Das Geisterraumschiff

(RGB Episode 24, Staffel 2 – „Ain’t NASA-Sarily So“, Autor: Craig Miller & Mark Nelson)

FolgeImFokus15A

Von Rain

Geisteralarm im Weltraum! Die Besatzungsmitglieder des experimentellen Raumschiffs Galileo schwören darauf ein Gespenst an Bord gesehen zu haben. Als es dann auf dem Deck zu fatalen Strom-Ausfällen kommt, bleibt Captain Kirov nichts anderes übrig als Unterstützung von der Erde anzufordern: Die Geisterjäger. An Bord des Raumschiffes führt Offizier McTavish die Jungs in die Maschinen-Halle, in der sie auch schon auf das außerweltliche Ungetüm treffen: Ein orange-farbener Tentakel-Parasit, der die Energie des Raumschiffes absaugt. Ein Angriff mit den Protonenstrahlern bleibt erfolglos, denn diese schlürft das Geschöpf einfach weg. In den Tiefen des Alls und den einsamen Gängen des Geisterraumschiffs müssen sich Peter, Egon, Ray und Winston einen Plan überlegen um das außerirdische Gespenst einzufangen.

Zu damaligen Trickfilm-Zeiten war es obligatorisch, dass die Helden in zumindest einer Folge (wenn nicht am besten gleich in der ganzen Serie) in den Weltraum geschickt werden um die phantastische Kulisse des Alls mit all ihren Möglichkeiten auszuschöpfen. So kommen natürlich auch die Geisterjäger nicht um die Aufgabe herum, das Angebot ihrer paranormalen Schädlingsbeseitigung von der Erde auf die Weiten des Raums auszubreiten. Was schnell zu unrealistisch oder zu „abgehoben“ hätte werden können (was sollen die Geisterjäger überhaupt ohne Training im All?), wird hier Straczynski-sei-Dank sogar ganz glaubhaft, und auf das Wesentliche reduziert, erzählt. Große Science-Fiction, die sich in den Vordergrund drängt und zum Selbstzweck wird, gibt es nämlich nicht. Keine Aliens, Zeitreisen oder Raumschiff-Invasionen. Das Abenteuer hätte eigentlich auch in einer Industrie-Anlage auf der Erde stattfinden können. Und das ist gut so, denn so bleibt der Fokus auf dem eigentlich ziemlich klassischen Geisterproblem und den gelungenen Dialogen mit dem Bordpersonal.

