Die Filmkritik.

Gbust_Promoplakat_A4 300dpi_ohne CL_RZVon Timo

Ich möchte gleich vorweg anmerken, dass ich mit Sicherheit der verkehrteste Rezensent bin, den man sich für eine völlig unvoreingenommene Kritik aussuchen kann, wenn es um etwas – bisher – so Rares wie einen neuen „Ghostbusters“-Film geht. Ein Kinofilm ist das Bedeutungsvollste, das ein Kinofilm-Franchise hervorbringen kann. Wir reden hier nicht von Merchandising, Comics oder all den anderen Begleiterscheinungen, die kamen und kommen, und die die Marke über Wasser hielten. Selbst das große Videospiel von vor einigen Jahren, das immerhin den kompletten Ur-Cast versammelte, steht noch dahinter. Ich nehme, selbstverständlich auch in Anerkennung der Großartigkeit der alten Filme, vor allem des ersten von 1984, Schwächen bei dieser Neuauflage einerseits sehr wohl wahr. Doch auf der anderen Seite, und dafür ist man Fan und nicht Auftragsarbeiter, versöhnen mich Dinge, die richtig gemacht werden, um so mehr. Letzten Endes geht es darum, Spaß mit der Sache zu haben, für die man sich vor so langer Zeit entschieden hat – und die hier wieder in voller Pracht zurückgekehrt ist – nur ganz anders. Der Gedanke war also da, auch und vor allem, da es sich in erster Linie um ein gänzlich persönlich empfundenes Erlebnis handelt, das man gar nicht unbedingt zur Diskussion stellen, sondern schlicht für sich selbst mitnehmen möchte… Der Gedanke war da, diese Rezension an jemand anderes abzugeben. Aber dann widerum: Ghostbusters Deutschland ist meine Seite, und die Seite war mitunter selbst auch nur Weg hin zu einem neuen Film. Drum – Was soll’s, here we go. Ihr wurdet gewarnt, was folgt ist subjektiv.

Den Film musste ich zum frühstmöglichen Zeitpunkt (nach der Premiere) sehen, weshalb ich mir eine einzige, auserkorene Begleitperson mitnahm, die mit dem ganzen Erbe der GB-Vergangenheit bewandert ist und sich ebenso freute wie ich – auf ging es in das größte Kino der Niederlanden, und dann saßen wir schließlich da, als das neue Columbia Pictures-Logo (yay!), und dann ein noch neueres „Ghost Corps“-Logo (yay!!!) die Leinwand erhellten. Ab jetzt seid gewarnt: Hier und da wird es nämlich SPOILER geben.

„Ghostbusters“ beginnt mit einer Führung durch ein altes Spukhaus, dem „Eldridge Manson“, und einer Spukgeschichte. Es ist ein Auftakt in klassischer Serien-Manier: Dinge spitzen sich zu, ein Geist erscheint. Schock, Schreck, Titellied! Ray Parker Jr.’s Titellied! Sofort ist man in Stimmung.

DF11752_ra_orgDanach verbringt der Film die erste Dreiviertelstunde damit, die Hauptfiguren nach und nach vorzustellen und zusammenzubringen. Und den Zuschauer zu beruhigen: Die Damen haben dieselbe, großartige gemeinsame Chemie wie einst ihre Vorgänger (nur auf ihre Art, es gibt andere gemeinsame Dynamiken), sie harmonieren toll. Erin Gilbert (Kristen Wiig als bemitleidenswertes, aber herzliches Opfer des Schicksals) verliert ihr Ansehen und ihren Uni-Job, als herauskommt, dass sie Autorin eines gewollten, aber schlecht gekonnten Sachbuches über Geister war. Das führt sie wieder mit ihrer Co-Autorin Abigail Yates (Melissa McCarthy) und deren spinnerten Gehilfin Holtzmann (Kate McKinnon als Crossover aus Cartoon-Egon und Doc Brown) zusammen. Gemeinsam mit Patty Tolan (Leslie Jones) gründen sie, mehr durch lauter günstige Schicksalsfügungen als, wie damals, bei Venkman und Co. durch naives Kalkül, die neuen „Ghostbusters“. Dabei werden sie vom Start weg trotz gaaanz langsamen, anfänglichen Erfolgen, von der Stadtverwaltung klein gehalten und diskriminiert und avancieren erst ganz am Ende, nach der finalen Uber-Epic-Schlacht, zu zumindest von der Bevölkerung anerkannten Heldinnen.

