Folge im Fokus: „Das zweite Bermuda-Dreieck“

(RGB Episode 22, Staffel 2 – „Venkman’s Ghost Repellers“, Autor: Richard Mueller)

Von Rain

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Schiffe verschwinden auf mysteriöse Weise auf den Gewässern vor New Jersey. Die Geisterjäger haben allerdings andere Probleme: Peters geschäftstüchtiger Vater ist aufgetaucht und verkauft unter Ghostbusters-Firmennamen geisterabweisende Umhänge – die natürlich nicht funktionieren. Als Venkman Senior durch seinen gaunerhaften Geschäftstrieb direkt mit den Ereignissen auf hoher See verkettet wird und verschwindet, machen sich die Jungs auf, das Rätsel um das New Jersey Parallelogramm zu lösen. Ein dimensionsübergreifendes Abenteuer liegt vor ihnen.

Das zweite Bermuda-Dreieck ist sicher eine der Folgen, die im Alter dazu gewinnt. Es gibt kein Monster der Woche, kein einfaches Zap-N-Trap, keine Slimer-Gags – stattdessen sehen wir einen Familienkonflikt (bei dem Peter Kontur gewinnt), eine komplexe, sphärische Bedrohung, sowie authentische Verweise auf Kultur und Geschichte, wie eben das zweite Bermuda-Dreieck selbst oder die verschwundenen Schiffe, wie die Bismarck, dem größten Schlachtschiff der deutschen Kriegsmarine, die 1941 sank. Als Kind konnte man damit weniger anfangen als mit den etwas bunteren Episoden. Umso besser funktioniert die Folge heute. Highlights sind dabei natürlich das Parallelogramm-Spukphänomen selbst und Peters Vater, den wir (und die Jungs) in dieser Episode das erste Mal kennen lernen.
Autor Richard Mueller gestaltet Peters Vater dabei konsequent. Im Film vergleicht Dana Peter mit einem Gameshow-Moderator. Sie hat ja keine Ahnung, dass dieser Vergleich viel besser auf Mr. Venkman Senior passen wird, der Peters Attribute vereint und überspitzt: Er ist ein selbstsicheres, geschäftstüchtiges Schlitzohr. Diesem Mann, mit kecker Fliege und verschmitztem Lächeln würde man jeden Anti-Geister-Umhang abkaufen. Peter verblasst dagegen sogar, wirkt plötzlich ungleich menschlicher und man erkennt die leichte Tragik zwischen Vater und Sohn: Beide lieben sich natürlich, doch mit ihren ähnlichen Charaktereigenschaften erfahren beide kein leichtes Los – weder im Leben, noch in ihrer gemeinsamen Beziehung. Beide werden in der Folge über sich hinaus wachsen… Am Anfang der Folge tritt Peter untypischerweise frisch geduscht mit freiem Oberkörper auf. Symbolisch betrachtet lässt er damit jeden Schutzwall um sich herum fallen und ist bereit für einige persönliche und emotionale Konfrontationen in dieser Episode. Zufall? In einer späteren Folge, in der Peters Vater erneut auftaucht und die in der Beziehung Vater/Sohn noch etwas intensiver wird, tritt Peter ebenfalls wieder den ersten Kontakt am Telefon mit freiem Oberkörper an.
Peters Vater wird also in einer späteren Episode wieder auftauchen. Wie wir am Ende von „Bermuda-Dreieck“ erfahren verschlägt es ihn nach Alaska. Dort setzt dann die Folge „Das achte Weltwunder“ an und wir sehen wie Venkman Senior vor Ort einen antiken Eis-Dämon in Besitz nimmt um mit ihm in einer Publikumsshow in New York das große Geld zu machen. Diese Art „Continuity“ gibt es ansonsten kaum in der Serie. Danach taucht seine Figur dann noch einmal in der allerletzten Staffel der Serie auf („Der Schatz von Sierra Tamale“). Die Kreativen von RGB haben bis dahin allerdings längst gewechselt und die Figur ist optisch und charakterlich leider ungleich austauschbarer geworden.
Was die deutsche Synchronisation von Mr. Venkman betrifft, so ist diese leider ähnlich inkonsequent. In Bermudadreieck wird er von Fritz-Georg Beckhaus gesprochen – in Weltwunder ist es der große Wolfgang Völz. (Letzterer ist übrigens im echten Leben der Vater von Egon-Sprecher Benjamin Völz – womit sich auch außerhalb der Serie der Familienkreis schließt.) Ich könnte gar nicht bestimmen wer nun der passendere Sprecher für Senior-Venkman ist und mag beide sehr. Beckhaus klingt etwas ganovenhafter – Völz etwas väterlicher. In diesem Sinne ist es also nicht schade um den Sprecherwechsel, in einer ansonsten sowieso perfekten Seriensynchronisation.

