Die Trailer-Dramödie

42Was für ein Debakel. Der erste „Ghostbusters“-Trailer seit 27 Jahren, und dann das. Zunächst waren es nur ein paar „YouTube“-Dislikes, dann jedoch nahm die Zahl der „Runter-Daumen“ rasant zu. Zuletzt hieß es, dieses Stückchen Reklame sei der unbeliebteste Trailer in der YouTube-Geschichte, und eines der unbeliebtesten Videos auf der Streaming-Plattform überhaupt.

Witzig war, dass der Trailer das repräsentierte, das Filmfans in den letzten Jahren verstärkt gefordert hatten: Die kleinen Werbefilmchen komprimierten zunehmend die gesamte Filmhandlung in ihre zweieinhalb Minuten. Effektfilme zeigten ihre größten Rummsse, Komödien ihre besten Witze. Charlton Hestons Entdeckung am Ende des originalen „Planet der Affen“ wäre heute undenkbar, da sie im Trailer vorweggenommen worden wäre wie neulich erst der Plot-Twist des letzten „Terminator“-Stückes.

Der erste „Ghostbusters“ von 1984 zeigt, bis (leider) auf die Explosion gegen Ende auch kaum etwas vom Film: Man sieht, um was es gehen wird, und dass Murray, Aykroyd und Sigourney Weaver dabei sind. Das ist noch nicht mal besonders lustig zusammengefasst, eher, neudeutsch: WTF, was mag das nur sein? Eine Komödie, ein Spektakelfilm, irgendwas mit Geistern? Whatever, das Vertrauen kam nicht durch das Gezeigte, das hier wirklich noch an-teaserte ohne zu verraten, sondern durch Bill Murray und seine Kameraden. Oder durch Ivan Reitman, den Regisseur.

35Murray, Ramis und Co. waren damals auf der Spitze ihrer Karrieren, im ganzen Land bekannt, jedem irgendwie schon aufgefallen. Ivan Reitman hatte einige aus heutiger Sicht angestaubte, aber wunderbar unbeschwerte, erfolgreiche Lustspiele gedreht. „Ich glaub, mich knutscht ein Elch“, oder „Babyspeck und Fleischklößchen“. Machen diese Leute einen Film, kann der nicht scheitern. War klar.

Wie diese Gruppe vorzeigbar war, so kann auch Ghostbusters 2016 einiges vorweisen: McCarthy hat einen Film nach dem anderen über ihren Namen transportiert, die drei anderen Damen sorgen (oder sorgten) für dicke Quote bei Saturday Night Live. Feigs Filme waren ausnahmslos alle erfolgreich. Regie-Kollege Kevin Smith („Dogma“) stellte ganz richtig fest: „Ich weiß nicht, ob es ein großartiger Film oder nur ganz gut werden wird. Aber dieses kreative Team kann zumindest keine Bruchlandung hinlegen, völlig unmöglich.“

So ging Trailer 1 mit einem Selbstbewusstsein an den Start, dessen Selbstverständlichkeit geradezu naiv war: Wir verraten eben nicht, wie üblich, zu viel. Wir teasern Euch an, aber wir gehen nicht in die Vollen. Seht her, das sind unsere Stars in bewegt. Das ist das Auto. Wir haben Slimer und zitieren nochmal den Exorzisten. Der Trailer war für Fans hochgezogen, die aufschrien: „DA! ECTO-1 IN BEWEGUNG!“, nur gingen die unter. Ob dieser erste Trailer nun besser hätte geschnitten sein können, ist diskutabel. Sicher ist dagegen, dass es ein Trailer war, wie er zuletzt und immer lauter vom Geek-Kollektiv gefordert wurde. Nämlich einer, der sich zurückhält.

