Die anstrengende Geisterbeschwörung

(RGB Episode 41, Staffel 2 – „The Collect Call Of Cathulhu“, Autor: Michael Reaves)

Von Rain

FolgeImFokus13A

Das berühmte Buch der Nekromantie wird in der NewYorker Bibliothek ausgestellt. Noch in der ersten Nacht wird es von einem unheimlichen Dieb gestohlen. Die Geisterjäger sind ernsthaft besorgt: Die Beschwörungsformeln in diesem Buch könnten uralte, schlummernde Monster wecken, inklusive des großen Cthulhu höchst selbst! Die Jungs folgen den Spuren in die Kanalisation und finden Bestätigung als sie von einer Horde aufgebrachter Tintenfisch-Figuren angegriffen werden. Peter und Egon fliegen nach Arkham, um Okkult-Professorin Alice Derleth zu kontaktieren, die sich angesichts der aktuellen, heiklen Sternenkonstellation sofort den Freunden anschließt. In einem dunklen Laden für Hexer-Utensilien stoßen die Jungs mit Alice dann auf die Anhänger des Cthulhu-Kultes; eine Gruppe verhüllter Männer, denen die Flucht gelingt indem sie einen Untertan Cthulhus herauf beschwören, der kurzerhand durch die Wand bricht und nur durch Alice und eine anstrengende Geisterbeschwörung aufgehalten werden kann. Die Suche nach Lösung geht weiter in alten Groschenheften und den Grusel-Geschichten von H.P. Lovecraft, von denen Ray sich eine Antwort erhofft, um den großen Cthulhu zu stoppen, wenn er aus dem Wasser steigt – und zwar unmittelbar an diesem Abend an der Küste von Coney Island! Die Strahler der Jungs sind gegen ihn machtlos und auch Alices Beschwörungsformeln sind zu schwach um den wütenden Tentakel-Koloss aufzuhalten. Ihre Hoffnung liegt nun auf einem Hinweis in den Geschichten Lovecrafts… Und auch der Kult um Cthulhu hält noch eine kleine Überraschung parat.

FolgeImFokus13B

Lovecraft! Cthulhu! Und haufenweise Anspielungen auf die berühmte Horror-Mythologie des amerikanischen Kult-Schriftstellers! Anschnallen für „die unheimliche Geisterbeschwörung“, die RGB-Folge, die vor Lovecraft nur so trieft, wie ein schleimiger Shoggoth unter den Bergen des Wahnsinns! Einzigartig bei RGB ist es, dass so direkt und ausgiebig auf das Schaffen eines realen Autors Bezug genommen wie hier. Die ganze Folge ist im Grunde ein Crossover zwischen GB und Lovecraft, dessen monströse Welten und okkulte Gesetze ins New York der 80er transportiert werden, angefangen beim Necronomicon-Buch, bis hin zum finalen Kampf der Geisterjäger mit Über-Dämon Cthulhu persönlich. Der ist übrigens erst lange nach dem Leben von Lovecraft und der Ausstrahlung der RGB-Folge zum allseits bekannten Mainstream-Star geworden und derweil aus keiner Hitliste von klassischen Horror-Figuren mehr fort zu denken. Seine popkulturelle Beliebtheit reicht von Auftritten in „South Park“ Folgen (RGB hat’s vorgemacht) bis hin zu eigenen Produkten, wie niedliche Plüsch-Cthulhus zum Schmusen. Nicht verwunderlich, dass die RGB-Folge mit den Jahren zu einem großen Favoriten unter den Fans geworden ist. Aber wird die Episode ihrem Kultstatus gerecht? Und können die Geisterjäger die großen, lovecraftschen Dämonen bannen, die heraufbeschwört wurden?

Wer noch kein Kenner der Literatur von H.P. Lovecraft ist, dem sei an dieser Stelle Timos voran gegangener Text über den Autor, sein wegweisendes Schaffen sowie die vielen Parallelen zur Monster-Mythologie des ersten Ghostbusters-Films empfohlen. GB war immer auch stark in Lovecraft verwurzelt. Von daher stellt die zwei Jahre später entstandene RGB-Episode eine logische Weiterentwicklung der Autoren dar, die sich diesmal viel konkreter vor dem Meister mit unzähligen Anspielungen auf seine Geschichten verbeugen dürfen.

