Angriff der Klonkrieger

US-Magazinartikel kündigte die Matty-Line an.

Throwback acht Jahre in die Vergangenheit: Mattels „Ghostbusters“-Figurenserie brummt gerade auf Hochtouren und sorgt für Fuore: Fans diskutieren auf über 160 Forenseiten(!) über jede Ankündigung, über jede Figur, über jede Entscheidung des Onlinehändlers „Matty Collector“. Viele sammeln, dabei sind sich fast alle in einem Punkt einig: Das wäre besser gegangen. Unser Autor kehrt noch einmal zurück in diese Zeit.

Was bei mir mit den ersten Internet-Bildern mit einiger Skepsis über Mattels Ghostbusters-Figurenlinien angefangen hat, ist leider schon längst zu großer Abneigung gegen Firma, Philosophie und ihrer Produkte geworden.
Matty und seine Figuren haben in meinen Augen wenig mit Qualität zu tun. „Adult-Collector“ steht drauf – Kinderramsch ist drin. Die Kultmarke wird in Billigplastik gepresst. Hier ein paar Gedanken zur Figurenserie…

Likeness
Mattel bringt Figuren im Actionfigurenformat (6“) und im Großformat (12“) basierend auf dem Aussehen der Schauspieler der beiden Ghostbusters-Filme. Neben Körperbau und Outfit (dazu mehr im Abschnitt Recycling) ist es vor allem das Gesicht der bekannten Charaktere das stimmen muss. Und das gelingt mal gut, mal weniger gut, bis gar nicht.

Die Likeness der Großfiguren wurde zunächst mit Ray, Egon, Peter und Winston immer besser. Allerdings fragte man sich bei Ray noch, wem diese Kopfform überhaupt ähnlich sehen sollte. Dabei wäre Aykroyds markantes Gesicht im Grunde keine Herausforderung gewesen. Bis hin zur Frisur erinnert jedoch nichts an den Schauspieler, oder eben Ray. Spätestens jedoch mit Peter und Winston kann man die Schauspieler sogar wieder erkennen. Was alle Köpfe dennoch zusätzlich unten hält, sind die rudimentären Details und die viel zu glatte, einfache Bemalung: Die Gesichtskonturen sehen aus wie aus Porzellan gegossen und die Haare und aufgedruckten Augen und Augenbrauen wie aufgeklebte Fremdkörper. Das ist keine Leistung, so sehen Barbie-Köpfe schon seit Ewigkeiten aus. Für die anvisierte Zielgruppe sind diese Puppengesichter eine Zumutung. Erste Überlegungen finden statt, wie Neca oder andere Figurenfirmen das Aussehen der Helden angegangen wären. Peters Gesicht sah kurioserweise auf Marketingbildern noch viel detaillierter aus, aber dazu später mehr.
Vor allem ist es aber in beiden Figurenreihen die Inkonsistent, die stört. Denn bei den Kleinfiguren geht es noch wilder durcheinander: Egon haben sie eine viel zu dicke Brille aufgeklebt, die im Grunde die Bewertung der Likeness unmöglich macht. (Man hätte unbedingt eine dezentere Brille im Gesichts-Skulpt integrieren müssen.) Ray sieht sehr verknautscht aus und wie eine birnenförmige Karikatur von Aykroyd. Winston bekommt hier mein Lob, denn er stimmt am ehesten in der Gruppe mit seinem Vorbild überein. Jedoch geht die Leistung bei Venkman wieder stark nach unten, sein Kopf ist rund und riesig und sieht (in Verbindung mit seiner lässigen Hose) aus wie ein cartoonhafter Teen-Venkman. Für Peter hat man außerdem eine gänzlich andere Gesichtsfarbe (heller, gelber) verwendet, als für Egon und Ray, was hier am allermeisten für Inkonsistent sorgt. Auch ist Peter weniger detailliert als Ray oder Winston.
Die Bemalung der Gesichter ist bei den 6“-Figuren aber kurioserweise weitaus gelungener als noch bei den 12“-Figuren. Augen und Brauen sind exakt aufgetragen und trotz ihrer minimalen Größe voller Details. Mankos gibt es aber bei den aufgemalten Haaransätzen, die bei meiner Figurentruppe, nicht unbedingt immer der Form der Gesichtsskulptur folgen, und bei Winston sogar ziemlich schlampig aufgetragen sind.

