Dumm gelaufen

_89816348_gbcast976Was war nur passiert? Die Geek-Welt wartete also 25 Jahre auf einen neuen „Ghostbusters„-Film, doch nun, da der bald schon wieder zwei Jahre her ist und die Kino- und Heimkino-Auswerungen längst durch, stellen wir fest – Er war ein Flop. Nicht inhaltlich, nicht substantiell, aber dennoch finanziell. In den USA startete „Ghostbusters: Answer the Call“ schlechter als „Ghostbusters II“ Jahrzehnte zuvor und spielte weniger ein als er gekostet hatte, international kam er milde über das geschätzte Gesamtbudget. Dass der Film in dem wichtigen Auswertungsland China wegen religiöser Bedenken nicht laufen durfte, war sicherlich mit ein Grund für das enttäuschende Gesamtergebnis, aber es war nur noch ein Grund mehr – Die Beine hatte sich das Projekt schon zwei Jahre vor Kinostart vom Fleck weg gebrochen.

lesliejones22f-2-webKlar gab es da all die Trolle, die auf den Frauen hackten, weil es Frauen waren – die machten auch gar keinen Hehl daraus, und die meisten Aussagen machten Diskussionen überflüssig, da sich viele Statements in Grammatik und Niveau selbst kommentierten. Dass auch die Originalfilme schon massive feministische Philosophien innehatten, ist ihnen entgangen. Konstruktiver Diskurs war völlig unmöglich, soziale Medien wurden überschwemmt von wildesten, kernkonservativsten Theorien über ein Hollywood, dass die Frau aus der ihr zustehenden Rolle als Heimchen herauslocken und Familien zerstören will, um so mehr Einfluss auf die Kinder zu bekommen. Andere dachten sich nicht einmal mehr solch witzige Geschichten aus und fragten Regisseur Paul Feig auf Twitter platt, ob er für einen Cameo-Auftritt den Leichnam von Harold Ramis ausbuddeln würde, außerdem sei Leslie Jones ein Affe. Ein Gebräu aus menschenverachtender, tiefer Bösartigkeit – Karpartenfürst Vigo hätte gefeiert!

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Eher harmloseres Beispiel

Doch wie ist es mit all den Stimmen, die mit derselben Beharrlichkeit und Abneigung dagegen wehrten, dass sich ihre Kritik gegen die Frauenquote richte? Die sich angegriffen fühlten, nachdem offizielle Stellen all den Hass allein zu allergischen Macho-Überreaktionen erklärten? Schließlich gab es viel Bashing: Der Humor beispielsweise sei zu derb, der Antagonist zu öde. Das Problem war: All diese subjektiven Empfindungen konnte man ohne große Mühen im Vergleich mit den alten Filmen und der Cartoonserie sofort relativieren, wenn man nur wollte (unsere Kritik hat sich u.a. damit befasst). Frühere Reboots populärer Stoffe (RoboCop, Nightmare on Elm Street, waren auch schon kritisiert worden – das gehört zum guten Ton und ist oft angemessen. Doch der beispiellose Hass in diesem einen speziellen Fall war unvergleichlich, und so blieben nach Abzug der anderen schnell widerlegten Punkte – nach Adam Riese – doch nur der Genderdreh und, irgendwann, die Ablehnung der Masse einfach aus einem irgendwann einsetzenden Trend heraus.

Gegen den Film darf man überhaupt nichts sagen, sonst ist man gleich Sexist.

  • Chick Commander, Internetkommentator

Wonder_Woman_Gal_Gadot-posterInteressanterweise wurde kurze Zeit später DC’s durchaus toller „Wonder Woman„-Film zum Riesenhit und gleich mit als Argument dafür aufgeführt, dass das Publikum wohl kaum mehr etwas gegen weibliche Hauptrollen hätte, solange der Film etwas taugt. Doch der Vergleich hinkt, denn „Wonder Woman“ war immer weiblich – Der Film ist kein radikaler Neuansatz eines alten Franchise, in dem über Jahrzehnte liebgewonnene Männerfiguren durch eine Frau ersetzt wurden. Plus: Wonder Woman mag wohl stark sein, sie muss aber dennoch gefällig den optischen Ansprüchen eines männlichen Kinopublikums entsprechen, während in „Ghostbusters“ echte Frauen ohne Rock und Superkräfte Beachtliches leisten.

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„This is not going to go the way you think!“

Der bessere Vergleich bietet sich deshalb mit der aktuellen „Star Wars„-Trilogie. Hier wurden alte Mannsbilder wie Cowboy Han Solo und der Grünbuben-Avatar Luke Skywalker durch die schlagfertige Rey ersetzt, das neue Imperium besteht aus maskulinen Lachnummern, die Rebellion dagegen wird von erfahrenen Damen geführt – Besonders „Die letzten Jedi“ spielt dabei frech mit unserer eingefahrenen Erwartungshaltung und führt uns anhand der bösen Worte, die sich meist gegen die Rey-Figur richten vor, wie sehr wir – meist unbewusst – in traditionellen Denkmustern aus den 1950ern verhangen sind – klar, dass so mancher beisst, wenn er dabei ertappt wird. Dass „Star Wars“ sich dabei nicht überhebt, ist der Popularität der Marke zu verdanken – Ghostbusters“ kann da nicht mithalten, zumal es sich noch viel drastischer erneuerte.

Es könnte einem Mann nichts schlimmeres passieren, als wenn seine Frau sich an ihm ein Beispiel nimmt.

  • Deutsches Sprichwort

Dabei braucht sich niemand bedroht sehen. Die radikale Drehung ist nicht als gesamtgesellschaftlicher Gegenentwurf einer feministischen Agenda gedacht. Vielmehr ist es ein satirisches Gegenbild, das zum Anregen dient und so mit dazu beitragen kann, dass wir homogener und respektvoller miteinander umgehen.

Davon sind wir noch weit entfernt, wie die Debatte um den Film gezeigt hat. Die antagonistische Welle der Ablehnung war derart destruktiv, dass sie die gerade neu erblühte Filmreihe nach Dekaden im Schlaf geradewegs wieder erschlagen hat – So bald wird wohl kein Kino-Live-Action-Film mit den Geisterjägern mehr kommen. Ironie: Die Hater haben der Serie damit auch die Möglichkeit genommen, in einer Fortsetzung die beiden Universen zusammenzuführen, so dass die alten Männer doch noch hätten auftauchen können. Das wurde nun auf die laufende Comicserie abgeschoben – wo es niemand all dieser selbsternannten Fans zur Kenntnis genommen hat.

30bc2610f1d9d46d240d76ae0efc4390--so-hurt-ghostbusters-Während Feigs Film in der Welt der Muggel weiterhin empört gedisst wird, konnten sich viele Fans mittlerweile auf die außergewöhnlichen Stärken verständigen. Viele heutige Kultfilme sind im Kino sang- und klanglos untergegangen. „Blues Brothers“ war ein finanzielles Fiasko. Wir möchten hoffen, dass der dritte Geisterjäger-Film nicht historisches Beispiel wird für eine Neuverfilmung, die man so nicht machen sollte. Schöner wäre es, wenn die bösartigen Stimmen eines Tages verklingen und man den Film für seine besonderen Leistungen wertschätzt – vielleicht auch als ein wenig zu früher Beginn einer neuen Reihe von großen Franchise-Filmen, die clever mit unseren verrosteten Sehgewohnheiten spielen und uns wieder tollkühn überraschen.

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