Das Ecto-1-Debakel: Von einer Firma, die nichts lernt

Okay, nun ist es mehr oder weniger offiziell. Die Deadline für das Minimum an Vorbestellungen ist verstrichen, zuletzt kamen von den erforderlichen 100 Prozent gerade mal 38 zusammen. Das neue Modell des Ecto-1 im Maßstab 1:12 wird es wohl nicht geben.

Man fragt sich, ob man nun jene Fans bedauern soll, die unbedingt einen solchen Koloß ihr Eigen nennen wollten, oder aber stolz auf die größere Gruppe sein sollte, die sich hier aus Prinzip Mattel verweigerte oder gleich gar kein Interesse mitbrachte. Wahrscheinlich beides ein wenig. Mattel hatte sich in den Jahren der GB-Toyline keine allzu vielen Freunde gemacht, bis zum Schluß. Ein Auto, das nicht mal als Prototyp existierte, deshalb auch nicht im Voraus gezeigt werden konnte, wollte kaum jemand für über 200 Dollar vorbestellen.  Die Betreiber der größten US-Fanseiten sprachen Mattys Brand Manager auf zurückliegende Debakel z.B. mit dem Back to the Future-Hoverboard an ( dieses wurde als tolles Prop angekündigt und fiel sehr billig aus), diese Fragen wurden aber endweder ignoriert oder gelöscht (wie es seit Jahren geschieht).

Mattels Direktnerd-Vertrieb Mattycollector vergrault seit jeher Freunde des Fantastischen über die Ghostbusters-Marke hinaus. Die Geisterjäger-Figurenline ist schon letztes Jahr kläglich gestorben, dieses Jahr scheint es, trifft es neben unserem Ectomobil auch noch die DC Universe-Line (die ja eigentlich eine gigantische Käuferschaar anziehen sollte). Einzig Mattys Eigenmarke Masters of the Universe Classics kam – zumindest im Vergleich zu den Vorjahren – gerade so über die erforderliche Mindestbestellmenge, um mindestens bis Ende 2014 weiterproduziert zu werden. Die Gründe dafür liegen wohl zum einen daran, dass sich dieses Franchise von jeher in erster Linie über Spielzeug definiert, zum anderen und vor allem aber daran, dass die repräsentative Fanseite He-Man.org nicht unabhängig ist und mit allen Tricks und aufgesetzten Sympathiebekundungen die Fanbase selbst zu freiwilligen Werbeträgern instrumentalisiert wird. Die Argumentation des Konzerns, Produkte kaum aus Profitstreben, sondern vielmehr aus eigener Leidenschaft heraus auf den Weg zu bringen, findet hier ernsthaft Gehör und wird adaptiert. Andere Ansichten werden ungern gehört.

Tatsächlich hatten und haben alle Matty-Produkte ein extremes Potential, doch Mißwirtschaft, schlechter Kundenservice, dreistes Auftreten, verlogene Nerd-Solidarität und leider auch minderwertige Produkte an sich haben Mattel einen Möchtegern-Nimbus als Kultschmiede verwehrt. Mit Kritik wird nicht offen umgegangen – nur dann, wenn es gar nicht anders geht. Ein lebendiger Austausch und kritische Äußerungen sind aber explizit wichtig – Für alle, auch für die Firma, die ihr Geld verdienen will. Wenn wir als Kunden ihnen nicht sagen dürfen, was uns nicht schmeckt, dann haben sie keine Möglichkeit, sich zu verbessern. Wenn ein schlechtes Produkt nur bejubelt werden darf (wie im Matty-Forum oder auf anderen Seiten, auf die man den Einfluß ausdehnen konnte), dann wird es verschwinden, und am Ende fragt sich jeder, warum.

Die amerikanischen GB-Foren sind immer hart mit Mattel ins Gericht gegangen. Als Reaktion darauf hat sich der Brand Manager zurückgezogen und im eigenen Forum alle Mitglieder, die ähnlich kritisch waren, gebannt. Wenn Mattel unsere Lizenz noch länger behalten will, sollten sie endlich lernen. Ansonsten wäre es klasse, wenn endlich ein anderer Hersteller die Dinge richtig macht.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s