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Regisseur Paul Feig spielt die Underdog-Karte fast über die volle Distanz aus, aber da er seine Hauptfiguren so liebt und sie als Donald Duck-Stehauf-Frauchen in Szene setzt, freut man sich um so mehr, wenn etwas gelingt. Nachdem das (zu der Zeit noch) Trio erstmals einen Geist gesehen hat – die Szene nach der berüchtigten Kotz-Attacke – stehen Wiig, McCarthy und McKinnon auf der Straße, bemitleidenswert und versuppt und vom Spuk vorgeführt… und freuen sich dennoch mit einer ansteckenden Begeisterung, als hätten sie in gemeinsamer Anstrengung den Lotto-Jackpot geknackt. Spätestens hier verliebt man sich in sie, und solche Momente kommen noch öfter.

Ab dann geht alles seinen rechten Weg, genauso, wie man es sich von einer Neuerzählung erwartet: Strahlenwaffen werden auf den Weg gebracht, scheitern, funktionieren. Das Auto taucht auf, und zwischendurch tanzt frau durch die berühmte Feuerwache (die sie sich aber erst am Ende leisten können).

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Auch die zweite Filmhälfte folgt grob den Strukturen des alten Films – dann aber visuell eher erinnerd an die Zügellosigkeit pompöser Folgen der „Real Ghostbusters“-Trickfilmserie. Man merkt: Es ist 2016, mehr geht, und zwischendurch taucht Slimer auf und klaut den Mädels das Ecto-1, das er kurz darauf zum Party-Bus für sich und eine Schaar Glibber-Homies (darunter GB2-Slimer-Darstellerin Robin Shelby als nette Schleimette) umfunktioniert. Zu diesem Zeitpunkt ist man aber schon über die bodenständigere erste Hälfte so sehr drin und in Stimmung, dass kurze Gaga-Momente wie dieser hingenommen werden und einen sogar mitreißen. Irgendwie ist das ja dann auch alles nicht mehr oder weniger irre als der Bus fahrende Slimer oder die mit Nintendo-Controller gesteuerte Freiheitsstatue. Ganz wichtig: Es gibt kaum den befürchteten Humor unter der Gürtellinie. Zwei, drei Scherze erlaubt Feig sich (diese sind schon aus den Trailern und TV-Spots bekannt), mehr aber nicht. Ein guter Schnitt bei einer Laufzeit von knapp zwei Stunden.

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Schade ist, dass der Bösewicht ein wenig verschwendet wirkt. Gut, Gozer war damals auch nur McGuffin zum Zweck und Vigo ein 2D-Klischee (im wahrsten Sinne), doch hier haben wir einen Menschen, dazu gespielt von einem guten Schauspieler, und da wäre deutlich mehr gegangen. Rowan arbeitet als Page in einem alten Hotel, ein Menschen verachtender, kleiner Mann. Doch was treibt ihn an? Warum, weshalb, und überhaupt? Mit seiner Veranlagung hätte man Rowan zu einem greifbareren Ivo Shandor machen können. Der hatte ja bekanntlich auch nicht gerade ein hohes Ansehen von der Gesellschaft.

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Auf der tricktechnischen Ebene gibt es nichts zu bemängeln. Wem die bisher gezeigten, knallbunten Geister nicht gefallen, der wird auch weiterhin nicht warm mit ihnen werden. Trotzdem sind sie eher gruselig als goofy, und abseits vom persönlichen Geschmack stimmt handwerklich alles. Wir sahen „Ghostbusters“ in einem 3D-Imax-Kino, der Film sollte die Chance haben, beim Erstkontakt so gut wirken zu dürfen, wie möglich. Und das tat er. Alles ist gestochen scharf, alles sieht State-of-the-Art aus, und einmal flog ein Geist tatsächlich aus der Leinwand, weil sie das Bild etwas kleiner geschnitten hatten. Wenn es dann zum Ende hin fast apokalyptisch wird und New York in CGI-Gewitter und Buntgeistern versackt, mag das für den ein- oder anderen zu viel des Guten werden. Aber auch das ist eigentlich auch nur wieder ganz im „Geiste“ guter Cartoonfolgen. Man fühlt sich an Bombastepisoden wie das Halloween-Special, „Was ist Ragnarok?“ oder „Die Geister der Nacht“ erinnert, schließlich läuft Rowan noch als Godzilla-große Monsterversion des swingenden Vorspann-Geistes durch die Stadt. Sich an die Trickserie zu erinnern und daran, dass sie für viele Fans sogar ursprünglich mehr noch als der zweite Film ein Grund ist, warum wir heute noch Fans sind, ist unbedingt hilfreich.

