Geisterjäger des Jahres

(RGB Episode 61, Staffel 2 – „Ghostbuster Of The Year“, Autor: Mark Edens)

Von Rain

FolgeImFokus3A

Nach erfolgreicher Geisterjagd an einem Busbahnhof werden die Jungs von einer Sprecherin des angesehenen Charles-Foster-Hearse Verlags kontaktiert: Der Geisterjäger des Jahres soll ermittelt werden. Er darf auf das Cover der „Spuk-Illustrierten“. Die Jungs sind begeistert, doch nur derjenige darf auf das Titelblatt, dem es gelingt den ruhelosen Geist des Verlagsgründers in seinem riesigen Anwesen einzufangen. Winston besteht auf Teamarbeit, doch Peter, Ray und Egon wandeln bereits auf Solopfaden. Jeder macht dabei Bekanntschaft mit dem kauzigen Hearse-Gespenst, das einige Tricks auf Lager hat. Was bedeutet das Wort „Rosebud“?

Geisterjäger des Jahres ist unbedingt eine Empfehlungsfolge. Neben den guten Gags und der tadellosen Animation vereint die Geschichte alle Elemente, die RGB auszeichnen, in Höchstform: Grusel, Charaktermomente, Action, Humor, Popkulturanspielung, sowie eine emotionale und überraschende Auflösung. Janine und Slimer werden dabei gänzlich außer Acht gelassen. Im Mittelpunkt der Folge stehen Peter, Egon, Ray und Winston, die um den Magazin-Covertitel kämpfen. Zugegeben, das plötzliche Konkurrenzdenken der Jungs überrascht etwas. Winstons Motto der Episode „Wir sind ein Team“ war diesbezüglich auch für den Fan stets Leitfaden für den Zusammenhalt der vier Helden. Andererseits wird der plötzliche Ehrgeiz von Peter, Egon und Ray nachvollziehbar hergeleitet: Nach der Geisterjagd am Bahnhof sind alle etwas angegrämt als Peter von den Presseleuten mal wieder als der Held der Gruppe gefeiert wird. Egon/Winston/Ray geraten in den Hintergrund und sogar ihre Namen werden von einem Reporter falsch zitiert. Darüber hinaus lernen wir im Verlauf Egons und Rays Begeisterung für die para-wissenschaftliche Arbeit des Verlagshauses kennen, was natürlich ihrem Entschluss, Geisterjäger des Jahres zu werden, einen greifbaren Hintergrund gibt. Egon träumte schon immer davon einmal auf dem Cover zu sein – was den Zuseher (und Peter) überrascht. Hier kommen feine Schichten unter dem trockenen Wissenschaftler zu Tage, die seine Persönlichkeit erweitern. Ganz typisch für die Serie. Schon als Kind hat man es positiv aufgenommen, wenn die Helden auch Emotionen zulassen bzw. sogar unheldenhafte Züge wie Siegeswillen oder Egoismus zeigen. Und Peter? Der ist sowieso eine Rampensau – sein Wille zum Coverhelden ist da nur logisch.

(Spoiler) Das Ende der Folge entschädigt dann NATÜRLICH für die leichte moralische Verfehlung der Jungs in dieser Episode und stellt final klar: Die Geisterjagd ist ein Geschäft für Teamplayer. Alle zusammen werden Geisterjäger des Jahres. …auch wenn es wiederum etwas fragwürdig bleibt warum die Jungs am Ende auf den jeweils anderen zeigen als die Verlagsgesandte nach dem Fänger des Geistes fragt. Denn abgesehen davon, dass niemand den Geist gefangen nehmen konnte, ist es am ehesten noch Winston, der den entscheidenden Beitrag leistet. Vielleicht aber auch einfach ein cleverer Plan der Bande.

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Neben der Geschichte sind es vor allem die erstklassige Animation, sowie die guten Gags, die die Folge auszeichnen. Die Witze profitieren andersrum wieder aus dem tollen Timing/Tempo der Animation (mehr dazu in späteren FiF). Und von guten Witzen gibt es in dieser Episode viele und für jeden Geschmack etwas. Als die Jungs über das Für und Wider des Titelhelden-Wettkampfes diskutieren, kommentiert Peter: „Jedes Team braucht seinen besonderen Spieler; der Mittelstürmer einer Fußballmannschaft, die Sturmspitze eines Hockeyteams, der Huey Lewis von den News.“ Als Kind hat man das nicht verstanden (im Hörspiel zur Folge wird Peters Monolog sogar vorzeitig abgeschnitten) – umso besser funktioniert der Gag heute. Erst recht natürlich vor dem Hintergrund, dass Songschreiber Huey Lewis in der Zeit zwischen GB-Film und Trickserie vor Gericht ging mit Plagiatsvorwürfen gegen Ray Parker Jr., dem er den Notenklau aus seinem Lied „I Want A New Drug“ vorwarf. Man einigte sich später außergerichtlich.

