Ghostbusters 3: Raus aus New York City!

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Das dritte Kapitel der „Ghostbusters“-Saga verlässt unter Regisseur Jason Reitman im kommenden Sommer den Big Apple und erzählt von den Geheimnissen einer Kleinstadt. Warum wir das großartig finden, möchten wir euch hier erzählen.

Ghostbusters ist einer der großen New York City-Filme“ – Da sind sich Ivan Reitman, Regisseur des Originals, und Dan Aykroyd im 1999er-DVD-Kommentar völlig zu Recht einig. Die urbane Großstadt, dieser ätzende und gleichsam faszinierende Moloch ist ein Hauptdarsteller des Films – gleich nach der Komiker-Bande selbst. Kein Wunder also, dass Reitman und Harold Ramis Aykroyd zurück auf den Boden der Tatsachen holten, als dieser die Handlung von Ghostbusters 2 ursprünglich nach Irland verschiffen wollte. Reumütig gab Aykroyd anno 1989 zu: „Ich dachte zuerst: Das hatten wir nun schon gehabt. Aber New York ist wirklich der beste Ort für unsere Geschichten.“ Auch Paul Feig, der mit seinem Reboot 27 Jahre später so manches radikal umkrempelte, hielt an der Stadt, die niemals schläft, fest.

Annie „Janine“ Potts brachte in einem Interview im Complete SFX Guide to Ghostbusters auf den Punkt, warum sich die Millionenstadt für die Philosophien von Ramis und Aykroyd so eignete:

Es war ein finsterer Ort. Es war gefährlich im damaligen New York. Es war nicht das, was es jetzt ist. Man hat seine Handtasche unter dem Mantel getragen, nicht darüber. Es war anders. Diese ganze Idee, New York von bösen Geistern zu befreien war eine Metapher für das, was wirklich vor sich ging. Es ist mittlerweile anders.

Potts hat Recht: Das heutige New York hat nichts mit dem Gegenstück der 1970er und 80er Jahre zu tun, als Leute tatsächlich auf offener Straße beklaut wurden, der Central Park war nicht nur nachts pikantes Pflaster. Erst unter Bürgermeister Rudy Giuliani, der eine harte Null-Toleranz-Politik fuhr, änderte sich das in den 1990er Jahren. Ein neues Gefühl kehrte ein. Wer heute an New York denkt, der denkt an Einkaufsbummel, den Broadway und die Freiheitsstatue, weniger an Messerstecher auf Hauptstraßen.

Die Ghostbusters-Filme, zumindest die beiden Klassiker, spiegeln das „alte“ New York, bedienen sich daraus, kommentieren es gewitzt: In Ghostbusters II brodeln ganze Schleimflüsse unter der Stadt, die aus all der Negativität heraus entstanden sind und die Metropole nun zu ersticken drohen. In Teil 1 zitierte Egon Spengler den misantropischen Sektenführer Shandor, der überzeugt davon war, dass die Menschen zu krank zum Überleben seien – und wenn Shandor das schon nicht am Big Apple, sondern am ersten Weltkrieg festgemacht hat, so entschied er sich zumindest für NYC als Epizentrum des menschlichen Irrsinns zum Bau seines Weltvernichter-Tempels.

Ghostbusters - Die Geisterj‰ger / Ghostbusters

Ghostbusters 1984: Über New York City entlädt sich der Zorn der Götter

Hinter Shandors radikaler Meinung steckt Harold Ramis‘ Erkenntnis: „Ich denke, jeder kommt irgendwann an den Punkt, an dem er sich fragen muss, ob er selbst völlig irrsinnig ist, oder ob die Welt irre ist. Wenn man sich – wie ich – für die Welt entscheidet, erscheint einem irgendwann alles nur noch vollkommen absurd.“ Genau darum geht’s im Kern von Ghostbusters: Um den Irrsinn der Menschheit, der all die Probleme überhaupt erst verursacht. Die Geister sind lediglich fantastische Symboliken dafür. Das findet sich in den drei Filmen, das findet sich in den besten Folgen der Serie The Real Ghostbusters. Hier pocht ein sturer Paragraphenreiter auf die Regeln und verursacht überhaupt erst die Katastrophe (Teil 1), dort entstehen Schleimflüsse aus Negativität (Teil 2). Mal will ein enttäuschter Liebhaber die ganze Welt in den Abgrund reißen, weil seine Ex lieber Karriere als Herd im Sinn hatte („Was ist Ragnarok?“), mal riskiert ein superreicher Industriemogul den Untergang, um selbst das eigene Vermögen mit ins Jenseits nehmen zu können („Tummel und das Jenseits“). Im Reboot will sich ein lebenslang gehänselter Hausmeister an der Menschheit rächen.

Seitdem ist New York besser geworden – die Welt nicht. Die Ghostbusters haben ganze Arbeit geleistet, aber es gibt noch viele andere Baustellen. Ghostbusters 3 soll im nächsten Sommer in die Kinos kommen. Dann, Achtung, Spoiler, wird eine extra für den Film ersonnene Kleinstadt namens „Summerville“ in Oklahoma, die ersten Setbildern nach von der Gozer-Sekte bevölkert wird, im Mittelpunkt der Handlung stehen. Wer unsere Seite regelmäßig verfolgt und keine Scheu vor Spoilern und Theorien hat, der weiß, dass die wahrscheinliche Geschichte mit New York als Ort des Geschehens nicht zu machen gewesen wäre. Es gibt aber noch einen anderen, einen triftigen Grund für das US-amerikanische Innenland.

Denn auch wenn New York nach wie vor keine heilige Stadt ist: Grundsätzlich bevölkert die US-Küstenstädte der zivilisiertere Rest der amerikanischen Gesellschaft. Die progressive Schicht, die Intellektuelleren. Der Big Apple gilt als Schmelztiegel der Toleranz in einem Land, das seine (immer schon oberflächlich gelebten, aber immerhin) ewig hochgehaltenen Wertevorstellungen aus den Augen verloren hat. Entfernt man sich von den Küsten; gerät man etwas tiefer ins Landesinnere, begegnen einem in den Kleinstädten die restriktiven Philosophien. Dort finden sich stets noch die Cowboy-Phantasien. Archetypen, die ihre Waffen um keinen Preis abgeben wollen. Jene, die stolz rote Baseballkäppis tragen, als seien sie Aushängeschilder der eigenen Schlichtheit. Religiöse Extremisten (Gozer-Anbeter!) und „White Trash“. Oklahoma wählt traditionell die konservative republikanische Partei, nur in Texas gibt es mehr Todesurteile.

War 1984 New York der beste Ort, auf den Harold Ramis und Dan Aykroyd mit dem Finger zeigen konnten, um ihr Sinnbild einer irren Menschheit zu überzeichnen, so muss Jason Reitman heute raus aufs Land.

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