Chronicle Terror Dog: Ein Auspackbericht

Lang hat’s gedauert! Chronicles Terrorhund wurde bereits im Spätsommer letzten Jahres angekündigt und sollte eigentlich Ende des Jahres erscheinen. Nun ist er endlich da, und immerhin konnte ich der freundlichen Kontaktdame die zusätzlichen Übersee-Versandkosten ausreden. Bei 550 Dollar Kosten plus knapp 90 Euro Zollgebühr zwar nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber immerhin eine nette Geste.

Ich bin eigentlich ziemlich durch mit Ghostbusters-Merchandise: Jahrelang hat man alles mitgenommen, was so am Markt erschien, denn es gab einfach nicht wirklich viel. Dann änderte sich das zwar, aber Sony war mit der Lizenzvergabe immer sehr großzügig, was zu allerlei eher trashigem Memorabilia führte. Was waren wir alle selig, als mit Mattels Toyline nach gefühlt tausend Jahren endlich Figürchen mit der Likeness der Heroen angekündigt wurden – die dann aber sehr kontroverse Reaktionen hervorriefen. Slimers und Marshmallow-Toys gab es hundertfach in verschieden Ausführungen, doch die meisten waren nicht so wirklich richtig gut und so ging es bei der Kaufentscheidung oft insgeheim weniger darum, ob etwas richtig gut war, sondern mehr darum, was die weniger schlechte Wahl sein sollte.

Dieser Terrorhund dagegen ist ein Prunkstück: Abgeformt von einer der originalen Stop Motion-Gußformen und abgesegnet vom Erschaffer selbiger. Dann die ordentliche Größe in 1:4… uuund, erfrischend: Mal eben kein x-ter Slimer oder Marshmallow, sondern der bisher sträflich vernachlässigte Gozer-Supporter. Das bringt optisch etwas Abwechslung in die Sammlung!

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Neulich wollte ich die Wohnung ausbauen, doch dann zog ich einfach in diese Kiste

Kurios: Ich stehe auf meinem Balkon, und der DHL-Bote fährt vor und ruft in zeitgenössischem Importdeutsch quer über die Straße: „Has Du Geld?“ Ich bin natürlich vorbereitet, man hat ja die Sendungsverfolgung im Auge, und spiele das Spiel mit: „Was brauchst Du?“ Er schaut nach. „85 Euro!“ Ich hole 85 Euronen heraus. Er sieht nochmal nach. „88 Euro.“ Ich gehe wieder rein und hole drei weitere Münzen raus. „…und 86 Cent!“ Jetzt wird’s knapp. Wie viel Cent habe ich noch in der Geldbörse? Gibt’s nicht: 86 Cent. Einen mehr, und mein unbekannter Freund hätte das Paket wieder mitnehmen dürfen. So aber reicht er mir das Mammutdings über den Balkon und verschwindet. Ich habe diesen Boten noch nie gesehen, und er mich nicht. Den teuren Köter hätte er also auch einem völlig anderem Typen über die Brüstung verkauft, wenn dort einer gestanden hätte.

Jedes Collectible in meiner Sammlung hat seine eigene Geschichte, und diese hier ist die des Hundes.

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Götzen inside

Nachdem ich die Hundesteuer bezahlt habe, beschließe ich, das Gefühl des Besitzens erst einmal Gefühl bleiben zu lassen. Ich hab mich lange gefreut und der Auspackprozeß sollte entsprechend gefeiert werden! Ich habe aber noch viel zu tun und beschließe, erst einmal alltägliche Dinge zu erledigen. Also gehe ich los und kaufe Fertigpizza – Das hat etwas Befreiendes, denn die fällt vergleichsweise günstig aus und man muss keine Unboxingberichte schreiben….

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Um die Größe der Kiste zu verdeutlichen, habe ich die GB-Blu-Ray darauf gelegt. Wenn Ihr genau hinseht, erkennt Ihr sie einige Kilometer hinter der Ray-Figur.

Daheim überlege ich: Es ist Donnerstag, und am nächsten Tag fahre ich über das Wochenende weg. Soll ich bis Montag warten? Dann habe ich Zeit und Ruhe zum genussvollen auspacken. Aber der Wille ist schwach, schließlich wartet in der Kiste ein dämonischer Höllenhund, der als Götzenbild aufgestellt werden will. Ich verharre einen Augenblick und gebe einem Zeugen Jehovas die Gelegenheit, zu klingeln, um mit mir über Gott zu reden. Es passiert aber nichts, Chance verpasst. Und direkt fängt es imposant an! Seht Ihr diese schönen, sumerischen Muster auf der Oberseite? Gut, der Rest des Packungsdesigns ist eher Marke „Designerlehrling tobt sich mit Heckenschere und Paint aus“, aber schließlich geht es um die inneren Werte.

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„Bitte erst öffnen am Tag des Untergangs.“

Ein Zertifikat guckt mich an. Authentisch, das Ganze. Hat einer draufgeschrieben, muss stimmen. „Ghostbusters Terror Dog“, schön. Dieses Wort! „Terror Dog“, das stand auch fett auf dem Versandkarton. Da passieren zur Zeit lauter schwere Pakete Flughäfen, Landesgrenzen, Zollämter, auf denen fett „TERROR“ steht. Hat schon was für sich. Ein wenig erleichtert bin ich, dass im Film damals zwei Hunde statt zwei Bomben vorkamen.

