Zum 75. Geburtstag von Harold Ramis

Heute wäre Harold Ramis 75 Jahre alt geworden. Grund genug, noch einmal das Werk dieses beachtlichen Geschichtenerzählers zu würdigen.

Wenn ihr diese Seite besucht, dürftet ihr Ghostbusters-Fans sein, zumindest werdet ihr die Filme gesehen haben. Harold Ramis ist ein großer Anteil des Erfolges der Filme zuzuschreiben: Nicht nur hat er den haltlosen Fantasien seines Co-Autors Dan Aykroyd (der die Geisterjäger durch Raum und Zeit und in die Hölle schicken wollte) mit Bodenhaftung Einhalt gebieten können, sie somit grundiert und damit überhaupt erst das Groteske im Normalen betont. In der Rolle des Dr. Egon Spengler gilt er immerhin auch selbst als eine der vier Kultfiguren.

„Jeder muss irgendwann im Leben zu dem Schluß kommen, dass er selbst oder aber die Welt völlig verrückt ist. Wenn man – wie ich – Zweiteres glaubt, dann kommt einem alles nur noch absurd vor.“

So wird Ramis zitiert, so begründet sich die Gesellschaftssatire in Ghostbusters. Wer Ghostbusters mit 10 Jahren mochte, der begeisterte sich für coole Sprüche und ausgefallene Laserstrahler. Wer es mit 40 mag, der sieht all die augenzwinkernden Kommentare auf unseren Zeitgeist. Wem das gefällt, der sollte über den Tellerrand gucken, denn knuffig-witzige Philosophien durchziehen das gesamte Werk von Harold Ramis.

Allem voran natürlich Ramis‘ vielleicht bester Film, Und täglich grüßt das Murmeltier (Groundhog Day). In dieser Anleitung zum Glücklichsein haben sich Vertreter aller Religionen verstanden und bestätigt gefühlt. Ramis, selbst eher Buddhist, ließ alle im Glauben, genau richtig zu liegen. Ihm war nur wichtig, dass sie in dem Bill Murray-Vehikel, in dem ein Wettermoderator in einer Zeitschleife festhängt, etwas für sich selbst erkannten.

Ähnlich der unterschätzte Vier lieben dich mit Michael Keaton in der Hauptrolle. Um seinem Job, seiner Frau (Andie McDowell) und sich selbst gerecht werden zu können, lässt Keaton sich ein- ums andere mal klonen. Zunächst läuft alles gut, doch dann bricht mehr Chaos aus als ursprünglich vorherrschte. Leider ging der Film an den Kinokassen unter. Dagegen schlug Reine Nervensache mit Billy Chrystal und Robert DeNiro wie eine Bombe ein. Im Film spielt Chrystal einen Psychologen, der einen Mafiosi (DeNiro) behandeln muss. Ramis spielt hier mit DeNiros erhabenen Pate-Ruf und demontiert ihn nach Strich und Faden zum Trivialsterblichen herunter, dessen Probleme wir sogar alle kennen – wenn auch in abgewandelter Form.

Selbst Slapstick-Frühwerke wie Ich glaub‘, mich knutscht ein Elch, der eine Art Testlauf für Ghostbusters war (Regie: Ivan Reitman, Ramis und Bill Murray in der Hauptrolle, Ramis schrieb das Drehbuch, Elmer Bernstein komponierte die Musik), zunächst nur grober Unfug, war ein wenig mehr: Er zelebrierte das Chaos, die Anarchie, hinterfragte Hierarchie – und die US Army steuerte trotzdem noch Gelder für den Film bei. Ebenso Die schrillen Vier auf Achse, in dem Chevy Chase seiner Familie ein unvergessliches Wochenende bereiten möchte und von einem Fettnäpfchen ins andere tappst.

Vielleicht hat Barack Obama es am besten getroffen, als er, nachdem Ramis 2014 gestorben war, schrieb:

„Wenn wir seine Filme gesehen haben – von Animal House, Caddyshack zu Ghostbusters und Murmeltier – haben wir uns nicht nur totgelacht. Wir haben Autorität hinterfragt. Wir haben uns mit den Außenseitern identifiziert. Wir haben den Underdog angefeuert. Und genau dadurch haben wir unsere Hoffnung, dass alles glücklich enden kann, nie verloren.“

Einmal mehr möchten wir euch unbedingt das Buch Ghostbusters Daughter: Life with my Dad Harold Ramis ins Herz legen, in dem Ramis‘ Tochter Violet ausführlichst nicht nur über das kreative Schaffen, sondern vor allem auch über den Menschen Harold Ramis schreibt, der hier Ecken und Kanten bekommt, als einer von uns mit Höhen und Tiefen portraitiert wird und am Ende ist man in dem sympathischen Eindruck, den man von vornherein hat, hundertfach bestärkt.

Welcher Film von (oder mit) Harold ist euer Liebster, abgesehen von Ghostbusters?

 

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