Geleaktes „GB3“-Drehbuch ist eine Ente

Vorgestern ging es rund im Internet: Ein frühes Drehbuch zu Teil 3 tauchte im Internet auf. Gene Stupnitsky, einer der Autoren, wies via Twitter darauf hin, dass es ein Fake sei, doch der Twitter-Account selbst sah wenig glaubwürdig aus. Nun hakten Fans bei Stupnitskys Schwester nach, und die bestätigte über den Nachrichtendienst, dass es sich tatsächlich um einen Schwindel handelt.

Ob das tatsächlich so ist, weiß keiner. Es handelt sich angeblich um die zweite Scriptfassung, eine noch unausgereifte Version, und vielleicht wollen sich die Kreativen einfach davon distanzieren (es gibt viele Schwachpunkte in der Geschichte, andere Stellen wirken professionell). Der gängige Tenor ist allerdings: Alles Schwindel!

Wir wollen uns den anderen Fanseiten anschließen und entschuldigen uns für das Tohuwabohu. Wer dennoch Interesse an unserem Artikel hat, hier ist er:

2008 ging’s wieder ernsthaft los mit den Plänen zu Teil 3: Unter der Schirmherrschaft von Harold Ramis beauftragten Sony Pictures die Autoren Gene Stupnitsky und Lee Eisenberg („The Office“) mit den Arbeiten für ein Drehbuch zu „Ghostbusters 3“. Es hieß, der Film sollte das gesamte Originalteam wieder vereinen und außerdem neue Rekruten einführen. Das klang zum einen gut, aber einige Filmfans hatten auch Bedenken, denn die anderen Filme dieses Duos haben nicht alle überzeugt: „Bad Teacher“ mit Cameron Diaz war ganz okay, „Year One“ war ein Rohrkrepierer.

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Zeichnet für diese Geschichte noch mit verantwortlich: Harold Ramis. Sein Egon wäre prominent zurückgekehrt.

Wir wir heute wisen, wurde aus dem Film nichts. Murray zeigte sich desinteressiert und Harold Ramis setzt seine PSI-Forschungen mittlerweile im Jenseits fort. Doch eine dieser frühen Drehbuchfassungen ist heute durch das Internet hindurchgeleaked und ist nun für alle lesbar. Ein für Ghostbuster-Fans unbezahlbarer Schatz, denn so kann man sich nun ein Bild davon machen, wie die Wiedervereinigung des vollständig versammelten Kult-Teams ausgesehen hätte, wäre der Film zustande gekommen. Ich habe das Ding verschlungen und erzähle Euch nun ein wenig darüber!

25 Jahre nach Teil 2 sind die Geisterjäger wieder mal an einem Tiefpunkt. Peter Venkman ist Mitte der 1990er Jahre (nach den Ereignissen des Videospiels, das hier in canon ist!) aus dem Business ausgestiegen und wurde zum New Yorker Bürgermeister. Die „Ghostbusters, Inc“ – so hätte der Film anstelle von „Ghostbusters 3“ auch geheißen – wurde ein städtisches Unternehmen. Nachdem Ray und Egon bei einem erneuten Großeinsatz eine bedeutsame Brücke gesprengt haben, geriet Venkman im Rathaus unter Druck und musste ihnen die Leitung der Firma entziehen – eine Aktion, die einen unausgesprochenen Keil zwischen die Freunde getrieben hat. Ray und Egon sind zu Beginn des Films am Tiefpunkt angekommen: Sie dürfen nur noch unwichtigen Papierkram erledigen, was besonders Ray, der mittlerweile auf einem Auge blind ist und eine Augenklappe trägt, aufs Gemüt geht. Die neuen Geisterjäger sind unsympathische New Economy-Typen, die das Drehbuch selbst als „movie-star beauties“ beschreibt. Ihre Artillerie besteht aus neuen, leichten und wenig effektiven High-End-Plastikstrahlern (um größeren Schaden zu vermeiden), und sie sind eher darauf aus, die Marke „Ghostbusters“ zu repräsentieren. Die Urgesteine stoßen sie arrogant durch die Gegend. Offiziell darf nur noch Winston bei der Firma arbeiten, weil der als Mechaniker zuverlässig und pünktlich zur Arbeit kommt.

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Dan Aykroyd.

Als die Bedrohungen durch Geister zunehmen, gerät Venkman unter Druck, denn bei jedem öffentlichen Auftritt kommen nur Fragen zur aktuellen Spuksituation – und das, obwohl die Haushaltslöcher in NYC auch nicht gerade rosig klein ausfallen… Es kommt eines zum anderen, und schließlich übergibt er Spengler und Stantz wieder die Kontrolle über die GB Inc – Was folgt, ist die traditionelle Montage, nur dass statt einer Reihe von Aufträgen diesmal gezeigt wird, wie Ray die arroganten Newbies genüsslich feuert und anschließend neue, tatsächlich ulkige Rekruten gecastet werden. Diese Montage ist wirklich ein Herzstück, und bevor ich es vergesse: Neben den ganz neuen Figuren gehört auch der sehr sympathische Oscar Barrett, Danas Sohn, zur neuen Truppe (er allerdings schon von Beginn an).

Wo wir gerade von Dana reden: Die hat sich mittlerweile (wieder mal) von Peter getrennt und einen sehr mürrischen Typen geheiratet (der Sigourney Weavers Chara leider gar nicht gerecht wird). Dana ist es auch, die mit einer flammenden Rede vor versammelter Reporterschaar dafür sorgt, dass Ray und Co. wieder  in die Verantwortung kommen („Sie haben mir das Leben gerettet!“). Schön geschrieben.