Recycling
Das Kuriose bei allen Figuren und Varianten: Es ist zu 90% EINE IDENTISCHE Figur mit minimalen Änderungen. Jedes Gelenke-Glied, jede Overall-Falte, alles ist ein Klon. Peter, Ray, Egon und Winston sind identisch bis auf ihren Kopf. Dies gilt sowohl für die 6“- als auch für die 12“-Figuren. Lediglich bei 6“-Peter ließ man Gnade walten und spendierte ihm tatsächlich neue Waden-Partien mit überlappendem Overall, einen anderen Gürtelansatz und Handschuhe. Dennoch macht es den Eindruck nicht wett, im Regal auf vier gleiche Figuren zu treffen, was den Gesamteindruck immens stört. Die Wirkung einer dynamischen und individuellen Gruppe, die man aus den Filmen kennt, weicht so dem Angriff der Klonkrieger.
Was hätte dagegen gesprochen, Ray etwas dicker zu formen, Egon dafür etwas größer, etc.?
Individuelle Armhaltungen hätten für Dynamik gesorgt. (Die vorgegebenen Armgelenke und vor allem die steifen, rund geformten Hände lassen im Grunde nur eine einzige sinnvolle Pose zu: Die Gun in Händen und ziemlich nah am Körper.) Zumindest anders fallende Overall-Falten hätte man formen können!
Diese fast schon dreiste Recycle-Mania als einfachste und offensichtlichste Sparmaßnahme raubt mir persönlich den größten Teil des Spaßes an den Figuren. Das Preis/Leistungs-Verhältnis stimmt hier am allerwenigsten. Aber auch im nächsten Punkt…

Variants
Es ist schon irgendwie seltsam, wenn die Reihe ausgerechnet mit der Variation eines Charakters (nämlich Vollgeschleimt-Egon) beginnt. Absurd wird es erst wenn die Ankündigungen über Varianten über und überhand nehmen, immer mehr Varianten erscheinen, obwohl die Jungs in ihrer normalsten (und von den meisten bevorzugten) Erscheinung nicht einmal komplett erschienen sind. Jungs, Jungs in GB2, Jungs in GB2 mit Mützen, Jungs in Kittel, Jungs im Gerichtsdress, Jungs in vollgeschleimt, Jungs mit Marshmallowschaum. Wahnsinn! Wer wird dieser Quantität her, und wer braucht sie? Und auch hier handelt es sich übrigens im Grunde immer um die identischen Figurenbausteine.
Unbefriedend wird es aber später mit der Frage: Schafft es Matty überhaupt jeden Charakter auch in jeder Variantenform herauszubringen? Was nützt mir ein Ray mit Marshmallow-Schaum, wenn es keinen Peter, Egon und Winston dazu gibt? Beispielweise wenn Matty die Reihe aufgrund schlechter Verkaufszahlen abbrechen sollte.
Besonders nervig bei den Variants ist aber vor allem auch der nächste Punkt…

Verbesserungen
Wer die ersten vier Geisterjäger-Figuren im Regal stehen hat, dem sollte auffallen, dass Matty die jeweils recycleten Grundbausteine leicht verändert oder verbessert. So kann man zB. folgendes bemerken: das Plastik der Guns wird im Fortlaufen der Figuren immer etwas wertiger/fester. Peters Overall-Schlauch ist gelber, als der der anderen. Der Schleim auf Peter hat eine völlig andere Erscheinung als der von Egon. Peter hat eine andere Hautfarbe als die anderen, etc.
Verbessern ist wahrlich toll! Aber warum nicht so von Anfang an und auf keinen Fall im Fortlaufen einer speziellen Figurengruppe. Denn paradox: Obwohl die Figuren quasi-identisch sind (siehe Recycling), sorgen grade diese minimalen Abweichungen von den Vorgängerfiguren für Inkonsistent. Wie schon gesagt, wirkt Peter durch seine hellere, gelbere Hautfarbe einfach off.
Eine andere Sache ist die Verbesserung der Likeness mit erscheinender Variants… Der Kittel-Ray hat auf ersten Bildern einen völlig anderen, weniger verknautschten Kopf als der ersterschienene Ray. Peter sieht auch immer anders aus. Toll hier zwar, dass einmal NICHT recyclet wird, für Käufer der ersten Figuren aber einfach sehr unbefriedigend. Erst recht wenn Matty kürzlich darauf hinweist, dass die ersten Figuren wiederum in Neuauflagen erscheinen sollen. Der richtige Sammler muss also ständig updaten. Das ist Varianten- und Neuauflagen-Terror!
In Zukunft wird Matty den 6“-Figuren kleine plastische Logos beilegen, die den Helden als Aufstellplatte dienen. (Vielleicht auch nur der Ecto-Club-Figur…) Das sieht zwar sowieso schlimm aus (Figur überragt das Logo, Logo ist zu dick, Logo hat zu viele Details und saugt Aufmerksamkeit), aber warum hab ich am Ende keine Platten für die ersten Figuren?

