Angehört: Ghostbusters Original Motion Picture Score

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Elmer Bernstein

Die Filmmusik von Komponist Elmer Bernstein zeichnet zu großen Stücken verantwortlich für die prächtige Großartigkeit des Original-Ghostbusters. Bernstein, dessen Portfolio sich über viele Jahrzehnte erstreckt, dessen Schaffen Klassiker wie Die glorreichen Sieben, Wer die Nachtigall stört oder Heavy Metal umfasst, verlieh dem Geisterjäger-Thema eine stupsige Knuddeligkeit, Sigourney Weavers Dana Barrett ein zuckersüßes, jedoch nie kitschiges Herzensthema, dem grausigen Grusel schräge, spukige Klänge mit dem Ondes Martenot und den drohenden Weltuntergang unterstrich Bernstein mit apokalyptischen Klängen, die schon damals längst vergangenen Hollywood-Prunk suggerierten. Das Gesamtwerk ist eine zeitlose Komposition, die kaum zu unterschätzen ist. In unserem Podcast Spectral Radio geht es diese Woche auch um genau diese Perle (und um die Nachfolger). Noch nicht gehört? Dann schnell nachholen.

Der Score ist bisher zweimal erschienen: Erstmals vor 25, 30 Jahren als Presse-Bootleg in grausamer Verpackung. Davon hat so gut wie niemand etwas mitbekommen – Schade, denn es fand sich mindestens ein Track darauf, der danach nie wieder zu hören war (auch auf der neuesten Platte nicht): Nämlich das Stück, das im Restaurant Tavern on the Green gespielt wird, als Louis vom Brüllhund verfolgt und eingeholt wird.

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Dann gab es eine ambitionierte CD des Soundtrack-Liebhaberlabels Varése Sarabande. 39 Tracks, viele im Film nicht verwendete Stücke (für Szenen, in denen Bernstein durch Popmusik ersetzt wurde – Hochinteressant, wie das beinahe geklungen hätte!). Sehr schön, leider jedoch in kleiner Stückzahl und längst vergriffen. Sammler berappen Spitzenpreise für diesen Silberling. Fans, die die Veröffentlichung verpasst hatten, blieben somit nur komprimierte Kompromisse im Internet.

Umso netter nun der Zug von Sony Classical, das Werk noch einmal herauszubringen, diesmal selbst. Sahne: Neben Digital und CD erscheint als Nachzügler im kommenden Monat gar noch eine LP. Wer hätte das gedacht? Audiophile Filmfans dürften entzückt sein. Heute flatterte bei uns zumindest schon einmal die CD ein und lief back-to-back mit der zehn Jahre alten Varése-Version. Gibt es Unterschiede? Ja.

Beide CD-Booklets weisen die Abmischung einem Robert Fernandez zu, jedoch ist ein deutlicher Unterschied zu vernehmen, ganz offensichtlich wurde die Orchestration für den neuen Sony-Release noch einmal bearbeitet. Das klingt erstmal nicht schlechter, eher ungewohnt; man merkt auf. Einzelne Elemente sind hervorgehoben: Hier tönen Trommeln bewusster auf als vorher, dort wird dies unterstrichen, dort das. Für den Hardcore-Fan ist sowas faszinierend, weil es im Kopf unter Variante läuft. Die Faszination dauert ein paar Tracks, bis man nachdenklich wird.

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An sich ist das alles schön und klanglich wenig zu beanstanden, aber warum fühlt es sich irgendwann nicht mehr ganz so rund an? Jedesmal, wenn einzelne Elemente hervorstechen, gerät der Rest in den Hintergrund. Das ist viel weniger dramatisch als es sich liest und unbedingt auch nur im Direktvergleich mit der Varése-CD vernehmbar. Die nämlich im Anschluß eingelegt, und alles spielt im Einklang: Voller, ausgewogener, der Bombast arbeitet. Die neue Abmischung bezahlt die aktuelle CD mit Abstrichen vor allem im hinteren Drittel, bei der Epik. Ein- und dasselbe Stück reißt einmal mit, einmal nicht ganz so sehr. Wer wissen will, was gemeint ist, vergleicht The Gatekeeper (Varése) mit Meeting 2 (Sony).

Die vier neuen Tracks liefern wenig Mehrwert: Das Klingklong-Stück, das man hört, wenn der besessene Louis im Film an ein paar Musiker vorbeiläuft, ist dabei. Dann gibt es ein seltsames Retro-Sci-Fi-lastiges Stück. Die beiden anderen variieren nur, was man sonst so hört. Ein übertrieben fröhliches Track der Varése-CD fehlt gänzlich, allerdings kam der im Film auch gar nicht vor und hat schon damals nicht in den Soundtrack gepasst. Darum ist es nicht schade.

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Sehr schön gestaltet sind Cover und Booklet. Das Titelbild mit dem Logo vor schwarzem Hintergrund mag zu Verwechslungen mit dem Soundtrack Album führen, ist aber immer willkommen und wenigstens hat man das Logo nicht aufs Übelste vergewaltigt, wie bei den letzten und kommenden Blu-Ray-Editionen geschehen. Im Inneren des Booklets begrüßen einen zahlreiche Seiten mit selten gesehenen Fotos und ein ausführliches Vorwort von Bernsteins Sohn Elmer.

Fazit: Ghostbusters-Fans brauchen ohnehin jede Veröffentlichung, die in irgendeiner Weise Neues bietet – eine CD kostet auch nicht die Welt. Darüber hinaus ist dieser Re-Release vor allem für all jene interessant, die die ältere CD nicht haben. Wer sich aber eine klangliche Steigerung oder irgendeinen wirklichen Nährwert erhofft, wird leider enttäuscht sein, das Gegenteil ist der Fall. Hobby-Geisterjäger und reine Film- oder Soundtrack-Fans, die die Varése-Ausgabe besitzen, können getrost dabei bleiben.

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