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Guck an! Da ist er, der Cutie! Wer jetzt dachte, das quadratkilometerpompöse Äußere würde etwas viel Geringerformatiges beinhalten (denkt nur an die Slimer-Statue in der Blu-Ray-Sammelbox), der irrt! Wie Ihr hier sehen können, ist das Hundehaus quasi bis zum Anschlag gefüllt.

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Vier Hörner liegen bei. Damit könnt Ihr nach Belieben entweder Zuul oder Vinz Clortho hinstellen. Die Frau von Chronicle schrieb mich übrigens kurz vorher an und fragte mich, ob ich nicht für 400 Dollar einen zweiten Köter bestellen möchte. Das sei ein Angebot nur für bisherige Käufer, denn erstens seien es im Film ja auch zwei, und zweitens ist einem Gescheiten dort drüben sicher aufgefallen, dass die Viecher so derart teuer sind, dass sie kaum einer gekauft hat. Jedenfalls ist es auffällig, dass selbst im vitalen GB-Fans-Forum kein Wort darüber diskutiert wurde. Das ist auch eine Leistung: So derart teuer, dass noch nicht einmal Empörung aufgebracht, sondern totgeschwiegen wird. Ich bin gleichermaßen geschockt über meine eigene Torheit wie auch ein wenig stolz, jetzt so ein seltenes Stück mein Eigen nennen zu dürfen. Dennoch möchte ich es nicht übertreiben und verzichte dankend auf den zweiten Hund. Stattdessen entscheide ich mich hier für die Male-Version Vinz, weil die etwas längeren, nach oben gebeugten Hörner schöner aussehen. Diese finden über Magnete passgenau und sicher halt am bulligen Schädel.

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Auf Fotos kann man sich kaum eine Vorstellung von der Wuchtigkeit machen. Hier seht Ihr das ausgepackte Urviech im Vergleich zu Mattels großem 1:18-Ecto-1-Modell. Wäre dieses ein Cabrio, könnte es übrigens unter dem Hund hindurchfahren…

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Das Foto wird der tatsächlichen Bemalung nicht ganz gerecht, kommt aber über die Tageslichtbeleuchtung schon recht nahe ran. Mit größter Selbstverständlichkeit ist man immer von pechschwarzen Viechern ausgegangen, diese Figur wirkt dagegen regelrecht elefantengrau. Tatsächlich entspricht das zumindest den Stop Motion-Figuren im Film (bei den lebensgroßen Puppen bin ich mir nicht so sicher), doch dort waren Zuul und Vinz nun mal nur in nächtlicher Weltuntergangsbeleuchtung zu sehen statt wie hier bei Strandwetter.

Die Augen bestehen aus rotem Glas (auch wie im Film), die aufgesprengten Lippen sind fleischig-organisch-rosa. Toll: Obwohl die Schnauze geschlossen ist, erkennt man viele Details im vollständig ausgearbeiteten Mundraum.

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Chronicles Ziel war augenscheinlich, dem Fan nicht eine möglichst realistische Interpretation der Kreatur zu liefern (wie Neca mit seinen Actionfiguren von vor 12 Jahren), sondern eine originalgetreue Replik der Filmpuppe. Diese Entscheidung spiegelt sich zum Beispiel in einer nicht ganzflächig aufliegenden Tatze. Auf diesem Bild kann man außerdem erkennen, wie das Bein an der ursprünglichen Puppe angekittet war. Solche Detailgeschichten werden Puristen gefallen, könnten Ästheten aber abschrecken. Mir gefällt’s, und überhaupt: Die Statue spiegelt in ihrem Design nicht nur Ghostbusters an sich, sondern diese ganze Ära charmanter, handgemachter Creature-Puppets wider. Nicht vorstellbar, dass das Ding einem CGI-Effekt entsprungen sein könnte. Gefällt mir!

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Dieses Bild zeigt sehr schön den großartigen Paint Job. Ich mag die Klauen, außerdem muss ich plötzlich an die Cartoonfolge „Ein Huhn erobert New York“ denken. Ein ganzheitliches GB-Erlebnis quasi…

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All right, guys! It’s comparison time! Hier seht Ihr Vinz im Direktvergleich mit der Actionfigur von Neca. Man kann auch sehr schön erkennen, dass es Neca damals um eine dynamisch-modernisierte „Spawn“-Version ging, wohingegen sich Chronicle ganz dem Original verschrieben hat.

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Fazit: Außer Frage steht, dass der Terror Dog viel zu teuer ist. Will man ihn mit zusätzlichem Signature-Standee, kostet er sogar gleich 600 Dollar. Das ist kaum eine Figur wert, die dann doch nur herumsteht. Andererseits ist pure Freude doch sehr wohl ein sinnvolles Kaufargument, und den tatsächlichen Wert kann man nicht am Preis an sich festmachen, sondern daran, ob man bereit ist, das Geld auszugeben.

Wer sich zu einem Kauf entschließt, bekommt eine (sehr!) schwere, wertig verarbeitete, gut bemalte und vor allem kolossale Statue. Ohne Zweifel ein (oder sogar DAS) Highlight der Sammlung, noch dazu ein überaus seltenes. Ich bin zufrieden. Und Ihr? Lasst uns im Forum darüber reden.

 

 

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