Minderwertiges PVC
Leider meist Standard bei Spielzeug aus weichem Plastik, trotzdem eklig (gesundheitsschädigend?), und vor allem nicht notwendig: Die Guns der 6“-Figuren strömen einen starken unangenehmen Geruch aus, den man noch mindestens einen Meter vor den Figuren wahrnehmen kann. Mit der Verwendung von hochwertigerem Material muss so was nicht sein. Dann würden sich die Waffen auch nicht so leicht in den Händen der Helden verbiegen, was schon sehr dämlich aussieht.
Gerüchte um die krebserregende Wirkung von weichem Plastik, beispielsweise das der Köpfe der 12“-Figuren kursieren seit den 80ern.

Trash-Verpackung
Den Anschein von zusammengewürfeltem Tun seitens Matty macht daheim als erstes die Verpackung. Hier wird munter Bildmaterial des Videospiels mit Bildern aus den Filmen und selbstproduzierten Fotos und Artwork gemischt. Eine eigene oder zumindest einheitliche Identität entsteht dabei nicht. Die 12“ Verpackung wird durch die Verwendung einer großen, grausamen Schriftart (ähnlich der Comic-Sans) entstellt, mit der die Namen der Helden auf die Spinte geschrieben steht.
Dann kommt das Auspacken: Erst die Versandverpackung aus dickem Karton und Puffermaterial, dann die weiße Umverpackung, dann die Verpackung des Produkts selbst aus Unmengen von Schichten aus Pappe und Plastik. Das Auspacken der 12“ verschlingt gerne eine viertel Stunde bis man sich zur Figur vorgekämpft hat, und sie von allen PVC-Häubchen, Verankerungen und spitzen Verdrahtungen (Aua!) befreit hat.
Was bleibt ist ein Riesenhaufen Müll und daneben ein kleines Haufchen Plastik-Produkt. Umwelt olé. In die Aschentonne passt auch nichts mehr rein. Aber das ist der American Way: Viel Schein – wenig sein, und auf jeden Fall viel Müll.
Und Auspacken muss sein. Die Figuren originalverpackt zu lassen würde nicht nur absurd viel Platz in der Wohnung verschlingen, sondern den Figuren vor allen Dingen mehr Wert zumessen, als sie verdienen.
Fairerweise: Lob verdienen die rückseitigen Texte zu den Figuren, die mit großer Liebe zum Detail Informationen aus den Filmen und RGB (obwohl bei Movie-Figuren eigentlich off-topic), etc. zusammentragen. Originell auch die Idee der ausziehbaren Umzugs-Spinte der 12“-Figuren gefüllt mit ihrem Figurenzubehör…

Auswahl der Figuren
Die Auswahl der Figuren verwundert. Variants, Variants, Variants, dazwischen vielleicht mal eine originelle Idee wie Peck. Wo ist Janine? (Diese Fragen kann man stellen, denn die offene Figurenplanung Mattys erlaubt eine weite Übersicht.) Warum erscheinen keine Bösewichte? Warum verkümmert Nunzio Scolerie zum Bonusmaterial? (Die Scoleri-Brüder wären übrigens SO gut für eine talentierte Merchandise-Schmiede geeignet gewesen, um richtig aufzutrumpfen.) Warum werden alle Gespenster in halb-transparentem Plastik produziert und nicht etwas aufwändiger? Klar im Film sind die Kreaturen auch meist transparentartig, das lässt sich aber noch lange nicht auf die Figuren übertragen, denn: es sieht einfach billig aus und Details gehen im Schimmer verloren. Eine gute Bemalung wäre hier wirkungsvoller.

