Ein Monster mag’s gemütlich

(RGB Episode 90, Staffel 3 – „Camping It Up“, Autor: Michael Reaves)

Von Rain

FolgeImFokus12A

Auszeit für die Geisterjäger, Janine und Slimer! Gemeinsame Ferien sind angesagt, und die verbringt man besten beim Camping-Urlaub in den Wäldern. Bei Marshmallow-Rösten, Naturfotografie und Gruselgeschichte gibt’s ne Menge Spaß, bis die Freunde merken, dass sie einen unheimlichen Beobachter haben: Es ist ein Bigfoot. Slimer bricht das Eis und ködert ihn mit leckeren Schokoriegeln, worauf sich der scheue Bigfoot als äußerst friedfertig und verängstigt entpuppt. Als ein unnatürliches Gewitter über unseren Freunden hereinbricht, vermutet Egon, dass sich der Sasquatch aus einer fremden Dimension zu uns verlaufen hat. Die Geisterjäger brechen mit ihrem neuen, haarigen Freund auf um das Dimensionsportal in den Tiefen der Wälder zu finden, bevor es für immer verschwindet…

Mit der Figur des Bigfoots nehmen sich die RGBs eines übernatürlichen Mythos an, der, anders als zB. klassische Gruselgeschichte oder mythologischen Volkserzählung, aus denen die RGBs meist schöpfen, seinen Ursprung in eher neuzeitlichen Überlieferungen hat. Es handelt sich dabei um ein etwa 2-3 Meter großes, dunkel-behaartes, primatenhaftes Wesen, das die Wälder durchstreift, und dabei den Kontakt mit Menschen scheut. Gelegentlich gelingt jedoch ein kurzer Blick auf dieses rätselhafte Geschöpf oder es finden sich Spuren seiner Anwesenheit, wie beispielsweise riesige Fußabdrücke auf dem Boden, die in den amerikanischen Breitengraden namensgebend für den „Bigfoot“ waren. Auf eine ganze Reihe dieser Fußabdrücke stieß dabei als erster der britische Forscher Eric Shipton 1951 in den Höhen des Mount Everest. Das faszinierende am Phänomen ist, dass sich Bigfoot-Sichtungen über jeden Kontinent der Welt erstrecken. Jede Kultur hat dabei ihr eigenes Wort für diese Kreatur: In Amerika ist es Bigfoot oder Sasquatch, in Australien wird er Yowie genannt und in China ist es der Yeren. Im Himalaya und bei uns ist er eher unter dem Namen Yeti (oder Schneemensch) bekannt. Nicht zuletzt wurde er so durch Bergsteiger-Ikone Reinhold Messner bekannt, der ihn schon gesehen haben will. Messner lässt allerdings die Möglichkeit zu, dass es sich bei dem Yeti lediglich um eine spezielle und sehr seltene Bärenart handeln könnte. Kryptozoologen vermuten indes hinter dem Wesen eine unbekannte hominide Art, der eine gewisse Intelligenz nachgesagt wird (wie übrigens auch ein sehr erbärmlicher Gestank, wie viele Beobachter berichten). Schaut man einen Blick weiter über den Tellerrand, so ist eine weitere stark verbreitete Vermutung, dass das Geschöpf gar aus einer anderen Welt stammt und zwischen den Dimensionen wechseln kann. Sein plötzliches Verschwinden bei Kontakt mit Menschen (es werden ihm dabei auch Lichtblitze nachgesagt) oder auch die Verbindung zu Sichtungen mit UFOs (aus denen bereits Gruppen von Bigfoots entsprungen sein sollen) sprechen für die Überzeugten dafür. Fakt ist, dass es von großen, behaarten Bestien, Riesen und Hybridwesen bereits in vielen antiken Texten und Geschichten wimmelt. Man schaue auf den sumerischen Gilgamesh-Epos, die quasi erste Erzählung der Menschheit, oder auch auf die Geschichte von David gegen Goliath… Faszinierend sind diese Möglichkeiten alle! Eine Suche bei YouTube unter dem Schlagwort Bigfoot kann schnell einen unterhaltsamen Abend füllen – egal ob Fakt oder Fake.

