UPDATE: Ghostbusters 1&2 4K UHD / Blu-Ray-Anniversary Set im Test

62305944_2047526145355799_1060724821802876928_n

Donnerstags gehen passionierte Filmfans zwar eher ins Kino, da dann die neuen Filme starten. Diese Woche hat man aber zwei gute Gründe, um daheim zu bleiben. Denn es erscheinen Ghostbusters 1 und 2 noch einmal in einem schönen, schlichten Steelbook anlässtlich des 35. Geburtstages des Franchises.

Solche Veröffentlichungen sind, vor allem für den gemeinen Shopper, stets mit Vorsicht zu genießen. Denn oft werden ältere Auflagen einfach nur zusammengelegt und neu abgepackt. Nicht so hier! Nicht nur hat es das gesamte Bonusmaterial aller älteren Veröffentlichungen auf die Silberlinge geschafft, dazu kommen sogar noch über vier Stunden bisher unveröffentlichter Extras! Das ist so viel, dass allein für die Extras eine weitere Blu-Ray beigelegt werden musste. Da die Filme aber nicht nur als Blu-Ray für gewöhnliche Player, sondern auch in 4K UHD enthalten sind, gesellen sich darüber hinaus noch zwei Scheiben mehr hinzu. Ein 5-Disc-Set also!

index3

Die Verpackung gibt sich schlicht: Logo auf schwarzem Hintergrund, rot umrahmt. Nach diesem Prinzip wurde bereits der letzte Woche erschienene Soundtrack Score verpackt. Die Idee spielt auf die allererste US-Videokaufkassette an. Zwar wurde einmal mehr das grauenhaft-unästhetisch zugrundegebastelte Logo verwendet, bei dem Moogly mit einer Hand einen, mit der anderen Hand zwei Finger emporstreckt. Doch das schlichte Design drumrum und das elegante Matt des Steelbooks können das wieder ausgleichen. So einigermaßen. Auf der Rückseite gibt es ein PR-Gruppenfoto aus Teil 1 zu sehen, ein Booklet gibt’s dagegen nicht: Die Silberlinge nehmen die ganze Packung in Anspruch.

Die Extras in ihrer Gänze zu besprechen würde den Rahmen sprengen – Wer sich einen genauen Überblick verschaffen will, schaut bei Pauls Seite Spook Central vorbei. Grundsätzlich ist alles enthalten, was ihr auf den alten Veröffentlichungen gesehen habt, außer der Silhouette von Ivan Reitman, Harold Ramis und Joe Medjuck beim Audiokommentar zu Teil 1, aber diese eingeblendeten Schatten gab es überhaupt nur auf der DVD von 1999. Der Kommentar selbst ist enthalten und ist auch 20 Jahre später noch unterhaltsam wie der Film selbst: Reitman, Ramis und der Produzent Medjuck werfen sich die Bälle zu, haben Spaß, lachen, vermitteln interessante Infos. Ich war also gespannt, als nun mit dieser neuen Veröffentlichung endlich ein Kommentar zu Teil 2 angekündigt wurde, wieder mit Reitman und Joe Medjuck und diesmal mit Dan Aykroyd statt mit Ramis. Leider ist dieser Kommentar eine absolute Enttäuschung. Über große Strecken wird geschwiegen, oft lachen die alten Männer nur über den eigenen Film und wenn es mal allzu unangenem lange still bleibt, wirft Aykroyd sowas wie „Billy ist großartig mit dem Baby. Es sollte Filme nur mit ihm und Babys geben“ ein.

Geradezu ernüchternd ist die Erkenntnis, dass diese geliebten Leute ihr eigenes Werk offensichtlich zu großen Teilen vergessen hatten – sie reagieren immer wieder mal überrascht – und Ivan Reitman, der vor 20 Jahren auf der 1999-DVD noch Informationen ohne Ende von sich gab, steht seltsam neben sich. Er muss von Medjuck darauf hingewiesen werden, dass der eigene Film „Dave“ (1993, mit Kevin Kline und Sigourney Weaver) nach, statt vor Ghostbusters 2 gedreht wurde. Er kann den RUN-D.M.C.-Track keiner Gruppe zuordnen und als Bobby Brown zu hören ist, sagt er stolz: „Das ist MC Hammer, er hat auch einen kleinen Gastauftritt.“ Zum Film hat er gar nichts mehr beizutragen. Übrigens sollten die deutschen Untertiltel unbedingt abgeschaltet werden, denn Sätze wie „Hier ist es noch Ecto-1“ übersetzt man nicht mit „Hier sind wir noch im ersten Akt“.

index2

Viel mehr Spaß macht der neue Kommentar, den Teil 1 erhalten hat. Die Podcaster Troy Benjamin, Chris Stewart (Interdimesional Crossrip), Ashley Robinson (Geek History Lesson), der Prop-Bastler Sean Bishop und Moderator Eric Reich von Ghost Corps machen einen guten Job und wechseln zwischen solider Grundlagenarbeit und geekiger Insider-Info. Der alte Kommentar um Ramis bleibt trotzdem der beste.

