Geist verloren!

(RGB Episode 50, Staffel 2 – „Lost And Foundry“, Autor: Mike Edens)

Von Rain

FolgeImFokus11A

Geister-Alarm in einer Metallgießerei! Ein kleiner, rosafarbener Geist hält die Geisterjäger in Schach. Als Egon ihn mit seinem Protonenstrahler trifft, landet der Geist in einem Bottich mit geschmolzenem Metall. Nun fehlt jede Spur des Quälgeists. Die Jungs können nichts mehr ausrichten und fahren zurück in die Zentrale. Schon bald darauf geht ein Anruf nach dem anderen ein: Kühlschränke mucken auf, Fernsehkabel fliegen frei, Nägel und Blechdosen rasten aus! Als dann auch noch die neu montierte Rutschstange der Geisterjäger ein Eigenleben entwickelt und sich davon macht, ist alles klar: Der Geist ist mit dem derweil verarbeiteten Metall aus dem Stahlwerk eine Verbindung eingegangen und versucht sich wieder zusammen zu setzen. Die Jungs verfolgen die Rutschstange bis zu einem Schrottplatz, auf dem der Geist seine neue Gestalt offenbart; ein riesiger Skorpion bestehend aus den einzelnen Metallgeräten. Wie bekommt man den in den Griff?

(SPOILER) Natürlich mit einer magnetischen Abrissbirne! Die wird zwar nur zufällig durch Peters Trotteligkeit aktiviert, aber bindet die ectoplasmischen Metall-Teile effektiv. Zurück im Stahlwerk schmelzen die Jungs den Metallberg wieder ein. Hervor kommt unser kleiner, rosafarbener Geist, der nun endlich eingefangen wird. – Somit ist die Inhaltsangabe dann auch komplett. Zugegeben, die Geschichte hat nicht grade besonders viel Anspruch. Zumindest nicht im Vergleich zu anderen Episoden. Der Sachverhalt um den verschwundenen Geist, der sich mit dem Metall verbindet, ist für den Betrachter schnell klar, wodurch die Folge etwas vorhersehbar wirkt… Dennoch ist „Geist verloren!“ eine tolle Folge, die großen Spaß macht. Zum einen liegt das an den unterschiedlichen Szenarien, durch die sich die Jungs mit der großen Portion Witz wurschteln, die man von ihnen gewohnt ist – zum anderen wird die Story ganz stark durch die überdurchschnittliche Inszenierung und die super Animation aufgewertet.

FolgeImFokus11B

Das Animationsteam erinnert an die Folge „Die indianische Legende“. Eine kurze Einstellung aus der Episode wurde hier sogar recyclet, und zwar die des herausfahrenden Ectos aus dem Tor der Zentrale. Dieses Team ist eigentlich ein Allround-Talent, und beherrscht sowohl die Animation in Actionszenen als auch die humorvolleren Slapstick-Momente. Oft gibt es da eine große Portion Anime-Einflüsse. „Geist verloren!“ wirkt in einigen Einstellungen fast wie aus einem Manga. Man schaue auf die schillernden Augen des rosa Geistes oder auch auf die menschlichen Statisten auf den Straßen. Die Gestaltungen der Hintergründe sind detaillierter als in anderen Folgen (es gibt diesmal auch einige Wortspiele auf Schildern, etc.) und haben oft eine stimmungsvolle Farbgestaltung. So besitzen die Szenen in der Metallfabrik oder die Einstellungen als die Jungs ihrer Rutschstange hinterher fahren eine ziemlich schöne und eindringliche Atmosphäre.

Obwohl es immer wieder gefährliche Momente für unsere Freunde gibt (Nagelgeschosse, kippende Hochhäuser, Skorpiontransfomer-Attacke), stellt sich die Geisterbedrohung in der Folge, wie bereits beschrieben, hinter dem Humor und den witzigen Situationen mit den Figuren an. Besonders die Szenen in der Zentrale machen Spaß. Hier gerät Peter ordentlich ins Schwitzen: Erst wird er fast von einem Protonenstrahl getroffen, den Slimer versehentlich auf ihn abfeuert als dieser mal wieder von Peter getrietzt wird. Der Strahl demoliert dann aber nur die Rutschstange. Dann, im späteren Verlauf und neu gelieferter Stange, bekommt der müde Peter, der eigentlich schon im Bett lag, die geisterhafte Kraft der neuen Rutschstange zu spüren: Als er runterrutschen will, klebt er an ihr fest und wird wie ein Propeller herum gewirbelt bis die Stange aus ihren Verankerungen reißt und Peter in die Streben der Garage befördert. Fast möchte man sagen, dass es ihm mal Recht geschieht, bei seinem ständigen Sarkasmus.
Janine wird dabei indes zur (fast) stillen Beobachterin der Ereignisse, die in ihrer alltäglichen Langeweile in der Zentrale zwischen Kaugummi-Kauen und Illustrierte-Lesen kaum von dem Trubel beeindruckt ist. Peter, der anfangs müde in die Zentrale kommt: „Wie wär’s mit einem Kaffee, Janine?“ Janine: „Nein, Danke.“ Ihr Kreutzworträtsel ist bereits mit den Worten „Witch“ und „Alone“ ausgefüllt.

