Eine irre irische Fee

(RGB Episode 34, Staffel 2 – „Banshee Bake A Cherry Pie?“, Autor: McCoy & Hickey)

Von Rain

Peter testet seine neue Stereo-Anlage mit der Schallplatte des angehenden Superstars Shanna O’Callahan. Als der aktuelle Hit der Sängerin läuft, fängt die Bude der Geisterjäger buchstäblich an zu wackeln, Wände beben und Geräte explodieren. Die Sache ist schnell klar: Shanna ist ein irischer Geist, ein Banshee, der durch seinen Gesang die totale Zerstörung verursachen kann. Die Auslieferung der Platte muss gestoppt und ihr großes Konzert in der Carnegie-Hall verhindert werden. Bis dahin müssen die Jungs gegen gierige Produzenten, aggressive Hausmeister, einen unter Shannas Liebes-Bann geratenen Peter und gegen die irische Fee selbst ankommen.

Das Grundgerüst der Geschichte ist wie bei fast allen Folgen der langen zweiten Staffel besonders toll gelungen: Die Geisterjäger gegen die zerstörerische Kraft der Musikindustrie! Zunächst beginnt die Geschichte aber eher klein und privat im Wohnbereich der Geisterjäger. Wir sehen Peter und Egon wie sie ihren Tag gestalten (beide noch im Schlafanzug). Egon liest ein Buch. Peter will dagegen seine neue Musik-Anlage ausprobieren. Ein witziges Wortgefecht auf Geisterjägerart beginnt: Egon kritisiert, dass Peter so viel Geld für die Anlage ausgibt – Peter kontert, dass Egon das Selbe für seinen Computer getan hat, dem er übrigens den Frauennamen Marsha gab. Peter legt seine Shanna-Platte auf und die Situation explodiert im wahrsten Sinne…
Mit dem zerstörerischen Banshee wird, wie meist in der Serie, aus bestehender Mythologie geschöpft. Irische Sagen um diese Geisterfrauen sind mannigfaltig. Sie wurzeln in keltischer Mythologie, in der der Banshee meist den bevorstehenden Tod eines Familienmitgliedes ankündigt. Besonders interessant ist dabei ihr markerschütterndes Geschrei, das den Hörer besessen bzw. wahnsinnig macht oder direkt umbringen kann. Was passieren kann wenn es sich eins dieser Wesen überlegt, seinen Gesang auf Platte zu pressen um damit gleich ganz Amerika zu erreichen, zeigt die Folge auf augenzwinkernder RGB-Art.
Dabei wird der Banshee in der Folge von Pop-Produzent Vince und dem Veranstalter der Carnegie-Hall unterstützt, die natürlich längst unter Shannas bösem Bann stehen. Ein Hausmeister der Probebühne kommt dabei nicht mehr gegen das Chaos und die Zerstörung der dunklen Fee an, er wird selbst aggressiv und schwingt seinen Besen wie eine Ninja-Waffe gegen die Geisterjäger. Im Talent-Casting Büro des Produzenten sehen wir indes gescheiterte Künstler-Existenzen, die auf ihren großen Durchbruch im Showbiz warten. Dabei wirken Bauchredner, Hippie-Songwriter und Feuer-Akrobatin natürlich längst verbraucht. Die morsche Puppe des Bauchredners fängt sofort das Feuer der Akrobatin und verkohlt zu einem kleinen Haufen Asche.
So ist die ganze Geschichte durchaus kritisch zu verstehen und spiegelt Pop-Stars, Starkult, die Musik-Industrie und ihre Machthierarchien, sowie die oftmals sehr zweifelhaften Botschaften in Pop-Songs, die wahrlich zerstörerisch sind – natürlich in einem nicht so direkten Sinne wie in der Episode dargestellt. Man fragt sich wie ein aktuelles Update der Folge in Zeiten von TV-Castings, Eintags-Boygroups und direkten Musik-Downloads aus dem Netz aussehen würde… Jedenfalls würde es wahrscheinlich niemanden mehr überraschen wenn sich Lady Gaga plötzlich als Banshee outen würde.