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Das Abenteuer beginnt, wie im Film, in der NewYorker Bibliothek (wir sehen sogar die ikonischen Löwen und eine Kamerafahrt, die an die erste Einstellung des Films erinnert). Der smarte Clarke Ashton leitet dort die Ausstellung, die das Necronomicon (im deutschen: Das Buch der Nekromantie) präsentiert – ein mächtiges Buch zur Geisterbeschwörung, das vom ängstlichen Verwalter Ted Kline von der Universität in Arkham nur unter großen Bedenken herausgegeben wird. Ashton beruhigt Klein, er solle den Inhalt des Buches nicht so ernst nehmen und sich keine Sorgen machen… Beide Figuren spielen auf den engen Brief-Freund, bzw. Forscher Lovecrafts „Clark Ashton Smith“ und „T.E.D. Kline“ an. Beim Necronomicon handelt es sich um das große Buch, das immer wieder in den Geschichten Lovecrafts auftaucht. In diesen bekommt es auch eine eigene Entstehungsgeschichte (der Autor war der verrückte Araber Abdul Alhazred…) und es ist der Schlüssel zu den okkulten Phänomenen, auf die die Protagonisten der Geschichten im Verlauf stoßen.
Natürlich verschwindet das Buch spurlos. Die Jungs werden gerufen und Egon ist sofort im Bilde. Liest man aus dem Buch, ist dies wie ein akustischer Schlüssel zu anderen Dimensionen in denen die großen Alten darauf warten die Welt zu übernehmen (die großen Alten (the Old Ones) werden leider in der dt. Synchro nur mit „der Mächtige“ übersetzt). – Wie zB. der große Cthulhu! Ray fügt hinzu, dass der Autor H.P. Lovecraft viele Geschichten über das Necronomicon und Cthulhu geschrieben hat. Nun ist klar wie clever der Hase hier läuft: Lovecrafts Wesen existieren in der RGB-Welt wirklich – Lovecraft auch, nur sind seine Geschichten keine Fiktion, sondern beruhen quasi auf Tatsachenberichten.
Die Suche der Jungs beginnt in der Kanalisation. Dort machen sie eine erste Bekanntschaft mit den Günstlingen Cthulhus, eine Brut von abscheulichen Tintenfisch-Mutanten, die natürlich ganz im Geiste Lovecrafts gestaltet sind. Die Protonenstrahler können nichts ausrichten. Nur knapp gelingt den Jungs die Flucht.
Weiter geht die Reise von Peter und Egon nach Arkham in Massachusetts. An der Uni (die ja bereits das Necronomicon zur Verfügung stellte) suchen sie Alice Derleth auf, eine Professorin für Okkultismus, die sich als Expertin in den Sagen der großen Alten herausstellt. Der Name Alice Derleth ist wieder eine Anspielung auf einen befreundeten Autor Lovecrafts (August Derleth). Die Universität in Arkham ist indes ein direkter Verweis auf die (fiktive) Miskatonic-Universität im (ebenfalls nicht-realen) Arkham in Massachusetts, das sehr oft in den Geschichten Lovecrafts auftaucht. Dort ist nicht nur eine der wenigen Kopien des Necronomicon gelagert, sondern sie ist auch oft der Ort für Lovecrafts Hauptfiguren und Handlungen. Alice bringt dann noch ein Zitat aus dem Necronomicon (eigentlich aus der Lovecraft-Geschichte „Die namenlose Stadt“), das typisch für die sphärischen, fremden Welten des Autors ist und in der deutschen Übersetzung leider etwas an Sinn einbüßt: „Das, was nicht im Reich der Toten ist kann ewig leben, obwohl auch der Tod eines Tages sterben muss.“ („That is not dead which can eternal lie, and with strange aeons even death may die.“)
Diese Szenen um Peter/Egon/Alice sprühen übrigens vor Witz und zwischenmenschlicher Atmosphäre und sind ein Highlight der Folge. Peter hatte sich unter der Professorin typischerweise eine übergewichtige Frau mit Brille und zusammen geknoteten Haaren vorgestellt. Als sie vor Professor Derleth stehen, ist Peter angenehm überrascht, hinsichtlich der attraktiven Dame. Sein verwirrter Kommentar zur Begrüßung: „Sie sehen überhaupt nicht intelligent aus.“
Zurück in New York in einem düsteren Laden für Okkultismus-Artikel. Hier stoßen die Jungs und Alice erstmals auf die menschlichen Anhänger Cthulhus, eingehüllt in Tentakel-Roben, die ihre Identität verhüllen. Vor ihnen liegt das gestohlene Necronomicon. Der Anführer der Truppe ist empört, spricht eine Geisterbeschwörung aus und verschwindet mit dem unheilvollen Buch. Schon bricht ein weiterer Diener Cthulhus aus dem Untergrund: Es ist ein Shoggoth! Der ist natürlich auch Teil von Lovecrafts Horror-Welten (zB. im Klassiker „Berge des Wahnsinns“), nimmt sich zwar einige Freiheiten in der Optik, bleibt aber mit seinen vielen Augen, seinen Tentakeln und seiner schleimigen Amöbenartigkeit ganz im Geiste des Autors. Die okkulte Geheim-Gruppierung der Menschen spielt indes eine große Rolle in „Der Ruf des Cthulhu“, DER großen Erzählung über Cthulhu schlechthin, die davon handelt wie verschiedene Hauptfiguren auf Dokumente und Erzählungen stoßen, die von einem schlafenden Wesen in einer riesigen versunkenen Stadt berichten, das medial mit Menschen in Kontakt steht und von verschiedenen Kulten angebetet wird. So ist der RGB-Originaltitel der Folge „The Collect Call Of Cathulhu“ natürlich eine direkte Anspielung auf den US-Titel dieser Lovecraft-Story „The Call Of Cthulhu“. Wobei Collect-Call hier „R-Gespräch“ bedeutet.
