Eine kleine, frische Geschichte?

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Der nächste Ghostbusters-Film spielt wieder in der originalen Kontinuität und setzt die alten Filme fort – und alle erwarten die verbliebenen drei ehemaligen Hauptdarsteller noch einmal in einem großen Popcorn-Sommerspektakel die Welt retten. Doch bei genauerer Betrachtung sieht es anders – und schöner – aus.

Was waren die Pläne groß: Paul Feigs 2016-Remake sollte den Anfang machen, im Anschluß dann wollte Sony gleich ein ganzes Geisterjäger-Universum im Stil des Marvel Cinematic Universe auf den Weg bringen. Gerüchte gingen umher, dass Chris Pratt und Channing Tatum an einem „Jungsfilm“ arbeiteten und die Marvel-erprobten Russo-Brüder gleich einen ganzen Leitfaden für zukündtige Sommer-Blockbuster zum Thema aufgesetzt hatten.

Auch Feig interpretierte den Spektakelcharakter des 1984-Films – der damals und für die damaligen Umstände durchaus genau das war, nämlich ein visuell atemberaubendes Spektakel – konsequent in das Jahr 2016: Answer The Call fing als geradlinige Comedy an und blies sich zum Ende dann zum effektüberladen-pompösen Action-Weltuntergangs-Szenario auf. Dem Zeitgeist entsprechend und durchaus so, wie es die Struktur eines neuen Ghostbusters-Films im 21. Jahrhundert verlangen würde – zumindest dachte man das.

Eines kam dabei abhanden, ob man den Film nun mochte oder nicht: Die eigentliche Stärken der alten Filme lagen anderswo. Die Chemie zwischen den Darstellern, die „Erdung“ der Geschichte, der Ton – das Spektakuläre war wichtig, um die Filme damals zu verkaufen, aber es war nie ausschlaggebend – weshalb man sich diese Klassiker auch heute noch ansehen kann, obwohl die Tricks natürlich neben modernen Effekten allenfalls noch rustikal-charmant wirken.

Die Idee des GB-Cinematic Universe fiel schließlich mit dem finanziellen Misserfolg von Answer The Call zusammen. An sich hatte der Film gar nicht so schlecht verdient, schließlich musste man mit einbeziehen, dass mit China ein wichtiger Markt weggefallen war. Trotzdem war das Budget viel zu hoch gewesen – man hatte sich verkalkuliert bei dem Gedanken, Ghostbusters könne ähnliche Publikumsmassen generieren wie Marvel oder Star Wars. Dan Aykroyd sprach in den folgenden drei Jahren wiederholt davon, dass er den Film mochte, der aber nun mal zu teuer gewesen sei.

Alles, was wir bisher über Jason Reitmans regulärem Teil 3 wissen deutet darauf hin, dass man aus den Fehlern gelernt hat. Nicht nur kehrt der Film zu den Wurzeln zurück, das Budget scheint auch deutlich geringer angelegt zu sein. Die Tatsache, dass der Film monatelang vorbereitet wurde, bevor wir davon erfahren haben – kaum möglich bei einem hochbudgetierten Studiofilm. Dazu die Gerüchte, die Geschichte spiele sich in einer kleinen Stadt ab, statt in der Metropole New York. Es sei eine kleine, eine persönliche Familienerzählung, hieß es.

All das in Kombination mit einem Filmemacher, der in seiner Karriere bisher eher an Charakteren, Dialogen und menschlichen Entwicklungsprozessen interessiert war – durchaus auch in Form der Komödie oder der „Dramödie“ – lässt vermuten, dass diesmal sehr sparsam gearbeitet wird, vielleicht gar ohne große Bedrohung für die ganze Welt am Ende. Wir finden das super! Weil:

Ohne großes finanzielles Risiko nämlich können sich die Kreativen freimachen von den Erwartungen eines Massenpublikums und können frische Ideen und neue Geschichten wagen. Das schier endlose Potenzial von Ghostbusters, das bisher nur durch die Cartoonserie ausgeschöpft wurde, während sich das Thema im Kino immer nur wiederholte und auf der Stelle trat, kann endlich angezapft werden. Das Damoklesschwert eines aufziehenden Internet-Shitstorms wird völlig unrelevant.

Bisher liefen die Entwürfe für Teil 3 immer nach demselben Muster ab: Die alten Ghostbusters lehren in New York eine Gruppe Nachfolger (favorisiert: Studenten) an, am Ende kommt wieder irgendein Gott oder der Teufel oder nochmal Gozer, aber in größer daher. Darüber ist man hinaus. Heute kann ein gealterter Ray in seiner Scheune als seltsamer Kauz eine wundervoll geschriebene Freundschaft mit einer kleinen, 12jährigen Autistin aufbauen (oder auch nicht, was wissen wir schon). Ironie, dass den Weg zu dieser neuen Idee, Ghostbusters wirklich sehenswert fortzusetzen, ausgerechnet über das gedemütigte Reboot führen musste. Wir sind überzeugt dass dies eine Herangehensweise ist, die zum Beispiel auch Bill Murray gefallen würde.

 

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