Fan-Favorite sind die herausgeschnittenen Szenen bei Teil 1, davon gibt es sechs Stück. Darunter die seit Jahren herbeigesehnte Fort Detmerring-Szene, in der Ray und Winston allein auf die Jagd gehen, Ray auf dem Bett einschläft und das hübsche Geistermädchen aus dem Schrank kommt. Neue Szenen zu entdecken gehört zum Schönsten!

In einem Mini-Filmchen für Kinobetreiber preisen Aykroyd und Murray gewitzt ihren Film an. Hintergrund: Ghostbusters galt vor dem Kinostart als belächeltes Projekt. Niemand hatte Komödianten bis dahin eine solch teure Hollywood-Produktion machen lassen, viele glaubten an einen Flop. Aykroyd hat dem etwas entgegenzusetzen: „Die vielen kleinen Konsumenten werden kommen und Euch Euer Popcorn aus der Hand reißen!“ Schön auch: Zig Varianten des Werbespots („We’re ready to believe you!“), „Jetzt probieren wir es noch einmal mit Ghostblasters! Guck ernst, Billy!“

Auch Film Nummero Zwei hat die Zeiten der stiefmütterlichen Behandlung längst hinter sich gelassen. Highlight ist zum einen ein unfertiger Trailer, der den gesamten In-Universe-Spot aus dem Film enthält („Nur ein Luftballon pro Familie!“). Dieses Stück, in dem die genialen Darsteller absichtlich stümperhaft schauspielern (schließlich sind die Geisterjäger selbst keine guten Schauspieler) gehört zum Witzigsten, das man seit Jahren gesehen hat. Das Titelbild dieses Artikels stammt aus der Szene.

Schön auch: Die halbstündige Episode der Oprah Winfrey-Talkshow, in dem fast der gesamte Cast (Annie Potts, Ernie Hudson, Murray, Aykroyd, Ramis und Weaver) gut gelaunt über das Werk redet. Das gab’s zwar schon seit Jahren im Internet, aber nur als verwaschenen kleinen 90er-Jahre-Pixelmitschnitt.

Rund machen die elektronischen Pressekits zu beiden Filmen die Sache. Auch hier zahlreiche Einblicke in die Dreharbeiten, sowie Interviews. Dann ist man mit dem neuen Material durch – es hat fast einen Tag gebraucht, bis man zu den weiteren, vielen Stunden alter Extras stößt.

Bild- und Tonqualität sind für die 30- bzw. 35 Jahre alten Filme gut. Teil 1 hat wie immer etwas mehr Filmkorn als die Fortsetzung, steht aber besser da als noch bei der ersten Blu-Ray von vor 11 Jahren. Manchmal hat das diesmal unaufdringliche Körnige gar etwas für sich, etwa wie charismatisches Knistern bei der Schallplatte und dem Einsatz von Filtern ist es allemal vorzuziehen.

Die UHD-Discs bieten noch einmal einen kleinen Mehrwert, das Bild ist deutlich schärfer, vor allem aber auch wärmer, womit es wesentlich näher an die originale Filmauswertung damals im Kino reicht, in der eher erdige Brauntöne statt das kühlere Blau der früheren HD-Fassungen urige Zeitlosigkeit vermittelten.

Ghostbusters liegt in Deutsch in Dolby Digital 5.1, in Englisch in Dolby Atmos vor. Teil 2 hat nach wie vor in unserer Sprache „nur“ das arg veraltete Dolby Surround, in Englisch kommt auch dieser Film in Dolby Atmos.
Fazit: Dadurch, dass das Steelbook nichts der früheren VÖs vermissen lässt, dazu noch tonnenweise Neues bietet, die Filme in der bisher besten Qualität liefert und auch die Optik im Regal stimmt, gibt es eine unbedingte Kaufempfehlung für alle Fans.

index

Ein Gedanke zu “UPDATE: Ghostbusters 1&2 4K UHD / Blu-Ray-Anniversary Set im Test

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.