Alice gelingt es mit einer unmittelbaren Geisterbeschwörung, die sehr anstrengend ist und an ihren Kräften zehrt (daher dann der deutsche, etwas sperrige Episoden-Titel), den Shoggoth zu Stein werden zu lassen, kurz bevor der unsere Freunde zerquetscht. Die Beschwörungsformeln hierfür sind ausnahmsweise mal keine Anspielung an Lovecraft oder den GB-Film. Hier zitiert sich der Autor der Folge Michael Reaves selbst, bzw. eine Trick-Folge von „Dungeons & Dragons“, die er geschrieben hat.
Die Jungs sind nach dieser Pleite wieder ratlos. Die Zeit ist knapp. Ray macht den Vorschlag in alten Groschenheften nach einer Geschichte von Lovecraft zu suchen, die vielleicht einen Hinweis gibt, wie der Obertintenfisch frittiert werden kann. Die Freunde fahren zum Antiquariat des alten Mr. Howard, bei dem Ray als Kind die Ausgaben des Pulp-Magazins „Weird Tales“ gelesen hat. Peter: „Hier würde es sogar Stephen King unheimlich werden.“ Noch eine Anspielung auf einen ganz großen der Horrorliterator, der ein bekennender Fan von Lovecraft ist… Nach angestrengter Suche der Fünf, findet Alice endlich die Geschichte über Cthulhu. Doch die letzte Seite fehlt! – Weird Tales, das ist die tatsächliche Reihe von Horror-Groschenheft-Romanen, in denen Lovecraft einen Großteil seiner Werke ab den 20er Jahren (noch zu einem Spotpreis) erstveröffentlichte. Mr. Howard spielt abermals auf einen befreundeten Schriftstellerkollegen Lovecrafts an, Robert E. Howard, der ebenfalls im Weird Tales veröffentlichte.
Keine Zeit zu vertrödeln – es ist fast Mitternacht. Weiter geht die Hatz per Ecto zu Coney Island, denn dort soll Cthulhu aus den Fluten steigen. Doch Ecto gibt den Geist auf. Peter sollte doch den Reifendruck kontrollieren, aber er dachte, durch das schwere Auto hätten die Reifen genug Druck. Toll… Ab in die U-Bahn (in der es von eigenartigen Menschen wimmelt, die selbst Lovecraft das fürchten lehren würden) und danach zu Fuß weiter bis zur Küste von Coney Island mit ihrem großen Vergnügungspark. Dort hat sich bereits unsere Geheimsekte mit ihrem Anführer versammelt, der das nun leuchtende Buch der Nekromantie unheilvoll zu den Sternen hält. Es ist zu spät. Cthulhu wurde entfesselt und entsteigt den Wassern unter großem Getöse. Die Zeichner der Figuren haben beim Koloss ganze Arbeit geleistet. Zwar fehlen ihm die charakteristischen Flügel auf dem Rücken und die rote Haut sollte eigentlich grün sein, doch ansonsten ist das Monsterdesign außerordentlich gut gelungen. Rot macht unseren Boten des Untergangs sogar noch etwas zorniger als Grün… Alice versucht abermals eine anstrengende Geisterbeschwörung (die Formel beinhaltet das Wort „Nodens“, was natürlich wieder eine Kreatur Lovecrafts ist) – doch die versagt, denn das Wesen ist einfach zu mächtig. Die Aufmerksamkeit der Jungs fällt zurück auf das Pulp-Magazin. Dort soll Cthulhu zu einem Elektrizitätswerk gelockt werden um ihn mit Strom zu zerstören. Hier entfernt sich die Folge etwas von Lovecraft, denn bei ihm ist Cthulhu eine Naturgewalt, die weder psychisch richtig zu begreifen, noch in irgendeiner Form aufzuhalten ist. Nichtsdestotrotz hüpft Peter in die Achterbahn um Cthulhu anzulocken, was zur Abwechslung mal wunderbar funktioniert. Die Jungs feuern ihre Strahler auf die Metallgerüste, wodurch sie es schaffen, dass ein Blitz in Bahn und Höllenbrut einschlägt. Geschafft! Die geballte Ladung Megavolt killt den Obermotz. Es gibt gegrillten Tintenfisch. Die Welt ist wieder sicher…
Aber was wären RGB wenn die Geschichte hier noch gar nicht zu Ende wäre? (SPOILER) Typisch für GB und Lovecraft; ein Mensch bzw. menschliches Verhalten ist erst der Katalysator des dämonischen Unheils. So schnappt die Polizei, die vom Tumult angelockt wurde, in der Zwischenzeit den Anführer der Cthulhu-Sekte, der sich unter seiner Robe als Clark Ashton, der Ausstellungsleiter der Bibliothek, entpuppt! Der bebt vor Zorn, da seine großen Anstrengungen vergeblich waren, macht aber auch deutlich, dass Cthulhu nun lediglich wieder auf dem Meeresboden schläft bis ihm allein die Macht gehört…

