Alles doppelt

(RGB Episode 89, Staffel 3 – „The Copycat“, Autor: Michael Reaves)

Von Rain

FolgeImFokus7AGeisterhafte Unruhen im Hause einer Dame mit Pudel. Die Geisterjäger untersuchen die Angelegenheit, werden allerdings nicht fündig. Der Grund: Der Geist ist ein Formveränderer, der sich in jeden beliebigen Gegenstand oder Lebewesen verwandeln kann. Er wittert Spaß mit den Jungs und fährt kurzerhand mit in die Feuerwache. Es folgen verwirrende Spiele des Metamorphs mit den Jungs, Slimer und Janine als seine unfreiwilligen Mitspieler. Als Copycat-Peter sabotiert er Winstons Auto-Reparatur – als Hamburger-Klon ängstigt er Slimer – als Duplikat von Peters geliebter Hulamädchen-Lampe schwingt er seine Hula-Hüften. Als die Geisterjäger endlich begreifen was vor sich geht, ködern sie den Nachahmer mit einem Spiel, dem er nicht widerstehen kann.

Mit Staffel 3 hielten Neuerungen in die Serie Einzug, die das starke Konzept der RGBs von Staffel zu Staffel immer mehr verwässerten. Janine wird mutterhafter… Slimer kann sprechen und bekommt mehr Aufmerksamkeit… Ray wird schlanker, etc… Mehr dazu in einer späteren Folge Im Fokus.
Insgesamt ist Staffel 3, trotz der neuen Maßstäbe der Serie, aber immer noch recht sehenswert. Nicht zuletzt liegt das mitunter an drei Folgen, die sich, eher als die restlichen Episoden, noch etwas kantiger und eine Spur mehr wie Staffel 2 anfühlen. Neben „Slimer, der Verwandlungskünstler“ und der außergewöhnlich düsteren Episode „Der Grundel“ wäre da vor allem „Alles doppelt“ zu nennen.

Dabei ist „Alles doppelt“ natürlich eine reine Slapstickfolge. Das Konzept des Verwirrung stiftenden Gestaltenwandlers ist überhaupt nicht neu. In gefühlt jeder Trickserie bekommen es die Helden irgendwann mit einer Art Doppelgänger zu tun, der sie piesackt… Hier wird es aber temporeich und zum Teil herrlich absurd auf die Bühne der Geisterjägerzentrale gebracht. Die Figuren agieren oft selten blöde auf den Quälgeist, aber Blödelei ist eben das Konzept der oft sehr cartoonigen Folge. Dies wird gleich am Anfang einmal selbstironisch auf den Punkt gebracht als sich der Geist ausgerechnet als Ghostbusters-Logo unserer Helden tarnt und sich über dem bestehenden Logo auf Ecto-1 platziert um sich über sie lustig zu machen. Dabei ruft er den, über die Serienwelt hinaus bekannten, Kult-Slogan der Geisterjäger „Who you gonna call?“ (der idealerweise in der deutschen Synchro im Original gelassen wird) und lacht sich danach kaputt. Oder wie Peter später in der Folge die Albernheiten zusammenfasst: „Kommt, wir müssen dem Stuhl hinterher, bevor er sich in ein Sofa verwandelt.“ Grade im Vergleich zur allwöchentlichen Bedrohung unserer Freunde durch mächtig böse Monstergestalten erscheint die Folge als verdienter Ausgleich für die Jungs – sowie natürlich auch für ihre Fans vor dem Bildschirm, die ebenfalls mal durchatmen dürfen.
„Alles doppelt“ bleibt dabei immer formal und technisch gut ausgearbeitet und hebt allein schon damit den allseits bekannten Doppelgänger-Plot über den Durchschnitt. Die Zeichnungen sind gut bis okay und der Ablauf hat stets ein straffes Tempo und schöne, humorvolle Storyboard-Ideen.