Preis / Vertrieb / falsche Versprechen / Verspätungen / Produktionsfehler
Die 6“-Figuren sind teuer, die 12“ noch viel mehr, dazu kommt Porto, und wohnt man nicht in Amerika kommt Zoll dazu – oder man bestellt auf anderen Internetportalen und bezahlt locker das doppelte von grade Gelistetem. Der Matty-Shop ist nur mit Kreditkarte nutzbar. (Paradox: Jeder der alt genug für eine Kreditkarte ist, ist im Grunde ZU alt für diese Figuren.) Im freien Verkauf stehen die Figuren nicht, was auf mich immer den Eindruck erzwungener Exklusivität macht (es aber wahrlich um Totalramsch geht). Auch die geringe Produktionsauflage der Figuren, bei der man stets fürchten muss kein Stück des Mattykuchens mehr abzubekommen und die zu stündlicher Website-Überwachung zwingt, trägt dazu bei. Über allem aber habe ich stets das Gefühl, dass hier überhaupt kein Kosten/Aufwand/Stress – Nutzen Faktor für den Käufer vorliegt.
Ebenso geschickt werden auf der Matty-Bestellseite nur ziemlich kleine Bilder der erscheinenden Figuren abgebildet. Keine Zoom-Möglichkeit. Im Grunde kauft man die Plastik-Katze im Sack. Dazu noch schlimmer: Vorausgesetzt man erkennt die Gesichtsskulptur einer neuen Figur einmal gut – die gelieferte Figur sieht sowieso meist anders aus, da nicht-finale Prototypen für die Netz-Abbildungen benutzt werden. Unangenehme Peter-Überraschung Teil 1: So war der Kopf des sowohl kleinen als auch großen Peters weniger detailliert und ziemlich anders als noch auf den Netz-Photos versprochen.
Hinzu kommen unregelmäßige Verspätungen der Erscheinungstermine. Da werden Figuren plötzlich verschoben. Da vergehen Monate, ohne dass es überhaupt etwas Neues gibt. Zu Beginn der Reihe wurde eine zügige und monatliche Erscheinungsweise angesprochen.
Ein gravierender Punkt ist außerdem die unzureichende Produktionsbedingung, die für teilweise Fehlproduktionen sorgt. So klagten viele Käufer über falsch angebrachte Beingelenke oder deplatzierte Nametag-Aufdrucke. Besonders Ray und Winston schienen davon betroffen, und auch ich hatte bei 6“-Winston eine völlig unförmige und funktionslose Geisterfalle dabei. Von teilweise unschönen Bemalungsarbeiten (Problempunkt Haaransatz!) gar nicht erst zu sprechen. Unangenehme Peter-Überraschung Teil 2: Die Verpackungs-Produktion des 12“-Peters quetschte in der gesamten Figurenauflage den Kopf so dicht und fest in die Plastikhalterung, dass dadurch eine bleibende Verformung des Gesichts und der gesamten Likeness, entstand. Peters Entstellung konnte erst wieder mit der Wärme eines Föns und etwas Knetgeschick in eigener Schönheitsoperation korrigiert werden. Den armen, kleinen, unterbezahlten Chinesinnen, die das stinkende Plastik am Fließband zusammenstückeln müssen, kann man wohl keine Fehler vorwerfen. Matty sehr wohl schon.

Firmenpolitik und Exclusives
Matty erscheint mit ihrem Auftritt im Internet und Messen als freundliche und kundenorientierte Qualitäts-Firma. Dies als erste Regel für ein erfolgreiches amerikanisches Unternehmen, müssen sie es auch. Hausaufgaben gemacht. Leider gilt dies nicht für die Qualität der Produkte – das Unternehmen wird so völlig unglaubwürdig.
Aber auch Pressetexte und der direkte Kontakt mit Fans lesen sich selbstgefällig bis aussagelos, erinnern an ein strenges Regime. Direkte Fragen von Fans innerhalb offizieller Fragen-Und-Antwort-Runden blieben seitens Mattel witzigerweise rudimentär bis gar nicht beantwortet.
Nicht selten erinnern mich die aufgeführten Punkte in diesem und im letzten Absatz (gepaart mit der Nichtigkeit ihrer Produkte) an den Auftritt einer Sekte. Oder an einen Haufen Kinder, dem es, geblendet vom schöpferischen Akt der Figurenkreation, völlig mangelt an sachlicher und reflektierender Betrachtung ihrer Produkte. Mattys Logo, ein unsympathischer Knilch mit Krone, ist da diesbezüglich irgendwie sogar genau das richtige Visual.
Dann rufen die Kinder sogar einen Club Ecto-1 ins Leben, eine Art Figuren-Abo mit einer exklusiven Figur! Wieder einmal muss man die Katze im Sack kaufen, denn eine verbindliche Aussage über die Figuren, die darin erscheinen, gibt es nicht. Doch, da wird die Exklusiv-Figur enthüllt! Es ist (natürlich wieder) ein Ray-Variant…
…und dann kommen natürlich noch die „normalen“ exklusiven Figuren dazu (kann ein Exclusive normal sein?), die meistens auf der SanDiego Comic-Con angeboten werden. Sehr fair für 99% der Interessierten, die NICHT die Möglichkeit haben einen Kurzurlaub in Kalifornien einzulegen, ist das nicht. Aber wen es tröstet: Es ist natürlich wieder ein Variant.
Bei aller Aufgeblasenheit seitens Mattel steckt vor allem nichts dahinter.