FolgeImFokus13C

Die Folge im Fokus ist diesmal wohl eher zu einer Jagd nach Lovecraft-Verweisen geworden. Dabei gibt es sogar noch mehr von diesen, teils versteckter, oder nur in der englischen Fassung der Folge zu hören. So berechtigt wie ansonsten ein Loblied auf unsere deutsche, charismatische RGB-Synchronisation angestimmt wird, so muss man leider sagen, und wie oben bereits im Ansatz beschrieben, dass das Dialogbuch diesmal mehr als einmal Schwierigkeiten hat mit den vielen Anspielungen auf die Welt von Lovecraft mitzuhalten. Aus Clark Ashton wird anfänglich „Claude“ Ashton, aus Derleth wird „Dereleth“, das Eigenwort Necronomicon umschreibt die Synchro mit „Buch der Nekromantie“, the Old Ones werden zu „der Mächtige“, und aus „a Shoggoth“ wird witzigerweise „Ashagga“, etc. etc… Außerdem fällt ein Verweis auf Gozer mal wieder unter den Teppich, denn die Folge spielt diesmal auch immer wieder auf den GB-Film an. Naja… Als Kind hatte man damals sowieso keine Ahnung von all dem. Die Folge funktioniert auch wunderbar ohne das Wissen um Lovecrafts Mythologie. (SPOILER) Schockierender als Cthulhu empfand ich zur Erstausstrahlung im Kindesalter ohnehin die finale Enthüllung um Clark Ashton, inkl. seines grimmigen Gesichts (gegen das die Tintenfische in der Folge fast niedlich wirken). Mit dieser Offenbarung hatte keiner mehr gerechnet.

Natürlich bleibt so viel mehr zu sagen… Wir vergessen Peters Dates in der Folge oder den Melnitzschen Moment, als Janine ein Buch mit dem Titel „Changing Your Job“ liest…

Zum Abschluss leider aber fairerweise auch etwas Kritik… Denn wenn man an der Folge etwas verändern könnte, dann wären das im Grunde zwei Dinge: Bereits an der langen Inhaltsangabe oben merkt man, dass die Story unheimlich viel Stoff hat. Es gibt viele Figuren und Ortswechsel. Fast zu viele. In den nur 22 Minuten wirkt das leider alles etwas beschleunigt. Ein epischer Zweiteiler wäre bei der Breite des Stoffes, auch mit seinen komplexen Anspielungen, vielleicht gerechter geworden.
Die andere Sache wären die Zeichnungen der Episode. Die schwanken in ihrem Stil von Szene zu Szene, was nichts neues bei RGB ist, würden sie in einigen Szenen dann nicht eher etwas grob und steif wirken. Die Qualität der Bilder wechselt insgesamt zwischen sehr-gut und nur befriedigend. Bei der Größe der Geschichte wünschte man sich da ein konstantes Sehr-gut wie in anderen großen Folgen. Die knalligen Action-Momente werden aber glücklicherweise vom Meister-Team gehandhabt. Dort blühen Zeichnungen und Animation auf.

So schafft es die große Cthulhu-Folge der Serie mMn. grade eben zu einer 10er Wertung und damit in die Top-10 der Real Ghostbusters Episoden. Eine Folge, die respektvoll und gekonnt mit Lovecrafts Mythologie umgeht, und ihrem Kultstatus absolut gerecht wird!

PKE-Punktewertung: 10/10 – Signalausschlag: Top-10 Episode!

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