Der Anfang der Folge bis zur Vorstellung der Jungs an Deck überzeugt da schon mal. Die fünfköpfige Crew des Schiffs (Captain Kirov, sowie die untergeordneten McTavish, Sato, Irahqua und Whitney) erinnern optisch und/oder namentlich natürlich sofort an die Besatzungsmitglieder aus Star Trek. Der russische Kirov gibt dabei wie Captain Kirk von seinem erhöhten Kommandoplatz die Anweisungen. Teils in hartem Ton (und mit russischem Akzent), was natürlich später in Verbindung mit Peter zu einigen witzigen Reibereien führen wird… Der Geist der Folge wird uns am Anfang noch gar nicht gezeigt. Die einzelnen Crewmitglieder berichten dem Captain lediglich von ihren Begegnungen mit ihm in den Gängen. So bleibt die Sache spannend und wir dürfen die große Monster-Enthüllung später gemeinsam mit unseren erstaunten Freunden erleben. Diese werden zunächst per Space-Shuttle eingeflogen. – Eine Anreise-Sequenz, deren filmische Bild-Abfolgen sehr schönen gelungen sind: Ohne große Worte sehen wir Ecto aus der Zentrale preschen, dann ein Panorama der startenden großen Rakete in Cape Canaveral bei schillerndem Meerwasser, gefolgt von einer Einstellung wie das Shuttle lautlos durch das All treibt und später an die Galileo andockt. Dazwischen sehen wir die vier Geisterjäger im Transportraum sitzen. Alle haben kleine Bedenken, das große All-Abenteuer anzugehen. Nur Peter ist gelassen und freut sich: Dieser große Regierungsauftrag wird endlich Geld in die Kasse bringen! Ray fragt sich besorgt ob ihre Ausrüstung denn überhaupt in der Schwerelosigkeit funktionieren wird… Peter: „Wenn die Strahler nicht funktionieren, verlangen wir mehr und versuchen es nochmal. Wann servieren die denn das Essen auf diesem Flug?“
An Bord der Galileo stellt sich Captain Kirov vor und übergibt die Obhut der Geisterjäger an den freundlichen Offizier McTavish. Dieser bringt die Jungs auch schon zum Aufenthaltsort des Ungetüms – das die Strahler der Jungs einfach als Power-Nahrung aufnimmt und wächst! Kirov ist sauer. Immer wenn er flucht legt die deutsche Synchro ihm Namen von russischen Komponisten und Autoren, usw. in den Mund (Dostojewski, Rachmaninov, Pravda…). Peter stellt dagegen cool klar, dass das hier ein Regierungsauftrag ist, bei dem ja nicht alles sofort klappen muss.
Wie bereits angedeutet, spielen die Crewmitglieder alle auf unterschiedliche Arten auf das Star Trek Universum an. Lieutenant Irahqua ist zB. eine Anspielung auf Lieutenant Uhura (in ihrer Stimme hat sich darüber hinaus auch Dialogbuch-Autorin Rebecca Völz verewigt). Nur von einer Alias-Version von Mr. Spock fehlt an Board jede Spur… Hier setzt die Folge den Anspielungen allerdings ein Krönchen auf. Denn als die große Verabschiedung der Crew von den Geisterjägern stattfindet, bestätigt Irahqua McTavish, dass auch sie Egon an einen gewissen spitzohrigen Raumfahrts-Offizier erinnert. Da haben wir unseren Spock und der Zirkel ist geschlossen. Denn es ist kein Geheimnis, dass für die Inspiration der Figur des Egon Spengler natürlich auch deutlich Mr. Spock, bzw. die Interpretation von Leonard Nimoy, Pate stand.
Kirov behält allerdings das letzte Wort: Irahqua soll nicht vergessen die Reisekosten der Geisterjäger von der Auftragsrechnung abzuziehen. Wir freuen uns auf Peters Gesicht.

FolgeImFokus15B

Nach dem gelungenen Auftakt und den einzelnen schönen Momenten mit den Figuren geht dem „Geisterraumschiff“ dann leider immer wieder die Puste aus. Denn die Geschichte entpuppt sich im Verlauf leider ebenso schlicht wie teilweise rätselhaft. Die Geisterjäger werden gerufen. Die Geisterjäger scheitern. Die Geisterjäger versuchen es nochmal und es klappt. Das wäre ja gar nicht mal so schlimm und würde perfekt auf Peters Abhandlung über Regierungsaufträge passen, aber so ganz einleuchten will zudem der finale Masterplan der Jungs nicht: An Bord wird der Strom abgestellt und Ray lockt das Monster mit seinem Strahler (Futter) aus dem Maschinenraum durch die Gänge des Raumschiffs in eine Halle, worauf es die Jungs unter Beschuss nehmen und es in den Geisterfallen verschwindet. Warum die Strahler den Geist plötzlich festhalten können, wird nicht so recht deutlich. Ebenso warum sich Ray extra in Gefahr begibt um das Monster her zu locken, denn es hätte doch auch in der ersten Halle oder spätestens in den Gängen gebannt werden können. Vermutlich nimmt das Monster zwar die Strahler-Energie auf, wird aber trotzdem durch die geballte Ladung von allen Seiten festgehalten…