11Sony hatte nicht mit einer dermaßen großen Sexismus-Welle gerechnet… Da haben wir wieder das böse S-Wort, und dabei hatten sich doch alle geeinigt, dass es hier gar nicht um Frauen geht. Statt dessen ist das Reboot an sich das Problem, oder McCarthys Humor, oder Feigs Humor (dessen Methode, Charaktere zu zeichnen nicht so weit entfernt ist vom Urfilm, wenn auch natürlich mit eigenständiger Note), oder die Effekte. Alles andere als Frauen sind die neuen Frauen. Sicher war und ist das für einige Einzelne auch der wahre Grund zur Empörung, aber Hand auf’s Herz: Reboots gab es immer, Empörung darüber gab es immer. Erinnert Ihr Euch an die Entrüstung, als bekannt wurde, dass Bay die Turtles zu Aliens machen will? Oder – schon fast allgemein vergessen -, als Nightmare on Elm Street neu verföhnt wurde und man Robert Englund rausnahm? Dann natürlich thronen die Star Wars-Prequels als irgendwo zwischen Dilettantismus und Leberwurst stinkendes Beispiel über allem, so als Nerd-Internationalmahnmal gegen späte Verhunzung liebgewonnener Franchises. Aber nichts davon, weder die Turtles, noch Roland Emmerichs Godzilla, nicht mal eben Star Wars konnte es in Punkto eingesteckte Prügel mit Ghostbusters 2016 aufnehmen. Nichts davon hätte das Potenzial zum unbeliebtesten Trailer in der YouTube-Geschichte gehabt. Ghostbusters ist ein popkultureller Schatz, aber Ihr könnt niemandem erzählen, dass mehr Leute es in ihren Herzen tragen als Star Wars, dessen Entgleisungen im letzten Jahrzehnt man aber eher betrübt hingenommen hat, als es so derart auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen.

Ebenso schwer vorstellbar, dass der Trailer dasselbe Maß an Bashing über sich hätte ergehen lassen müssen, wären Channing Tatum, Chris Pratt und Jonah Hill darin zu sehen gewesen, mit denselben Witzen, denselben Effekten. Sicher, es hätte genauso ein „määäh“ gegeben, aber mehr auch nicht. Doch egal, wieso, weshalb warum – Das hatte sich alles verselbstständigt. Zig Millionen Dislikes konnten schlecht aus unserer Community kommen, welche auch international noch in eine Aula passen würde. Es brauchte Normalos, irgendwann wurde der Negativ-Klick zum Volkssport, der neueste Internet-Trend: GB-Trailer disliken… Die Welle des Bösen kommt nicht aus der Fanwelt selbst, die sich zunehmend mit Feig solidarisiert, sondern aus der großen, gesichtslosen Masse ganz genereller Allesgucker-Geeks. Leute, die sich niemals so sehr mit dem beschäftigt haben, was die Originalfilme groß gemacht hat, bewerten nun die stilistische Treffsicherheit des Reboots. Das ist ganz wichtig, das muss man sich vor Augen halten, dann beginnt es, sich selbst zu kommentieren.

4Was wohl in den oberen Etagen bei Sony abgeht? Zum einen ist auch diese Werbung genau das, nämlich Werbung. Zum anderen lässt sich das Interesse am Film nicht leugnen: Die Klicks auf das Video waren derart hoch, dass im Verhältnis die Negativrekorde schon gar keine mehr sind. Konsequenzen gab es aber: In exklusiven Deals bekamen nur Facebook und Twitter die vorläufigen „Senderechte“ des aktuellen, neuesten Trailers, YouTube wurde bewusst ausgeschlossen und kommt erst später zum Zug. Dem Trailer selbst ist anzumerken, dass man nun klotzen will, indem man das Prinzip des An-teaserns über den Haufen warf und statt dessen, den Sehgewohnheiten des Publikums entsprechend, wieder alles mit reinpackte: Action, Witze, Endgegner, keine Ruhepause. Es ist dieser neue Trailer, einer von der Sorte, die bis vor GB2016 keiner mehr sehen wollte, der jetzt allen viel besser gefällt. Weil er einen Film verspricht, von dem, mit dieser kreativen Gruppierung von vornherein klar war, dass er dabei herauskommt.

Was steht Ihr zu dem Thema, wie gefielen Euch die bisherigen Trailer und wie sollten Eurer Meinung nach Trailer zu kommenden Filmen aussehen? Schreibt uns einen Kommentar.

Merle, Daniel und Timo

P.S.: Wem ist außerdem aufgefallen, dass Rowan wie Dan Aykroyd aussieht?

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