13339521_1041263052576207_3172233091686217095_nDie Musik unterlegt den Film gut. Der Score von Theodore Shapiro hat für sich nicht mehr so sehr Alleinstellungsmerkmal, schade ist das Wegfallen vieler einzelner Themen. Ein Thema gibt es, doch es ist sehr reduziert und taucht immer wieder mal auf. Auch verarbeitet Shapiro das Titellied orchestral. Für sich ist das etwas dünn, doch im Film wird alles passend unterstrichen, so dass der Score im Nachhinein gewinnt. Die vielen Variationen vom Titelsong, interpretiert von zahlreichen Künstlern, sind passend an den jeweiligen Stellen eingesetzt, und es entsteht kein Eindruck von Uneinheitlichkeit.

Fan-Service sind natürlich die Cameos der alten Garde. Wer aufpasst, wird gleich in den ersten Minuten eine Büste von Ramis sehen. Dann taucht bald Bill Murray auf, doch ausgerechnet der passt, eingepackt wie ein Paul Feig-Lookalike, mit seiner etwas albernen Darstellung nicht so ganz ins Bild des da noch bodenständigeren Films. Ganz am Ende darf Ernie Hudson seine Filmnichte Jones anmaulen, und Sigourney Weaver poppt in den Credits als Holtzmanns Mentorin auf. Die beiden Knaller sind aber Annie Potts an der Hotel-Rezeption („Whattayawant?“ – das geht im Deutschen wohl verloren) und Oberboss Dan Aykroyd, dessen Auftritt als unbeeindruckter Taxifahrer mitten im Super-Chaos wesentlich cooler ausfiel, als vorab berichtet wurde. Bleibt außerdem bis zum Ende sitzen!

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Fazit: Wer die alten Filme heute hauptsächlich wegen ihres vergleichsweise rustikalen Charmes liebt; eben deshalb, weil sie für eine Zeit stehen, in denen Filme anders gemacht wurden, oder wer dieses kindliche Quentchen Neugier auf Frisches verloren hat – der ist ganz falsch im Kino. Dieser ganze Shitstorm hatte ja oft weniger mit Frauenhass oder schlechten Trailern zu tun als vielmehr mit dem Bedauern der Nörgler darüber, dass sie selbst nicht mehr diejenigen sind, die sie mal waren, während der fertige Film jetzt vielleicht nicht das ursprüngliche GB-Universum, aber zumindest all dessen Mechanismen mit einer geradezu unbändigen Freude im Rahmen neuer Möglichkeiten feiert. Das ist die eigentliche Ironie.
Wer Peter Venkman sehen will, wird enttäuscht. Die Klassiker waren aber noch so viel mehr als ihre Charaktere – und sie darauf zu reduzieren, würde bedeuten, den Alten Unrecht zu tun, nicht diesem Reboot. Uns muss klar sein, dass es nie wieder Filme geben wird, die uns ähnlich berühren, wie die, die wir als Kinder gesehen haben. Was sollte also der Anspruch bleiben an einen aktuellen „Ghostbusters“? Wir haben im Kino gesessen und die ganze Zeit gelacht. Mehr kann man nicht verlangen. Und wer eine exakte Wiederholung von 1984 will, dem bleibt ja immer noch „Ghostbusters II“. Der von 1989 – Nicht der, der hoffentlich bald auch noch kommt.

 

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Ein Gedanke zu “Die Filmkritik.

  1. Hab den film auch schon sehen dürfen, und find ihn soweit gut. Es macht spaß zu sehen wieviel fan-service der film hat. Alles in allem ne solide nummer.
    Ich versteh bloß nicht wieso die Geister in dem film so „menschlich“ sind?
    Ein geist wird von nem zug erfasst… was ich aber echt albern und fast schon unnötig fand war im trailer der „proton-boxhandschuh“… aber der wurde ja nochmal von dem diesen „Geister-Scheider“ den Jones bekommt übertroffen. Nach dem abspann ist meine hoffnung das wir in teil 2 „echt geister“ sehen, und die falle etwas öfter zum einsatz kommt, und somit weniger geister zerboxt o. Zerschnitten werden.

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