FolgeImFokus7BNaja, ganz so locker bleibt es dann doch nicht für unsere Jungs… Spätestens als der Metamorph Egons und Rays frisch gebasteltes Transdimensionales Tor entdeckt, mit dem die Wissenschaftler gefangene Geister direkt in eine andere Dimension schicken wollen, wird es gefährlich. Hier öffnet Egon im Chaos nämlich versehentlich ein Portal-Feld aus dem uns direkt ein alter Bekannter entgegen springt. Es ist ein Terror-Dog, den es in der Serie bereits in der Folge „Egon löst sich auf“ zu sehen gab. Muss wohl eine ganz ähnliche Dimension sein… Im Gegensatz zu Gozers schwarzer Filmversion der Hunde, sind sie in der Serie blau. Aber das macht sie nicht unbedingt zahmer… Mit etwas Mühe kann Egon das Ungetüm wieder zurück ins Portal schicken. Dort muss der Hund bleiben, bis er im neuen Vorspann der Serie ab der vierten Staffel wieder auftauchen darf.
Gleich im Anschluss an diesen Schock wartet dann direkt ein zweiter alter Bekannter auf die Geisterjäger. Besser gesagt, auf Ray. Denn dieser findet auf dem Boden plötzlich ein altes Comicheft von seinem Lieblings-Superhelden Captain Steel! Um den Cap ging es in einer ganzen Folge aus Staffel 2: „Captain Steel, Rächer der Gerechten“, die zeigte, was passiert wenn Comichelden plötzlich zum Leben erwachen. In „Alles doppelt“ darf Steel noch mal rumfliegen. Mächtiger Spoiler-Alarm: Natürlich ist der Captain nur der Formveränderer… Trotzdem sind Terror-Hund und Captain-Steel zwei nette Cameo-Überraschungen innerhalb der Serie, die die Folge natürlich noch einmal stark aufwerten.
Auch andere kleine selbstironische Gesten der Serien-Kreativen, lassen die Episode lebendig wirken… Slimer dudelt das bekannte GB-Thema bei der Essenszubereitung… Winston zwinkert dem Betrachter (uns) in einer Szene kurz zu… Was uns hier vielleicht gesagt werden soll: Wir drehen vor dem Abstieg der Serie noch einmal auf – kommt mit und habt Spaß mit uns.

Ein Spaß ist es übrigens auch wie der Nachahmer durch die Szenerien der Feuerwache huscht und dabei immer laut schallend lacht. Unweigerlich muss man an die deutschen Dialog-Aufnahmen denken und an Serien-Sprecherin Renate Danz, die dem Metamorph ihre Stimme leiht. Zumindest in diesem Fall scheint sie mindestens genau so schräg drauf zu sein wie ihre verrückte Rolle.
Das wahre Aussehen des Gestaltenwandlers bekommen wir in der Folge übrigens gar nicht zu sehen. Der switcht von Duplikat zu Duplikat und macht dabei auch vor dem Aussehen der Geisterjäger nicht halt. Peter ist überrascht, dass er es sogar bei Egon schafft. Armer Egon… Gleich zweimal trifft es an diesem Tag den Wissenschaftler mit Tolle. Ausgerechnet der liebe Ray gibt nach der erfolglosen Wohnungsuntersuchung bei der Pudel-Dame den Kommentar ab: „Ist euch aufgefallen, dass der Hund die gleiche Frisur wie Egon hatte?“

Was ist etwas ZU blöde? Wenn Ray und Winston auf der Suche nach dem Geist im Küchenschrank eine Käse fressende Maus finden, die ihre ganze Aufmerksamkeit bekommt, wirkt das leider einfach etwas zu kindlich und verbraucht. An anderer Stelle lässt Egon mal eben überall in der Zentrale dicke Ecto-Barrieren herunterfahren damit der Geist nicht entkommen kann. Zwar stopft man damit das Plot-Loch warum der Geist nicht einfach wieder verduftet, trotzdem wirkt dies arg konstruiert und selbst für Egons Verhältnisse einfach unrealistisch. Im Kontext der starken Selbstironie der Folge kann man allerdings über beides leichter hinwegsehen als in den ganz späten Episoden.

Fazit: „Alles doppelt“ ist wegen ihres einfachen Plots und ihrer cartoonigen Slapstick-Einlagen vielleicht nicht grade jedermanns Fall, punktet aber durch Tempo, Technik und Selbstironie und ist eigentlich sehr sympathisch. Vielleicht wäre die Folge in der unverwässerten Staffel 2 noch etwas konsequenter umgesetzt worden… Bis dahin reicht es aber für:

PKE-Punktewertung: 7/10

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