Sonstige Mankos der 6“-Figuren:

– Glossy
Die Figuren sind aus glänzendem Plastik. Mattes PVC hätte den Figuren eine höhere Wertigkeit und vor allem mehr Realismus gegeben. Spätestens Pecks Anzug sieht im „Glossy-Style“ aus wie ein Regenmantel… Warum?
– Viele Gelenke
Wer braucht diesen Sturm an Bewegungs-Gelenken an Armen und Beinen? Venkman braucht keinen Spagat vollführen zu können und spätestens bei Pecks schwarzem Anzug killt die Anzahl der Löcher und Achsen die Optik der Figur auch hier völlig.
– Bemalung
Die Bemalung ist okay, aber nicht optimal. Feinarbeit wie die Augen oder der Logo-Aufdruck sitzen zwar perfekt – Schwierigkeiten macht aber scheinbar immer der Haaransatz. Ein „Used-Look“ der Overalls, ein Überpinseln mit hellerer Farbe um dem ganzen Authentizität zu geben, wäre außerdem sinnvoll gewesen.
– Hände
Die Hände lassen wie gesagt nur eine Pose mit der Gun zu – ohne Gun würden sie nur sinnlos verkrampft in die Luft greifen. Der Hand-Skulpt ist außerdem viel zu rudimentär und die Handgröße schlicht zu groß.
– Zubehör
Zu wenig bis überflüssig… Der Slimer war in seiner zweiten Auflage mit heraushängender Zunge immerhin erträglicher als der erste… Das Dreidimensionale GB-Logo war eher überflüssig (das Logo funktioniert in 3D NICHT)… Die offene Falle mit Blitzen zu trashig.
– Ständer
Der Ständer, der dem Slimer sowohl bei Peter als auch bei Egon beiliegt, ist unausgereift: Er wackelt, fällt leicht um und ist hässlich wie die Nacht.
– Lob!
Gelungen indes finde ich, wie schon gesagt, Winstons Likeness, oder den sehr feinen Logoaufdruck auf den Oberarmen!

– Fazit: All diese Negativ-Punkte lassen die Figuren eben mehr Kidstoys aus den 90ern wirken, nicht wie neuzeitliche Figuren a la Neca oder McFarlane – wie gehobene Sammlerstücke für Erwachsene (= Adult Collector) schon gar nicht.
Wie es in vielen der Punkte anders ginge hat Neca im Grunde vorgemacht mit ihren vier Figuren zum ersten Film: die Figuren waren matt, genial bemalt, größer, Slimers Ständer war brauchbar, etc. etc…

Sonstige Mankos der 12“-Figuren:

