Ein Vorschlag für die Zukunft

Zwei Jahre nach dem Kino-Remake des Geisterjäger-Klamauks ist die Reihe einmal mehr zum Erliegen gekommen. Dabei sollte alles so gülden sein, nach einem Vierteljahrhundert Wartezeit: Zunächst Paul Feigs freches, frisches Answer the Call, aber dann gleich noch ein ganzes marvelesques Movieverse hinterher – so waren die Spekulationen, und auch wenn Vintage-Regisseur Ivan Reitman behauptete, es habe nie konkrete Ideen für weitere Filme mit z.B. Channing Tatum und Chris Pratt gegeben – nur um Comic-Heftchen und Figurenlizenzen zu vergeben, hat man bei Sony die nur für „Ghostbusters“ zuständige Filmproduktions-Unterabteilung „Ghost Corps“ sicher nicht gegründet.

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Kopf hoch: Auch „Blues Brothers“ und „Terminator“ waren Kino-Flops.

Ob die Neuverfilmung zu Recht so gescheitert ist, kann man so oder so sehen. Unbestritten aber ist, dass die Zuschauer sich für einen kompletten Neuansatz nicht erwärmen konnten und lieber eine traditionelle Fortsetzung im etablierten Universum gesehen hätten – so, wie sie Dan Aykroyd und auch Reitman gefühlte 50 Jahre an-teaserten. Die Comics betreiben gerade Schadensbegrenzung im großen Stil: Hier haben sich die Ereignisse aus „Answer the Call“ tatsächlich in einer Paralleldimension zugetragen, die Prime Ghostbusters sind hier auch schon auf ihre Zeichentrick-Gegenstücke getroffen. In der aktuellen Serie „Crossing Over“ müssen alle Teams miteinander kooperieren, um größeres Unheil abzuwenden. Das ist Fan-Service wie es im (Comic-)Buche steht. Doch das hilft alles nichts – Von groß budgetierten Realfilmen wird Sony vorerst absehen, bis eine neue Retro-Welle den Nachgeschmack des Scheiterns hinwegfegt.

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Der FilmFilm auf Sat. 1: Als die Welt noch ein sicherer Ort war

Die Frage, die wir uns stellen, ist: Muss es damit im großen Stil wirklich vorbei sein, und war der Ansatz Kino nicht von vornherein falsch? Denn während Aykroyd Fortsetzungs-Hirngespinste in die Welt gab, vergingen Dekaden, in denen Kino sich grundlegend geändert hatte. Man mag die flotte und kunterbunte Präsentation von „ATC“ ablehnen, aber zeitgenössisch ist sie. Das ist ein Problem: Ein Retro-Kinofilm würde vom zahlenden Publikum – den heute 15 – 25jährigen – als hoffnungslos behäbig wahrgenommen werden. Dazu kommt, dass die alten Männer längst keine Goldesel mehr sind. Jünglinge hätten hergemusst, um das Produkt Jünglingen zu verkaufen. Denn Fakt ist: Selbst, wenn alle Batman-Fans auf der ganzen, weiten Welt in einen Batman-Film rennen, wird das den Film lange nicht re-finanzieren. Es fehlt immer noch an drei Vierteln spontaner Kinogänger und Normalos bis zum Hit. Aus diesem Grund sind Filmemacher angehalten, zwingend zu allererst den Massengeschmack bedienen zu müssen. Erst dann können Bonbons für die jeweilige Fangruppe ausgegeben werden.

Wenn man das erst einmal sacken lässt, kommt man zu zwei Feststellungen: 1. Angesichts dieser Voraussetzungen hat sich Feig damals gar nicht so schlecht geschlagen. 2. Ein adäquates Threequel der Vintage-Serie in genau dem damaligen Stil ist völlig unmöglich. Doch es gibt eine Alternative: Prime. Oder Netflix! Hä?

Wer jetzt entrüstet einwirft, dass „Ghostbusters“ immer großes Hollywood-Kino war, der hat Recht. Aber: Im Jahr 34 nach Teil 1 ist das, was Ghostbusters 1984 und 1989 auf die Leinwand getrickst hat, längst vom Fernsehen zu bewältigen. Beide großen Streaming-Dienste produzieren fett budgetierte Eigenproduktionen in Kinoqualität. Heute steht Kino qualitativ (zumindest inhaltlich) hinter Fernsehen, die alten Werte und Normen haben sich verschoben. Wir tragen für euch mal ein paar Punkte, die für Netflix und Co. sprechen, zusammen.