FolgeImFokus12B

In „Ein Monster mag’s gemütlich“ wird natürlich der Dimensions-Aspekt um Bigfoot weiter ausgebaut. Hier begleiten wir unsere Helden, wie sie, gemeinsam mit ihrem neuen Freund mit Vorliebe für Schokoriegel, den Eingang zur anderen Dimension in einer Höhle hinter einem Wasserfall finden. Die Höhle ist mit weißen Nebenschwaden gefüllt. Den Jungs, Janine und Slimer fällt der Abschied von Bigfoot schwer, doch ein Blick in die helle, friedliche Welt der anderen Dimension entschädigt für den Abgang ihres neuen Freundes, der ihnen am Ende noch einmal zuzwinkert und seine ersten, fast verständlichen Worte von sich gibt: Lebt wohl.

Im Gegensatz zu Bigfoots Pendant im echten Leben ist sein Fell in der TV-Folge allerdings hell-beige. Wahrscheinlich war dies eine Entscheidung der Kreativen damit der Zuschauer ihn vor der Dunkelheit des Waldes besser erkennen kann. An Sympathie stielt der RGB-Bigfoot dann Slimer etwas die Show, welcher sich leider (ganz im Stil der Veränderungen ab Staffel 3) ständig viel zu stark in den Vordergrund drängt; Slimer muss noch mal auf’s Töpfchen, Slimer hat zu viele Süßigkeiten eingepackt, Slimer hat Angst im Wald, Slimer, Slimer… Immer wieder gerät der Fokus auf den grünen Stöpsel, obwohl er eigentlich nichts zur Geschichte beiträgt. Bigfoot ist da mit seiner kräftigen aber zurück haltenden Art, seiner Hilflosigkeit und vor allem seinen großen Segelohren ungleich niedlicher ausgefallen. Vielleicht hätten sie ihn anstelle von Slimer mit nach Haus nehmen sollen.

Leider ist auch ansonsten der Inhalt der Folge etwas blass und etwas zu brav ausgefallen. Es beginnt ja mit der Tatsache, dass die Geisterjäger gemeinsam Urlaub machen wollen. Den gönnen wir ihnen zwar von Herzen, aber es bleibt doch fraglich warum sich ihre Wege nicht mal trennen, wenn sie doch schon die ganze Zeit gemeinsam auf Geisterjagd sind. Ebenso Janine, die bestimmt gut eine Auszeit von dem Männerhaushalt hätte vertragen können. Zumindest hätte dies die selbstbewusstere Janine aus Staffel 1 und 2 getan. In diesem Sinne kann man vielleicht einen Vergleich zur Folge „Auf dem Land, da ist es schön“ aus Staffel 2 ziehen, in der nicht nur Janine während der Geisterjäger-Urlaubszeit ihr eigenes Ding zu machen scheint, sondern auch Slimer, der die Jungs auch dort bei ihren Ausflug auf’s Land begleitet, die gesamte Zeit über nicht wirklich von den GBs beachtet wird. So fällt dieser Land-Ausflug im großen RGB-Urlaubs-Check weitaus „kantiger“ und authentischer aus als der Bigfoot-Ausflug. Autor von „Monster mag’s gemütlich“ ist Michael Reaves, den wir bereits von solchen genialen Folgen wie „Janines freier Tag“ oder der berühmten Cthulhu-Folge „Die anstrengende Geisterbeschwörung“ kennen. Wie eigentlich jeder der verschiedenen Autoren der Serie hat auch dieser seine Highlights und seine nicht so großen Momente. „Monster mag’s gemütlich“ ist so gesehen sicherlich zu dünn und zu konventionell ausgefallen um von einem neuen Klassiker zu sprechen…

