Neuer Lesestoff

Nachdem die Neuauflage im Kino von vor anderthalb Jahren hinter den (zumindest kommerziellen) Erwartungen blieb, herrscht bei Ghost Corps, der „Ghostbusters“-Produktionsabteilung, ein wenig betretenes Schweigen. Vor dem Film war von einem ganzen neuen Movieverse die Rede, aber dann verpufften diese Ambitionen, wodurch die Columbia-Unterabteilung sich nun mehr oder weniger darauf konzentriert, Fan-Patches an die Wand zu hängen. Ab und an dringen Neuigkeiten veines angeblich seit 2015 in Produktion befindlichen CGI-Filmes nach außen, der wieder im alten Kanon spielen und aus der Sicht eines Geistes gedreht werden soll. Doch irgendwie fragt man sich dann doch, wann „weiter oben“ einer die Kostenbremse zieht und „Ghost Corps“ wieder schließt.

Unbeeindruckt von dieser Leere nach dem Sturm und der Ratlosigkeit, wie man im großen Stil von der von Paul Feig entworfenen Parallelwelt umgehen soll, hat der auf Lizenzen spezialisierte IDW-Verlag längst Antworten gefunden, dort sind die Vintage Geisterjäger längst auf die durchaus genialen Nachfolgerinnen getroffen (via Dimensionsportal). Nun dürfen sie ihr erstes, eigenes Abenteuer erleben. Das ist okay gemacht – Es gibt ein neues Kreativteam für die Girlbande. Leider leistet die neue Autorin nur Dienst nach Vorschrift. Nach der Hälfte des Vierteilers sind keine besonderen Momente zu verzeichnen (ausgenommen Holtzmann in einem „Sie leben!“-Albtraumszenario). Hier zeigt sich, woran die reguläre Serie trotz Ups und Downs mit Erik Burnham ist. Anders bei den Zeichnungen: Corin Howell illustriert alles stilistisch auf den Punkt und fängt den Grip des Reboots, vor allem die Figuren, ein.

Der Comic ist ein passabler Spaß mit ordentlich Luft nach oben. Neue Reboot-basierte Geschichten müssen aber reinhauen, knallen, sonst wird dieses ambitionierte Kapitel langsam sang- und klanglos versickern. Das ist schade, denn niemand möchte sagen, dass das 1980er Jahre-„Ghostbusters“ seine Zeit hatte – Das wäre ein Satz, der beim Aussprechen weh tut. Aber die Vorstellung, dass da etwas neues, frisches, Tolles auf den Weg gebracht wurde, das dem Publikum voraus war – und das dann zugunsten von falsch verstandener Sentimentalität abgelehnt wurde, ist schade. Mit denselben Reaktionen hat gerade „Star Wars“ zu kämpfen, doch der noch mutigere Ansatz unserer Ghostbusters hat ihnen fast das Genick gebrochen, zumal das Franchise deutlich kleiner ist als jenes aus einer weit, weit entfernten Galaxie.

Pflichtlektüre für alle von uns ist derweil das neue „Ectomobile: Owner’s Workshop Manual“, an dem u.a. der prominente Fan Troy Benjamin gearbeitet hat, den viele von uns wohl aus dem“Interdimensional Crossrip“-Podcast kennen. Dies schöne, gebundene Buch ist Nerdkultur pur, so beschreibt es in-Universe alle Komponenten der drei Film-Ectos (Ecto-1, Ecto-1A, Ecto-1 2016) bis ins Detail. Wo es geht, fließen Insider und tatsächliche Fakten über die jeweiligen Bausteine ein. Als wäre das nicht genug, werden Protonenstrahler, Schleimsprenger, Messgeräte und alle Gadgets drumherum penibel vorgestellt. Die typische Dan Aykroyd-Pseudo-Science kommt dabei genauso zum Einsatz wie dessen fiktiver Charakter Ray, der eine Einleitung schreibt. Das Schlusswort kommt dagegen von Holtzmann.

Insgesamt hätte man sich das Buch ein wenig gewitzter gewünscht. Ab und an gibt es kleine Gags, aber insgesamt fehlt dem Buch ein wenig Harold Ramis, wo es vor Aykroyd überschäumt – ihr wisst, wie das gemeint ist. Dennoch – Für Leute, die ihr Hobby leben, ist das Buch als offizielle Publikation Pflicht- und Lehrstoff. Nicht nur blättern – Lesen!

 

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