war für den Kolumnisten der beste Sommer aller Zeiten.

Diesmal wäre es noch schöner, noch herzerwärmender gekommen, wenn Jason Reitman erbrechtlich ermächtigt die Historie der wahrhaftigen Ghostbusters weitergesponnen hätte: Eingefangen von Kameramann Eric Steelberg in imposanten Cinemascope-Bildern voller prächtiger Felder, über die ein alterwürdiges Ecto-1 gen Sonnenuntergang heizt. Ein goldener Sommer – und danach wäre man noch in irgendeinen Berliner Biergarten gegangen – natürlich uniformiert -, um mit anderen ewig Geduldigen über dieses neue Kapitel zu philosophieren. Da hätten wir auch mal etwas vom Klimawandel gehabt, schließlich sind unsere deutschen Sommer mittlerweile zuverlässig urlaubswarm.

Ein perfekter Sommer. Der Film läuft an, es gibt neue Figuren und abends sitzt man auf der Terrasse und lauscht den Klängen des neuen Soundtrack Scores von Rob Simonson, packt Spengler’s Neutrona Wand aus und erinnert sich an jene anderen goldenen Sommer, irgendwo diffus in der Vergangenheit, als die Neutrona Wand noch Ghostzapper hieß.

Dann kam Covid-19.

Es stimmt ja, dass andere Leute schlimmere Schicksalsschläge erlitten haben (verschobene Urlaube und Hochzeiten gehören nicht dazu, wer hat schon 30 Jahre auf seine Hochzeit gewartet). Aber die trivialen Dinge sind halt auch wichtig! Es hilft ein wenig, dass wir weltweit alle betroffen waren – es gab ja eine Zeit lang eine ungeheuerliche Welle der Solidarität, bevor Attila Hildmann irgendwann wieder vom Weizen getrennt wurde. Aber für uns religiöse Ghostbusters-Extremisten war das natürlich nur ein schwacher Trost.

Die Verschiebung des Kinostarts auf März nächsten Jahres hat unseren perfekten Sommer gesprengt und hier geht’s nicht nur um eine simple Verschiebung. Der Trailer Ende 2019 ist unter dieser neuen Realität viel zu früh herausgekommen. Die Actionfiguren, die nun überwiegend dennoch erscheinen, befeuern nicht mehr den Film und umgekehrt – ein wenig weniger Rauschzustand. Die Chance, dass Spielzeughersteller etwas spoilern, weil gerade vertriebstechnisches Chaos herrscht wo zuvor alles besprochen und perfekt getaktet war, ist groß. Am schlimmsten aber ist der neue Termin im März: Ein großer Sommer-Blockbuster, der im Sommer spielt, der uns über den gesamten Sommer begleitet hätte – abgespeist in den März.

Gut, wir können immer noch ins Kino gehen. Aber was ist mit unseren filmphilosophischen Abenden im Biergarten? Mit Walking Acts im Cosplay vor oder nach einem Kinobesuch? Mit einem Städtetrip nach Hamburg / Berlin / München, in den man die Erstsichtung von Afterlife in einem pompöseren als dem heimischen Dorfkino integrieren könnte? Vielleicht regnet es ja nicht den März durch, aber im Sommer wäre es wahrscheinlicher, dass es sommerlich wird. Herrjeh, vielleicht schneit es gar – Was für ein Stimmungsbruch.

Hier ist Hoffnung, dass alles gut wird.

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