Seelenstriptease

Die Dokumentation „Ghostheads“ befasst sich mit dem Phänomen des Ghostbusters-Fans. Dabei schrammt sie jedoch am Ziel vorbei und zeigt eine Reihe Verlorener.

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Tom Gebhardt

Während die Mega-Doku „Cleaning up the Town: Remembering Ghostbusters“ seit zehn Jahren in Produktion ist und sich alle Zeit der Welt nahm und nimmt (so ziemlich jede Person, die in irgendeiner Kapazität an den Originalfilmen gearbeitet hat, kommt zu Wort – Fast, außer Murray), war 2015 plötzlich von einem weiteren Filmchen die Rede, das allerdings eher das Fandom als das Sujet selbst beleuchten würde. „Ghostheads“ wurde erfolgreich finanziert, kam dann auch erstaunlich schnell auf DVD und sogar bei Netflix kann man den Film abrufen. Das Timing war gut, pünktlich zum Kinostart von Paul Feigs Remake Mitte 2016 bot „Ghostheads“ jenen, die sich schwer taten mit der Neuausrichtung eine Retro-Alternative. Denn obwohl Feig selbst auch zu Wort kommt und das Remake kurz thematisch angeschnitten wird, konzentriert sich „Ghostheads“ weitestgehend auf Nostalgie und spricht nebenher im Titelsong von einem „Albtraum“ in Hinblick auf den Damen-Film. Pew.

Nostalgie also. Vielleicht zu Recht, denn machen wir uns nichts vor: Die meisten mögen diese Retro-Brands einfach nur, weil sie sie mit „guten, alten Zeiten“ assoziieren. So erzählt Tom Gebhardt (der so etwas wie der Hauptdarsteller unter den Portraitierten ist) davon, wie er früher bei seinem Opa saß, wie sie zusammen Ghostbusters sahen und wie der Großvater dem kleinen Tom Spielzeug kaufte. Gebhardt kommen die Tränen, wenn er das erzählt. Er sieht auch sonst nicht glücklich aus.  Im späteren Verlauf des Films bringt er, uniformiert, seine kleine Tochter in die Schule. Das soll anrührend sein, wirkt aber eher befremdlich.

Halt das Zeug von den Frauen fern, sie haben es schnell satt!“

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Peter Mosen, der „King“.

Dann gibt es da Peter Mosen, den in der Szene allseits bekannten King of the Ghostbusters Fans. Mosen stand schon bei der Premiere des Urfilms anno 1984 in Overall und mit Plastikstrahler vor den Kinos. Columbia wurde dann auf ihn aufmerksam, so dass er für allerlei PR Reklame laufen durfte, Höhepunkt war ein Mini-Auftritt in „Ghostbusters II“. Der Film zeigt aber keinen jahrzehntelang Begeisterten. Stattdessen bekommen wir einen alten, traurigen Mann zu sehen, der Lebensweisheiten wie „Halt das Zeug von den Frauen fern, sie haben es schnell satt“ von sich gibt und der das alles selbst satt zu haben scheint, sich aber in sein Schicksal fügt. Jeder Satz von ihm, selbst solche wie immer alles positiv sehen!, hören sich ungeheuer verbittert an. Das mag auch an Mosens Autounfall liegen, der ihn zwischenzeitlich in den Rollstuhl brachte. „Ghostheads“ geht ausführlich darauf ein, portraitiert Mosen als böse gezeichnet und weist dann immer wieder darauf hin, wie großartig er früher einmal war. Ein Happy End ist ihm in der Doku nicht vergönnt, er wirkt eher wie ein Mahnmal für jüngere Fans – und dann erzählt auch noch der Enkel, dass er lieber Star Wars guckt. Es ist eine unfreiwillige Dramödie.

Im weiteren Verlauf kommen typische Bilderbuch-Nerds zu Wort. Einer bricht in Tränen aus, weil ein Kind ihm gesagt habe, dass es später auch Geisterjäger werden will und er deshalb einen Sinn im Leben sehe. Ein anderer erzählt von seinem behinderten Sohn, auf den er stolz sei – und dann bricht er in Tränen aus. Statt dass der Film einen abholt und davon überzeugt, wie vergnüglich und frei und unbefangen und fröhlich die Szene ist, bekommt man eine Selbsthilfegruppe vor die Nase gesetzt, die sich eher fortwährend für das rechtfertigt, was sie da macht. Die Unbeschwertesten unter ihnen sind noch jene, die eigentlich gar keine Fans sind. So zum Beispiel eine Psychologin, die eher generell an Cosplay interessiert ist und ein junger Mann, der direkt klarstellt, dass er das ja nicht ewig machen will, da man sich ja auch irgendwann auf die Familiengründung konzentrieren muss und „da muss ich das nicht dreimal im Jahr anziehen. Wenn ich es irgendwann mal wieder an Halloween trage, weil ich sonst nichts habe, reicht mir das auch.“ Wow.

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Trocken dank Ghostbusters

Am ergreifendsten ist die Geschichte von Craig, der seiner Frau Abigail einen Antrag über eine Videobotschaft von Ivan Reitman machte. Übrigens ist Abigail alkoholkrank und Ghostbusters half ihr, trocken zu werden. Als sie das erzählt, bricht sie in Tränen aus. Ein wenig Drama und Kaputtheit also auch hier.

Schade ist auch die sehr einseitige Darstellung des Hobbies an sich: Fast alle gezeigten Fans sind ausschließlich Cosplayer. Gebhardt hat im Garten zwar noch eine Laube mit Merchandise stehen. Aber jene Anhänger, die die Filme und Serien lieben weil sie substanziell sind, findet man überhaupt nicht – Wodurch Ghostbusters selbst, aus dem all die gezeigten Existenzen ihren Lebenssinn ziehen, völlig trivial wirkt. Andere Dokus zu Themen wie Star Wars oder Star Trek haben immer auf deren inhaltliche Qualitäten hingewiesen und so eine Grundlage für das Interesse der jeweiligen Anhängerschaften erklärt.

So bleibt ein Film, der mit großer Naivität versucht, die Szene als eigentlich ganz normale, liebenswerte Leute mit einem sympathischen Spleen zu verkaufen. Statt dessen führt er weinende Menschen in umgebauten Autos vor. Das wird weder unserer Community noch Ghostbusters gerecht.

„Ghostheads“ ist über Netflix mit deutschen Untertiteln abrufbar.

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