Lesetipp: „Crossing Over“

81xzkbjxg0lWährend die Ankündigung eines neuen „Ghostbusters“-Films im altbekannten Original-Universum für Heiterkeit sorgt, gab es auch bedauerliche Töne. Die „Answer The Call„-2016-Hate-Trolle, längst totgeglaubt, kamen direkt wieder aus ihren Löchern und mißbrauchten die „Ghostbusters 3“-News für weiteres Reboot-Bashing. „Schon der neue Teaser ist besser als Paul Feigs Film“ war ein Satz, den ich unzählig oft gelesen habe in den letzten drei Tagen. Für die Fans der Geisterjäger ist es tragisch: Vor drei Jahren konnten sie ihre Freude im „Social“ Media nicht teilen, weil mit jedem Kommentar zahlreiche Angry Smileys und noch mehr bitterböse Antworten kamen. Viele waren sexistisch, rassistisch – und dann gab es noch unzählige Kommentatoren, die betonten und Wert darauf legten, dass sie eben beides eben nicht seien, der Film wäre einfach schlecht. Was Geschmackssache und legitim ist, allerdings verkündeten sie das in Fan-Foren, Fan-Gruppen und auf Fan-Seiten, wo sich all jene dies anhören durften, die doch eigentlich gekommen waren, um sich zu freuen.

Gestern hat sich Reboot-Darstellerin Leslie Jones sehr unglücklich über Jason Reitmans neuen Film geäußert. Der kleine emotionale Ausbruch sei ihr verziehen, schließlich musste sie noch vor Regisseur Feig 2016 am meisten Online-Dresche einstecken. Als Affe musste sie sich beschimpfen lassen und das war noch mit das Harmloseste. Dass nun neben den Fans auch die Trolle mit einer konventionellen Fortsetzung ihre Genugtuung bekommen, stieß ihr nachvollziehbar sauer auf. Auf Twitter zu explodieren war trotzdem, gelinde gesagt, alles andere als clever. Denn nun hat sie in unzählige Wespennester gestochen und die Diskussion hat sich wieder komplett auf Konfrontation gerichtet.

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Cover für eine Ausgabe der Reihe, die komplett im Paperback vorliegt.

Während das Publikum tief gespalten bleibt, kommen die Ghostbusters aller Versionen selbst miteinander viel besser klar, wie sie vorbildlich im neuesten Taschenbuch von IDW belegen. In „Crossing Over“, einem Paperback, das sich aus acht Einzelheften bestehende Miniserie und dem 2018 Annual zusammensetzt, sorgt ein durch Jillian Holtzmann und Ron Alexander verursachter Unfall für ein Leck im Verbannungscontainer der Prime Ghostbusters, und eine große Anzahl Geister wird hinaus ins Multiverse katapuliert. Da dies für eine interdimensionale Krise sorgt, müssen Peter, Ray, Egon, Winston und die jüngeren Mitglieder der Prime Ghostbusters sich nun mit allen Geisterjägern aus all den anderen Universen zusammentun, um die entkommenen Monster wieder einzufangen.

Autor Erik Burnham und Illustrator Dan Schoening, die gemeinsam nun schon über Jahre die Geschichte nach den beiden Filmen und dem Video Game forterzählt und ausgebaut haben, zünden ein echtes Feuerwerk. Denn alle Publikumslieblinge sind dabei: Die Kino-GB, das Reboot-Damenteam, die Real GB, die Extreme GB, die „Sanctum of Slime„-Videospielbusters sogar die kleinen Geisterjäger aus dem Game Boy-Spiel helfen mit! Der Fan-Service und die Liebenswürdigkeit, mit denen hier Panel für Panel gearbeitet wird, ist schlichtweg unfassbar. Die Geschichte selbst ist natürlich simpel und wie so oft nur Aufhänger für das Gipfeltreffen. Aber jede Figur bekommt ihre Szene und als wäre das noch nicht genug schafft es Burnham auch noch, seinen GB-Kosmos fortzuentwickeln. Eigens für die Comics erdachte Figuren, die nun schon seit Jahren zum festen Cast gehören, kommen von der Stelle und entwickeln sich weiter und… Überhaupt ist die Reihe mittlerweile schon mehr aus sich heraus ein Bonbon und wer sie kennt, wird zusätzlich belohnt: Plötzlich tauchen längst vergessene Figuren auf, wie Rachel Unglighter, die noch aus den Miniserien VOR der Burnham-/Schoening-Ära stammt… und schließlich kommt es zum finalen Kampf mit… Verraten wir nicht, aber wer sich auskennt der weiß, dass es noch viel schlimmere Wüteriche gibt als Gozer.

Dieses dicke, großformatige Taschenbuch funktioniert auf allen Ebenen: Zum einen erzählt es eine kurzweilige Geschichte mit vielen kleinen Highlights und Aha-Momenten. Für die Nostalgiefans gibt es ein Wiedersehen mit den Real & Extreme Ghostbusters und für die Anhänger der ATC-Busters die Genugtuung, dass trotz Kino-Flops neue Abenteuer mit den neuen Lieblingen erzählt werden. Für sie alle zusammen bietet „Crossing Over“ die allerwichtigste Einsicht: Nämlich, dass all diese Teams perfekt miteinander harmonieren und sich tonal keineswegs wiedersprechen, ohne dass man sie umschreiben muss.

Die ursprüngliche Vision von Dan Aykroyd von einem „Ghostbusters“, das in verschiedenen Zeitebenen und Dimensionen spielt, wird hier endgültig umgesetzt – im Film wäre das wohl zu viel des Guten, das Medium Comic ist perfekt dafür geeignet und wenn Jason Reitman nächstes Jahr seinen Teil 3 auf uns loslässt, dann ist ein wenig unsere Hoffnung, dass er dieser genialen Reihe wenigstens nicht kanonisch widerspricht, wenn er schon – wie anzunehmen – nicht darauf eingehen wird.

„Crossing Over“ ist ab sofort erhältlich, leider nur als Import in englischer Sprache, zum Beispiel über Amazon.

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