Hinzu kommt dann noch die Animation der Folge, die sich leider nur im unteren Mittelfeld des Möglichen befindet. Bewegungen (und somit eigentlich die ganze Folge) bleiben recht statisch und die Gesichter der Figuren wirken ziemlich ausdruckslos und manchmal stark deformiert. Das Design der Hintergründe und Kulissen im Raumschiff gewinnt leider ebenso keinen Preis und bleibt sehr schmucklos. Da die Folge zu 99% im Weltraum spielt, das unheimliche, heimgesuchte Raumschiff quasi die Hauptfigur der Geschichte ist, hätte ein tolles Design-Konzept bzw. mehr Details in den Sets, den langen Gängen, Hallen und Fassaden sehr gut getan. So sehen die Technik-Anlagen des Schiffs leider genau wie in vielen anderen damaligen Weltraum-Zeichentrickserien der frühen 80er aus, die in den östlichen Ländern produziert wurden; es besteht alles nur aus blauen, allenfalls blinkenden Quadrat-Strukturen. Ein besonderer Stil fehlt.
So uninspiriert wie das Raumschiff aussieht, so toll gelungen ist allerdings das orangene Monster. Das wirkt wie eine Mischung aus Lovecraft, Das Ding und alter klebriger Kaugummis (O-Ton Peter). Mit seinen vielen Augen und Fang-Armen hat es sich einen Platz unter den „schönsten“ Monstern der Serie verdient. Die basslastige Performance von Kultsprecher Helmut Krauss gibt dem Geist sogar einen Hauch Persönlichkeit.

FolgeImFokus15C

Im späteren Verlauf der Serie werden die Geisterjäger übrigens nochmal in den Weltraum geschickt. Und zwar in der Folge mit dem bezeichnenden Titel „Geisterjagd im Weltraum“ aus der 6. Staffel. Nach Star Trek geht es hier eher in Richtung Alien… Leider wird die Serie in ihren letzten Folgen nur noch künstlich und mit günstigsten Mitteln am Leben gehalten um noch ein paar Spielzeuge zu verkaufen. „Geisterjagd im Weltraum“ fehlt daher jede Qualität der ersten Staffeln. Wenigstens erscheint auf diese Weise Optik und Story von „Das Geisterraumschiff“ rückblickend wie großes Kino. Das ist ja auch was.

Ein witziges Phänomen zur Folge findet sich übrigens ein Stückchen außerhalb der „Real Ghostbusters“… Und zwar in der Hörspielserie ihrer geisterjagenden Kollegen, den „Filmation’s Ghostbusters“. Label Europa brachte 10 Kassetten zur Zeichentrickserie um Eddie, Jake und Tracey (der Gorilla!) heraus, die, im Gegensatz zu den 30 Hörspielen der Real Ghostbusters bei Label Karussell, zumindest den Vorteil haben, eigene und neue Geschichten der Helden zu erzählen, anstatt die deutsche Synchronspur der TV-Folgen zu adaptieren. Naja, als so individuell stellten sich diese dann doch nicht heraus… Eine Überraschung gibt es nämlich in Folge 3 „Poltergeister“. Denn die Geschichte auf Seite A basiert ziemlich exakt auf dem „Geisterraumschiff“, dem Abenteuer der RGB. Die Filmation-Jungs müssen im All an Board der Entenei gegen einen Energie-aufschlabbernden Geist antreten, und haben dabei mit den gleichen Problemen wie die RGB zu kämpfen. Sogar die StarTrek-Anspielungen innerhalb der Crew wurden übernommen, auch wenn diese namentlich mit Spook, Skippy und Kork etwas anders ausfallen. Captain Kork ist zumindest genau so launisch wie Captain Kirov und ein Dialog aus RGB mit seinem Kollegen hat es sogar in identischer Form ins FGB-Hörspiel geschafft: „Stellen Sie doch endlich diese verdammte Sirene ab.“ „Wen werden Sie anrufen?“ – Nur dass letzter Satz (als Übersetzung von „Who you gonna call?“) natürlich ironischerweise genau für die „richtigen“ Geisterjäger steht. – Eine kleine Verbeugung vor RGB mit venkmanschem Augenzwinkern – oder dreistes Plagiat aus Mangel an neuen Ideen? Im Zweifel natürlich FÜR den Angeklagten! Zumindest fällt das Ende des FGB-Abenteuers dann auch etwas anders aus, denn das Finale findet hier im All statt und sie jagen das Vieh mit einem Kurzschluss von Notstrom-Aggregaten in die Luft… Achja, und noch eine kleine Anspielung auf die RGB gibt es im Hörspiel… Denn die Figur des Skippy wird ausgerechnet von Ray-Sprecher Oliver Rohrbeck gesprochen. Ob dies bewusst geschah oder nur zufällig, da Rohrbeck sowieso zum beliebten Sprecher-Cast der Europa-Hörspiele gehörte – man weiß es auch in diesem Fall nicht.

PKE-Punktewertung: 6/10

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