Leider hält die Folge im späteren Verlauf die Stärke ihres viel versprechenden Grundkonzeptes nicht ganz aufrecht. So verliert die Geschichte ausgerechnet ab der Konfrontation mit Shanna etwas. Desweiteren sind Storyboard und Ausarbeitung der Episode leider nur auf das wesentliche beschränkt; die Animation ist eher grob (am meisten schade ist dies bei Shanna und ihrer monströsen Banshee-Erscheinung im Finale) und teilweise sogar etwas fehlerhaft (Jungs wechseln von einer Einstellung zur nächsten ihr Outfit). Die Hintergründe und Szenerien wirken leider meist karg. Grade vor der Kulisse der schillernden Musikwelt und vor allem beim großen Konzert in der Carnegie-Hall hätte man sich ein besseres Animationsteam gewünscht, das insbesondere zu dem coolen Song der Folge mehr Tempo, Pep und auch Pop aus dem Material rausgeholt hätte.

Apropos Song. Gab es in der ersten Staffel noch extra produzierte Songs der Gruppe Tahiti im Hintergrund zu hören, so kann die zweite Staffel in dieser Folge immerhin mit dem Hit der Banshee-Sängerin auftrumpfen. „Love Makes Me Live“ kommt aus der Feder der Serien-Komponisten Levy und Saban. Peter hört das Lied zunächst über Stereo-Anlage. Im Verlauf träumt Peter dazu sogar ein ganzes Musikvideo zusammen, in dem er und Shanna die Hauptrollen spielen, während Slimer das Saxophon schwingt. Zwar gab es eine ähnliche Version des Liedes bereits in der Serie She-Ra zu hören, für die Saban und Levy ebenfalls die Musik beisteuerten, dennoch stellt der Aufwand einen richtigen Songs für die Folge zu produzieren eine Sonderstellung im Zeichentrickfernsehen der 80er dar, das in solchen Fällen meist auf Musik aus dem Archivmaterial zurück greift. Der Song klingt nach typischem 80er-Jahre Pop. Man würde ihn sich auf einem Soundtrack zur Serie wünschen.

Für das gesamte deutsche Dialogbuch der Serie ist Rebecca Völz verantwortlich, die in dieser Folge übrigens Shanna selbst die Stimme leiht. Kühl und erhaben gibt sie die Banshee-Fee – ganz im Kontrast übrigens zu ihrer liebevollen, warmen Autorenarbeit für die tollen Dialoge der Serie. Rebecca ist Schauspielerin und Synchronsprecherin. In RGB spricht sie u.A. auch Marie aus „Der merkwürdige Fasching“ oder Kate aus „Der kopflose Motorradgeist“. Als Produzent Vince ist in der Episode Schauspiel-Ikone Wolfgang Völz zu hören. Dieser ist natürlich der Vater von Rebecca Völz und Benjamin Völz (Egon). Mutter Roswitha Völz gibt es gelegentlich auch in der Serie zu hören (zB. als Opernhaus-Diva). Leider nicht in dieser Episode, sonst wäre die Familienfeier komplett gewesen.

Nachdem Banshee Shanna vor dem applaudierenden Publikum der Carnegie-Hall eingefangen wurde, kann es sich Peter natürlich nicht nehmen lassen, vor das Mikro zu treten um sich persönlich an die Leute zu richten. Doch bevor er ins Detail gehen kann, zieht ihn Egon von der Bühne: „Im Interesse der Menschheit möchte ich dich bitten sofort die Bühne zu verlassen. Wir haben für heute Abend schon genügend falsche Töne gehört.“ Produzent Vince könnte Venkman indes als Pop-Star Dr.V vermarkten. Klingt verführerisch… Doch Peter bleibt der Geisterjagd treu.

PKE-Punktewertung: 6/10

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