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Dann haben wir das New Jersey Parallelogramm, das faszinierende Spukphänomen der Folge. Es ist eine kleine Variante des allseits bekannten Bermuda-Dreiecks, einem Seegebiet zwischen Florida und Puerto-Rico, in dem bis heute auffällig viele Schiffe verschwunden sind. Glaubt man der einen Seite der Meinungen zum „Teufelsdreieck“ auf hoher See, so geschehen dort unterm Strich nicht mehr Unfälle als auf anderen Teilen des Ozeans – glaubt man der anderen Seite, so soll vor Ort bereits Columbus über ein Verrücktspielen seines Kompasses berichtet haben. Heutige Zeugen berichten von Lichtern, Ufos und Zeitverschiebungen. Vermutungen ranken sich sogar von letzten Spuren der untergegangenen Zivilisation von Atlantis bis hin zu einem riesenhaften Tor zu anderen Dimensionen bedingt durch geografische Muster. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. 😉
Die Kreativen hinter RGB geben sich dabei die größte Mühe diesem Phänomen Charakter und Aussehen zu geben. Dies gelingt hervorragend. Erst recht weil eine finale Antwort um diese Para-Zone offen bleibt. Die Schiffe geraten zunächst durch eine Art leuchtendes Raster, das an die geografischen Linien des Globus erinnert, kommen dann in einen Tunnel (siehe Bild – okay, der ist natürlich sehr geprägt von den 80ern) und gelangen so in eine fremde, diffuse Dimension vor pinkem Hintergrund. Das ganze bleibt dabei surreal und etwas psychedelisch. Gottseidank haben wir unseren Egon, der ein paar Vermutungen zur Parallelwelt abgibt: Die Realität faltet sich, wobei keine Zeitlinie die andere kreuzt und alles aneinander vorbei existiert. Wie Origami. So sehen dann auch die vereinzelten Spukgestalten dieser Zone entweder wie maritime Wesen oder eben gleich wie Origami-Bastelfiguren aus. Am Ende ist Egon etwas enttäuscht, dass er nicht die Möglichkeit hatte, das Phänomen näher zu untersuchen. Ray tröstet ihn: Sie seien die einzigen, denen es bisher gelang so ein Spuk-Phänomen zu beseitigen. Protonenstrahler sei Dank.

Die Animation der Folge ist auf hohem Niveau. Generell wirkt sie durch die vielen animehaften Stilelemente noch etwas „japanischer“ als die allermeisten der anderen Episoden. Man schaue sich zB. die zahlreichen dynamischen Licht-Reflexionen auf Brillen, PKE-Geräten oder Torpedos an, die immer wieder cool aufblitzen. Oder die witzigen Gesichtsausdrücke der Figuren, die oft mehr zeigen als es das Skript verlangt, wie zB. Peter, der Ray die Zunge rausstreckt, etc… Gelegentlich treiben es die Animateure sogar auf die Spitze wenn die Figuren zu anime-typischem Slapstick neigen. Man betrachte die Szene mit den Jungs im kleinen Rettungsboot, bevor sie in den Wirbelsturm geraten. Dort ist die Animation ziemlich albern. Im positiven Sinne. Denn auch der leichte Animetouch ist stets ein gekonnter Bonus, der RGB optisch zu einer besonders coolen und zeitlosen Serie macht. Lange bevor die große Anime-Welle aus Fernost mit Akira und Sailormoon Deutschland erreichte.

PKE-Punktewertung: 9/10

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