Aber auch unsere flotte deutsche Seriensynchronisation stimmt mit freier Übersetzung in die Gagparade ein, in Momenten wo die Originalfassung nicht ganz so gelungen daher kommt. Am Busbahnhof fährt die Kamera an einer gelangweilt wartenden Menschenmasse vorbei, die sich vom TV berieseln lässt. Es läuft eine Gameshow: „Es tut mir leid, aber das ist die falsche Antwort. Und das hier wäre Ihr Preis gewesen.“ „Jetzt reicht’s mir aber, wieso zeigen Sie mir den, wenn ich ihn sowieso nicht bekomme?“ „Damit Sie sich so richtig ärgern können.“

Barbara, die Abgesandte des Verlags, sowie das Hearse-Gespenst selbst, sind tolle neue Figuren. Barbara Mentease(!?) steht dabei ganz in der Tradition der starken und besonderen Frauenfiguren aus dem GB-Film. Sie erinnert an eine noch taffere Dana, von der sich Peter logischerweise angezogen fühlt, und die ihn noch kälter abblitzen lassen wird.

Das Hearse-Gespenst darf in keiner Geister-Top-10 fehlen. Es schafft vor allem einen tollen Bogen völlig unterschiedlicher Reaktionen zu erzeugen. (Spoiler) Anfänglich geht von ihm tatsächlich eine Gefahr aus für die Geisterjäger, dann kommt allerdings der eher hilflose Aspekt der Figur in den Vordergrund und wir erkennen, dass der Geist nicht aus Bösartigkeit reagiert – er will einfach nur in Ruhe nach „Rosebud“ suchen und weckt sogar unser Mitleid. Sein skurriles Charakter-Design mit roten Dropsaugen und weißem langen Schnurrbart sowie die einzigartige Synchronstimme von Santiago Ziesmer (Spongebob) unterstreichen dabei die Wandlungsfähigkeit der Figur von furchterregend bis total niedlich. Bei der großen Auflösung am Ende, wenn der Geist endlich seine wohlverdiente Ruhe findet und über beide Wangen strahlt, ist man sogar zu Tränen gerührt. Großes Kino in 22 Minuten.

(Spoiler) Der Geist sucht nach seinem Schlitten und findet ihn natürlich am Ende. Die ganze Geschichte, sowie Namen und Orte der Episode, sind eine Anspielung auf den Film „Citizen Kane“ von Orson Welles aus dem Jahr 1941. Der Film gilt heute als Meilenstein des Kinos wegen seiner damals innovativen Inszenierung. Im Film gibt es den Zeitungsmagnaten Charles Foster Kane, der sich ein Verlagsimperium aufbaut, dann aber Niederlagen einstecken muss und am Ende einen einsamen Tod in seinem abgelegenen Schloss erleidet. Am Ende seines Lebens ist er auf der Suche nach Rosebud, seinem Schlitten aus Kindertagen, mit dem er die glücklichste Zeit seines Lebens verbindet. Kommt uns das bekannt vor? Es ist als würde die RGB-Folge das Film-Ende aufnehmen und die Geschichte weiter erzählen – auf Ghostbusters-Art.

Filmfigur Charles Foster Kane basiert dabei mehr oder weniger auf dem realen Menschen William Randolph Hearst, der eine Aufführung des Films vor seiner Premiere sogar mit allen Mitteln verhindern wollte. Das Gespenst (und sein aufgebautes Verlagshaus) „Charles Foster Hearse“ übernimmt in RGB als Namen also eine Mischung aus Filmfigur CHARLES FOSTER Kane und eine abgewandelte Version des realen Menschen William Randolph HEARST.

Der Film Citizen Kane erzählt die Geschichte von Aufstieg und Fall eines Mannes, der seine Ideale verrät und am Ende seines Lebens einsam und verbittert stirbt. Ein Motiv, dass in der Folge auch von den Geisterjägern aufgegriffen – allerdings viel positiver aufgelöst wird: Bevor sie ihre gemeinschaftlichen Ideale für den persönlichen Ruhm verkaufen besinnen sie sich auf das wirklich wichtige: Freundschaft in der Gruppe, Teamarbeit bei der Geisterjagd und das Teilen des Titels „Geisterjäger des Jahres“.

PKE-Punktewertung: 10/10 – Signalausschlag: Top-10 Episode!

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