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Weaver: Zurück als Dana Barrett

Als das neue (und das alte) Team wieder aufgestellt ist, werden zunächst die New-Age-Protonenstrahler entsorgt und tatsächlich gegen die alte Ausrüstung ersetzt, und Winston begibt sich mit einigen der Kids auf eine gefährliche Mission in einer verlassenen Irrenanstalt. Dort findet man heraus, dass Gefahr durch einen „großen, alten“ Gott besteht, den im Meer hausenden „Dagon“, ein Geschöpf Lovecrafts. Dieser steht kurz davor, sich aus den Fluten zu erheben und Manhattan plattzuwalzen. Eile ist geboten, doch was kann man tun? Selbst die alten, stärkeren Strahler versagen hier. Ray und Egon ist klar: Sie müssen einmal noch die Ströme kreuzen. Winston scheidet aus, denn der hat Frau und Kinder, und wir wissen alle, was das Strömekreuzen schlimmstenfalls bedeuten kann. Statt dessen taucht Venkman noch einmal auf („Ich wusste immer, dass es meine Karriere zerstört, wenn ich diese Tracht noch einmal überziehe“) und so endet es, wie es begann. Von einem Hochhausdach nehmen Peter, Ray und Egon das Tentakelungeheuer unter Beschuß. Sie retten die Welt.

Am Ende des „Films“ rückt Winston (endlich, Ernie Hudson ahoi) als Wächter über die Newbies in eine leitende Position in der Firma, und Janine arbeiet wieder als Sekretärin (zuvor war sie für Peter im Rathaus tätig). Und ganz am Ende sitzen die drei Real Ghostbusters geisterhaft am Tisch und spielen Karten.

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Am Ende der Chef: Winston.

„Ghostbusters, Inc.“ liest sich angenehm, denn er lässt viele früheren Befürchtungen zerpuffen: Nicht ein Witz unter der Gürtellinie. Dass das alte Equipment – Strahler, Uniformen, Ecto-1 – von neumodischem Krempel verdrängt wird, verkehrt sich augenzwinkernd ins Gegenteil: Das Alte verdrängt das shitty Neue. Ebenso verhält es sich mit der Crew: Die alten Recken verdrängen die neuen, arroganten Schönheiten, die wir befürchtet haben, und rekutieren stattdessen einen Haufen Spinner. Man hat das Gefühl, als hätten sich Eisenberg und Stupnitsky beherzt alles durchgelesen, was da im Vorfeld im Internet befürchtet wurde. Und bevor ich es vergesse: Auch Slimer ist wieder da! Er sitzt in der durchsichtigen PKE-Kammer aus dem Videospiel, bis Stantz sich irgendwann ein Herz fasst und ihn einfach hinauslässt. Hier wird viel Fan-Servie geboten.

Viele Plotdetails sind schön: Der erwähnte Vorfall mit der in der Vergangenheit zerstörten Brücke passt, und Venkman ist als Bürgermeister kein schlechter Einfall – denselben hatte Sholly Fish in seinem Roman „Ghostbusters: The Return“ 2004 und wir in unserer Hörspielserie^^. Mit der Tatsache, dass die Figuren in GB eigentlich immer Abbilder der Schauspieler selbst waren, wird ironisch umgegangen: Ray / Aykroyd ist es, der am meisten leidet und sich nach der alten Zeit zurücksehnt. Peter / Murray hatte andere (höhere) Ambitionen und sagt irgendwann zu Ray: „Was hätte aus Dir werden können, wenn dich diese ‚Ghostbusters‘-Sache nicht so vereinnahmen würde?“ Ich fühle mich übrigens auch angesprochen.

Das Drehbuch im Ganzen liest sich ehrlich gesagt aber nicht durchgehend so lustig, wie es die alten Filme waren (fairerweise muß man aber dazu sagen, dass auch deren Drehbücher im Nachhinein durch die Improvisationen der Schauspieler aufgewitzelt wurden) und über einige, längere Ecken ist es gar eine Dramödie: Zwischen Ray, Egon und Peter ist in der Vergangenheit viel schiefgelaufen, genau wie zwischen Peter & Dana. Es kommt zwar zu ausführlichen Aussprachen, doch erreichen all diese Konstellationen bis zum Ende nicht mehr die freundschaftliche bzw. liebevolle Dynamik wie früher. Vielleicht haben die Autoren sich hier mit dem Anliegen, Drama in GB einzubringen, etwas überhoben.

Vier alte und einige neue Hauptfiguren ließen daran zweifeln, ob Venkman & Co. zugunsten der Rookies nicht zu Randfiguren verkommen könnten. Das Gegenteil ist der Fall: Man kümmert sich so sorgsam um die Veteranen, dass deren durchaus nett geschriebene Nachfolger kaum zu Potte kommen. Das mag ein Dienst am Gb-Nerd sein, macht aber keinen besseren Kinofilm. Die Neuen werden vorgestellt, dürfen mit Winston mitlaufen, shakern sogar etwas miteinander – und verschwinden dann quasi in der Bedeutungslosigkeit am Ende. Vielleicht würden sie im Gesamtkontext eines darauf folgenden vierten Films mehr Sinn machen, doch hier sind sie kaum von Relevanz. Schade.

Der Heldentod ist ebenfalls eine Sache, die vielen nicht schmecken würde. Immerhin: Achtlosen Umgang mit den berühmtesten Geisterjägern der Welt kann man diesem Drehbuch nicht vorwerfen, sie spielen die Hauptrollen.

Hier könnt Ihr das Drehbuch lesen.

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