– Körper
Das Kloning habe ich ja schon angesprochen… Das Problem bei den 12“-Figuren findet aber schon früher statt, und zwar beim Körperbau per se: Hier hat Mattel wohl ihre alten GI-Joe Gussformen aus dem Keller geholt, denn die Körperform entspricht mit ihrer schlanken Taille und den breiten Schultern wohl eher John Rambo als den Studenten von nebenan.
– Hals
…nicht im Lieferumfang enthalten.
– Overalls
Der gewählte Stoff fällt unrealistisch und sieht obendrein aus wie eine Art Schneeanzug. Zusammen mit dem überproportionierten Körperbau entsteht so eine Katastrophe.
Der gelbe Schlauch verläuft leider ins Nichts und die angebrachten Nähte sind zu groß. Lob aber hier: Details wie Reißverschlüsse oder den Logoaufdruck am Oberarm finde ich sehr gelungen.
– Hände
Mal abgesehen von der Handform an sich, die mit ihrer hohlen Greifform nur eine einzige sinnvolle Position mit der Gun in Händen zulässt, sind die Hände einfach auch viel zu grob und zu glänzend modeliert. Würde man sie in dunklem Plastik pressen, wären es Handschuhe.
Venkman hat als einzige Figur Ersatzhände dabei in relaxter (und besser modellierter) Grundhaltung, die man am besten sofort anstecken sollte, da sie der Figur ungemein mehr Authentizität verleihen.
– Armschützer
Nach dem Auspacken sollte man den Figuren als allererstes die Ellenbogenschützer entfernen. Sie sind viel zu dick und flauschig. Vor allen Dingen wären diese Schützer so leicht subtiler lösbar gewesen.
– keine Ständer
Ich habe die Verpackung bis ins Kleinste zerlegt – es ist keine Art Ständer oder Display enthalten um die Figuren aufzustellen. Und ohne Halterung kippen sie ganz einfach um. Großartig. Vielleicht mag das aber auch eine Art Action-Feature zum Videogame sein wenn man seine Energie verbraucht hat… Fairerweise sei dazu gesagt, dass es mir aber durchaus bei der Venkman-Figur mit ihren offenen Ersatzhänden und der Gun am Pack gelingt sie auszuballancieren.
– Hand vs. Gun
Unmöglich ist es übrigens den Griff der Gun in die linke Hand der Figur zu bekommen. Damit ist die Urpose mit gezogenem Protonstrahler kaum machbar.
– Lob: Equipment!
Fairerweise auch hier wieder Lob: Die Ausrüstungen der Figuren sind toll! Die Gurte wirken zwar etwas billig (wie Geschenkband), aber die vielen Details, der Used-Look und die Qualität sind hier wirklich ENORM und bis hin zu den Aufklebern und dem Lichteffekt des Packs mit sehr viel Verstand und Liebe produziert. Ein Lichtblick! Dies gilt auch für das kleinere Zubehör wie die PKE-Geräte oder die Geisterfallen. Auch sehr süß ist der Bonus, der Winston beiliegen wird (Blaupausen, etc.).
Minimale Mankos gibt es aber am Protonenpaket: Der Griff der Gun ist unverständlicherweise aus weicherem/ biegsamerem Plastik hergestellt als der Rest… Das Kabel von der Gun zum Pack ist zu lang… Und vielleicht wäre zum angesprochenen Lichteffekt auch das passende Aufhitz-Geräusch aus den Filmen möglich gewesen.
Ich habe schon überlegt, das Equipment OHNE die Figuren auszustellen, und die vier Protonenstrahler in einer Reihe aufzuhängen, wie sie vielleicht im Hauptquartier zwischen den Einsätzen aufbewahrt werden.

– Fazit: Auch hier lassen alle Negativ-Punkte zusammengenommen die Figuren unbegründet wie eine Art Retro-Toy wirken, dass unberechtigterweise vergangenen GI-Joe-Zeiten nachjagt.
Wie gute Sammlerfiguren (bzw. Groß-Figuren) ausgesehen hätten, zeigen einmal mehr die professionellen Firmen, mit Lizenzen wie Terminator.

REAL GHOSTBUSTERS (wichtiges Kernstück dieses Verisses!)

Was zum!? Sie erwerben die Rechte an der besten Trickserie der Welt und machen DIESE Figuren? Sie nehmen Vorlagen aus allerersten Produktions-Zeichnungen zur Serie (siehe Egons PKE-Gerät), und formen damit Figuren auf der Anmutungs-Basis einer 70er Jahre Toyline (weiß den Namen grade nicht mehr), mit rudimentärsten Details und Proportionen. Die Stoffbekleidung war schon bei den 12“Figuren fragwürdig, hier ist sie eine klumpige, detaillose Farce. Die Strahler sind furchbar!
Weder ist RGB eine Fernsehserie der 70er, noch hat RGB etwas mit der hier kopierten Toyline zu tun, noch macht es Sinn aktuelle Figuren auf Retro zu trimmen, noch sehen diese Figuren in irgendeiner Weise gut aus!
Die Verpackung macht auch auf Retro. Sie erinnert mich an die alten StarWars Figuren. Die Figur baumelt lose in ihrer Plastik-Blase. Dazu wird RGB-Archiv-Bildmaterial verwendet, das bereits unzählige Male auf Merchandise zu sehen war. Das Rückseitenmotiv ist Promotionmaterial zur dritten, visuell veränderten Staffel, was wiederum keinen Sinn macht, wenn sich die Figuren an allererstem Produktionsmaterial orientieren.
Die Körperformen werden auch hier abermals recycelt und geklont. Die Taillen sind dürrst. Verdammt-nochmal, Ray ist fett, Egon ist groß und schlank, und Winston sollte etwas muskulöser als Peter sein. Das hatte selbst Kenner in den 80ern hinbekommen!
Matty nennt das ganze Retro-Action, ich nenne es einen furchtbaren Alptraum, schrecklich anzuschauen und ohne jeden Sinn!