FolgeImFokus12C

„Lieb und klassisch“ geht es dann auch weiter als die Urlauber auf der Waldlichtung ankommen und ihre Zelte aufschlagen. Janine fotografiert Tierchen, Egon hat natürlich längst ein übertrieben-fortschrittliches Über-Zelt gebastelt und dann werden natürlich auch noch Marshmallows über dem Feuer geröstet (aus denen die deutsche Synchro leider Maronen gemacht hat). Fast würde man bei diesem Urlaub aus dem Bilderbuch einschlafen, wenn die Folge dann nicht endlich etwas aufleben würde mit Rays Gruselgeschichte am Lagerfeuer und ihrem witzigen Twist, bei der sich vor allem einer erschreckt: Der bis hierhin stille Beobachter Bigfoot. Von allen Geisterjägern nimmt Ray in der Folge vielleicht eine besondere Position ein… Nicht nur, dass eben besonders die Lagerfeuerszene enorm unter Rays (und Synchronsprecher Rohrbecks) beherzter Art auflebt, eine Geschichte vorzutragen, schon am Anfang lernen wir diesmal den lieben Pummel-Nerd von zwei anderen Seiten kennen und sehen auch, dass Ray Sarkasmus kein Fremdwort ist: Egon möchte seine Ausrüstung mit in den Urlaub nehmen, weil er sich sonst nackt vorkommt. Rays trockener Kommentar: „Dabei siehst du gar nicht nackt aus. Was für ein Glück für uns!“ Normalerweise schiebt das Skript Peter solche Sprüche in den Mund. Wenig später hält Ray Slimer eine sehr deutliche Standpauke, weil dieser seinen gesamten Süßigkeiten-Vorrat in Ecto verstaut hat. Auch Aggro-Ray sehen wir selten, denn meist löst Ray solche Konflikte auf eine eher einfühlsame Art. Besonders wenn es um Slimer geht. Eine weitere kleine Besonderheit zeichnet Ray außerdem in dieser Folge aus: Sein Charakter-Design erinnert wieder mehr an den dickeren Ray aus den ersten beiden Staffeln. Mit Staffel 3 entschloss man sich Ray im Gesicht und an der Hüfte etwas abspecken zu lassen um kein schlechtes Vorbild für die Kids zu sein. Ein Teil seines Charakters ging damit ebenfalls verloren. In dieser Folge wirkt es so als hätten sich die Zeichner wieder etwas stärker am massigeren Ray aus Hochzeiten der Serie orientiert.
Und was macht Peter? Der hat seine tragbare Mini-TV-Anlage mit in den Urlaub genommen um seine Lieblingssendung nicht zu verpassen: Die Ghostbusters! Ein netter, kleiner Gag der deutschen Synchronfassung, in der hier selbstreferentiell einmal von „Ghostbusters“ anstatt von „Geisterjägern“ die Rede ist. Macht es Sinn, dass Peter Ghostbusters schauen will? Wohl nicht. Aber da wir das grade auch tun, ist es witzig und im Kontrast zum Rest der Folge etwas um die Ecke gedacht. Im Original möchte Peter die Sendung „Moonlighting“ schauen („Das Model und der Schnüffler“, eine Detektiv-Comedy-Serie mit Bruce Willis), was eigentlich noch weniger Sinn macht. 1:0 mal wieder für die deutsche Synchro.
Peters Kommentar zu Sasquatch fällt übrigens ähnlich pointiert aus: Gesundheit.

Die Animation der Folge ist wirklich toll. Sie erinnert an das Team „Kantig“, das wir bereits aus Staffel 2 kennen (Egons Familiendrachen, Geisterjäger des Jahres, etc.), hier allerdings immer wieder etwas gehetzter und nicht immer durchgehend auf 1er Niveau wirkt. Die schöne Optik der Folge kann unter’m Strich jedoch leider nicht über die dünne und brave Geschichte hinwegtäuschen, die sich schon auf den hier abgebildeten sechs Bildern praktisch von selbst erzählt.

PKE-Punktewertung: 6/10

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