Der amerikanische Original-Titel der Folge ist „Lost And Foundry“. Das ist ein Wortspiel aus „Lost and Found“ (Fundbüro) und „Foundry“, was (Metall-)Gießerei bedeutet. Pointierter kann man den Episoden-Titel eigentlich gar nicht auswählen. Die Serien-Macher gehen bei der Wahl der Titel stets ähnlich kreativ vor wie mit den eigentlichen Geschichten selbst. Die US-Titel der Serie bestehen oft aus Wortspielen, Zitaten oder Anleihen an Titel aus Film, Musik oder Literatur. Meistens haben sie irgendeine Art von Twist oder Ironie an sich, die den trockenen Humor von Ghostbusters bereits im Episodentitel zeigt und schon hier klar stellt; wir reden nicht auf den Zuseher herab. So ist „Boo-Dunit“ aus der Krimifolge (siehe FiF 9) eine Mischung aus „Who-Dunit“ (Wer hat’s getan; Krimi) und dem klassischen Ausruf eines Gespenstes: Buh! „The Spirit Of Aunt Lois“ (dt: Tante Lois und der Scharlatan) ist eine Anspielung auf Charles Lindbergs berühmtes Flugzeug (Spirit of St. Louis), mit dem er 1927 erstmals den Atlantik überquerte. „Apocalypse – What, NOW?“ spielt natürlich auf den Filmklassiker „Apocalypse Now“ an… Etc, etc… Kinder werden in der Samstagmorgen-Cartoonzeit diese Verweise nicht immer verstehen. So bekommt die Serie allerdings ein weiteres Element, das sie noch im Erwachsenalter interessant macht. Es gibt halt immer noch was zu entdecken.
Die deutschen Titel der Episoden können, ehrlich gesagt, mit der wirbelnden Kreativität der Amerikaner nicht ganz mithalten. Aber das müssen sie auch nicht. Denn die Titel sind keinesfalls unkreativ gewählt und funktionieren für die jeweilige Folge immer optimal. Auch hier hat man das Gefühl, die Übersetzer sind mit Herz bei der Sache. Siehe: Geist verloren! Mit der späteren Etappe der deutschen Seriensynchronisation ab Staffel 5 werden die Übersetzungen der Titel allerdings leider etwas beliebiger. Titel wie „Die Geisterinvasion“ oder „Attacke aus der Geisterwelt“ sind dann ungleich austauschbarer als früher, und passen eigentlich so gut wie auf jede Episode. An anderen Stellen hat man dann auch das Gefühl, die Titel könnten etwas präziser auf die Folge eingehen, denn Titel wie „Ein falscher Geist auf Geisterjagd“ oder „Das Baby des Wassergeists“ treffen mMn. den jeweiligen Inhalt der Folge nur am Rande. Fairerweise sei aber gesagt: Die schwachen Inhalte der späteren Folgen und die immer weiter sinkende Serienqualität machen es den Verantwortlichen wohl wirklich nicht leicht dort gute Ansätze für kultige, deutsche Titel zu finden.

FolgeImFokus11C

Vielleicht wäre „Geist verloren!“ noch etwas besser geworden wenn man dem Zuschauer nicht unmittelbar in den ersten Minuten, nach dem Verschwinden des Geistes, die geisterhaft glühenden Stahlbalken gezeigt hätte, die aus der Stahlmasse gepresst wurden, in die der Geist gefallen war. Abgesehen davon, dass dieser Verarbeitungs-Vorgang unrealistisch schnell von statten gegangen sein muss (die Geisterjäger verlassen grade erst das Stahlwerk), ist auf diese Weise natürlich sofort klar, dass sich der Geist mit dem Metall verbunden hat und die Sache noch ein Nachspiel haben wird. Die spukenden Waren im späteren Verlauf sind also dann keine Überraschung mehr. Hätte man das Intro im Stahlwerk etwas früher ausgeblendet, hätte man zusammen mit unseren Freunden miträtseln können, warum in der ganzen Stadt Gegenstände austicken. Natürlich wäre dies nicht hochgradig kompliziert gewesen – bei Kühlschrank und Fernsehkabel zumindest aber noch nicht ganz so offensichtlich.
Für die Geisterjäger kommt die Hiobsbotschaft um den aufgelösten Geist indes erst im Verlauf durch Egons Spitzfindigkeit: „Ich glaube so langsam wird mir klar, was hier vor sich geht. Kühlschränke, Nägel, Stahlträger… Peter, was haben all diese Dinge gemeinsam?“ Peter: „Sie sind größer als ein Brotkasten.“ Ray, verwundert: „Nägel sind kleiner als ein Brotkasten.“ Peter: „Ja, da hast du ja Recht!“ Als sich dann später die frisch gelieferte Rutschstange des Stahlwerks aus dem Staub macht und davon springt, fällt der Groschen aber auch bei den anderen Geisterjägern.

PKE-Punktewertung: 8/10

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