1. Kein Anbiedern an ein Teenie-Publikum

Wie gerade schon beschrieben, hat sich Kino den Regeln des zahlenden Publikums zu unterwerfen – und das sind nun einmal Jugendliche und sehr junge Erwachsene. Mitt-Dreißiger und -Vierziger bleiben dagegen lieber daheim. Eine TV-Serie könnte sich also einen feuchten Kehricht um Zeitlupen-Action im Matrix-Stil scheren und einfach Erzähltempo und Haptik der 1980er aufgreifen. Dass Serienpublikum so etwas toll findet, kann man ja auch dem Hype um „Stranger Things“ entnehmen. In der Netflix-Serie der Duffer Brothers ist Nostalgie Programm: Stil, Figuren, Flair scheinen aus der Zeit gefallen. Dass das mit Ghostbusters harmoniert, beweist auch die zweite Staffel, in der die Kids als Geisterjäger unterwegs sind.

2. Auch die Effekte bleiben Retro

In einem Serienumfeld mit 80s-Flair dürfen auch die Tricks weiterhin aussehen wie aus einem 30 Jahre alten Blockbuster. Sicher kann viel computergeneriert werden, aber gezeichnete Protonenstrahlen und ein Puppen-Slimer gewährleisten die Nähe zu früher. Im Kino hat das J.J. Abrams mit seiner „Star Wars„-Folge „Das Erwachen der Macht“ unterstrichen, im Fernsehen zeigt uns beispielsweise „Ash vs. The Evil Dead„, dass ein Mix aus modernen und handgemachten Effekten weiterhin gut funktioniert. Auch ist die Serie ein an sich gutes Beispiel dafür, wie ein altes Film-Franchise sich selbst getreu für eine Streaming-Serie fortgesetzt werden kann.

3. „Ghostbusters 3“-Ideen können verwendet werden

…denn gut – Soooo viel von dem, was Aykroyd in den Äther gegeben hatte, ließ uns die Stirn runzeln. Doch dann waren da auch immer wieder Dinge, die uns neugierig machten. Wer würde nicht gern wissen, was sich zum Beispiel Etan Coen, der Autor des sehr guten „Men in Black 3„, 2012 für „Ghostbusters 3“ ausgedacht hatte? Nicht alles muss verworfen werden. Vor allem kann Aykroyd endlich seine „Extreme Ghostbusters„-artige Grundidee der Staffelübergabe an ein junges Team umsetzen. Er selbst, mittlerweile als erfolgreicher Spirituosen-Verkäufer erfolgreich und ständig auf Achse, könnte alle paar Folgen auftauchen. Die reguläre Ausbildung könnte Ernie Hudson übernehmen. Als Mentor und aufgestiegen zur regulären Hauptfigur unter jüngeren Newbies wäre das auch eine späte Genugtuung für Hudson, den ewig Letzten. Annie Potts könnte zurückkehren, und vielleicht bekäme man mit viel Überredungskunst ja auch einmal Murray (plus Sigourney Weaver) und Rick Moranis für ein Staffelfinale. Selbst wenn nicht – was soll’s.

4. Mehr Zeit für gute Geschichten und Figuren

Während im Kino ein neuer Film nach spätestens zwei Stunden vorbei ist, kann eine Serie sich Zeit nehmen. Sie kann die neuen Charaktere in aller Ruhe vorstellen, sie eine gemeinsame Dynamik entwickeln lassen – und sich mittendrin dann einfach eine ganze Folge von 45, 60 Minuten Ray Stantz widmen. Das wäre ein Mehr an dem „Ghostbusters„, das wir so lange wollten, wie wir es uns nicht erträumt hätten.

Wäre, hätte, könnteAll diese Gedanken sind hypothetisch. Aber noch haben wir nicht aufgegeben! Demnächst läuft übrigens auf YouTube Red die offizielle Fortsetzung von „Karate Kid“ – als Serie – an. Vielleicht haben wir Glück und jemandem bei Sony / Ghost Corps fällt ein, was uns so einfiel. Ganz so weit ist der Weg von „Stranger Things“ mit den „Ghostbusters„-Auftritten hin zu einer eigenen Serie ja vielleicht nicht.

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