Abschluss…

Ich komme zum Ende. Cool, wenn ihr bis hierhin durchgehalten hat. Ich schreibe mir hier wahrlich seit Tagen meinen Groll von der Seele. Eigentlich irre so viel über Plastik zu schreiben… Aber es ist so schade. Über allem um die Lizenz an sich. Man fragt sich wie es ausgesehen hätte wenn sich ein anderer Hersteller der Marke und den Figuren angenommen hätte. Neca. McFarlane. Oder jemand ganz anderes. Alles wäre besser gewesen. Der lange Traum von Ghostbusters Actionfiguren und Sammlerstatuen ist geplatzt. Und so schnell wird sich wohl auch kein anderes Unternehmen derer annehmen.
Und dann das Ding mit Murray, der die Rechte an seinem Aussehen für Figuren stets zurückgehalten hat. Vielleicht hätte uns Neca damals die Geisterjäger als Figuren präsentiert wenn Murray einst sein Okay gegeben hätte. Endlich ist Bill bereit für Mini-Murrays im Hosentaschenformat, und dann diese Lieblosigkeit…
Ich verstehe über allem aber auch nicht die Fans die auf Knopfdruck Mattys reagieren und die Produkte unreflektiert kaufen. Die Begeisterung in Ami-Foren schockiert. Wer Spaß an den Figuren hat, dem möchte ich aber wahrlich nichts vermiesen. Vielleicht aber zum Überlegen anstuppsen. Kindliche Begeisterungsfähigkeit in aller Ehren, aber einer der Vorteile des Erwachsenseins ist doch auch der, differenzierter über Begeisterndes abzuwägen und Mankos zu erkennen.
Ich selbst habe nach dem Erscheinen der vier Jungs in 6“ und 12“ den Matty-Schlussstrich gezogen.
Um nicht wieder als Mecker-Heini der GB-Nation dar zustehen und um meine Figuren-Rezension mit etwas Aufbauendem zu enden, hier noch der Beweis, dass ich gar nicht kritisieren möchte und dass ich nur zu gerne bereit bin überschwänglich zu loben wenn es das Produkt verdient. Zum einen sind da GB-Filme und RGB an sich, die weiterhin meine bedingungslose Begeisterung genießen – und zum anderen greife ich mir hier noch ein aktuelles Stück Merchandise heraus, das (im Gegensatz zum Mattykram) im Internet und unter der Aufmerksamkeit der Fans bis jetzt etwas zu kurz gekommen ist: Die StayPuft-Spardose von Diamond! Seit Wochen steht sie auf meinem Schreibtisch und ich mag sie jeden Tag mehr (Ich schlafe aber nicht mit ihr Smile). Tolle Likeness, tolle Bemalung, tolle Verarbeitung, tolle Wertigkeit, toller Preis – viel besser hätte Sideshow-Weta keine Statue des Marshmallowmannes hinbekommen. Ich freue mich, empfehle dieses Produkt und bedanke mich für’s lesen!

Heute gibt es mit einer weiteren Toyline, diesmal von Diamond Select, wieder neue, leicht bessere Figuren. Für die anspruchsvollen Fans und Puristen, die damals enttäuscht zur Matty-Figur gegriffen haben, werden mittlerweile beeindruckende Statuen (von Hollywood Collectibles Group) und unglaublich realistische Großfiguren (von Blitzway) angeboten. Die Ironie ist, dass sie – im Gegensatz zur Matty-Line – aufgrund der stark zusammengeschrumpften Community kaum bemerkt und schon gar nicht diskutiert werden.

 

Text von René, kommentiert von Timo

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