Ghostbusters, die Kultur der Sumerer und das Jahr 2012

Im Film Ghostbusters treten die Geisterjäger gegen die paranormale Bedrohung an – Architekt Ivo Shandor ebnet die Pfade um das Erscheinen des sumerischen Gottes Gozer zu erreichen, der darauf New York mit seinen beiden göttlichen Untertanen Zuul und Vinz und einer angezogenen Geisterhorde heimsucht um die Menschen mit zerstörerischer Macht zu vernichten.

Schaut man hinter die Mythologie der Geschichte, so treffen wir neben den Parallelen zur biblischen Offenbarung des Johannes (siehe GB-2012 – Teil 1), auf die uralte Kultur der Sumerer.

Die Sumerer gelten als eine der ersten Zivilisationen der Menschheit. In Mesopotamien, auf dem westlichsten Teil des indischen Kontinents, begann vor 6.000 Jahren die Kultur der Sumerer (Land: Sumer) aus der später Babylon und die Ägypter im nahen Afrika hervorgingen. Auf dem westlichen Kontinent entwickelte sich etwas später getrennt von einander die Kultur der Maya mit ähnlicher Architektur und Götterglaube. Diese im Grunde noch primitiven Stämme erschienen quasi aus dem nichts – die Entwicklung des Homo Erectus zum Homos Sapiens geschah vorausgehend scheinbar plötzlich, nachdem der Affenmensch Millionen von Jahre damit verbracht hatte als einfacher Höhlenmensch eine eher träge Entwicklung zu durchlaufen. Umso erstaunlicher ist das unglaubliche Wissen, das diese alten Kulturen besaßen. Die Sumerer beherrschten den Anbau von Nahrungsmitteln, schufen soziale Einrichtungen, und waren Großmeister in Bereichen der Astronomie, Geometrie und Mathematik. Die pyramidenartigen Tempel sind Stätten höchstentwickelter Architektur, faszinierender Zahlenberechnung und verschlüsselten Darstellungen des Himmel- und Sonnensystems, in denen ganze Planetenkonstellationen präzise verzeichnet sind, die zT. von der modernen Wissenschaft erst im letzten Jahrhundert entdeckt wurden. Die sich daraus ergebenen zyklischen Kalender dieser Ur-Völker üben grade heute eine große Faszination auf uns aus. Woher kamen das plötzliche Wissen und das fortschrittliche Handwerk?

Stöbert man in den alten Aufzeichnungen und Relikten ergeben sich faszinierende Möglichkeiten. Die Sumerer verehrten ihre Götter, mehr als 100 an der Zahl. Die Ur-Götter Nammu, Uras und An bilden den schöpferischen Anfang, ihren Abkömmlingen werden verschiedene Bereiche zugeordnet, wie zB. Kriege oder Städte. Der Gilgamesh-Epos gilt als eine der ersten Geschichten der Menschheit. Es ist von Göttern, die aus dem Himmel kamen, die Rede, von menschlichen Halb-Göttern, Riesen, von großen Flut- und Feuer-Katastrophen, von fernen Orten, fliegenden Tieren/Transportmitteln und Unsterblichkeit. Die Sagen der Griechen und Römer schöpfen aus diesen Quellen. Und auch in der Bibel finden sich viele der Darstellungen in abgewandelter Form wieder; Ähnlichkeiten zur Geschichte von Adam & Eva, der großen Sintflut, und den Göttern (die Bibel macht sie zu einem Gott), die immer wieder mit Rauch und Getöse herunter steigen und zu den Menschen sprechen, sind offensichtlich. All diese Schriften und Relikte bedienen sich aus uraltem universellem Wissen.

Es scheint als haben diese Götter den Menschen aktiv mitgeprägt. Wer waren diese Götter? Mit dem Gedanken an Phantasiegeschichten oder Naturverehrungen kommt man nicht weiter – dafür sind die Geschichten zu verwurzelt (auch bei anderen Völkern, wie eben den Mayas) und die übrig gebliebenen Relikte zu punktgenau. Sind reale Existenzen aus außerweltlichen Bereichen für diese Ur-Kulturen verantwortlich? Unter dem Begriff der Prä-Astronautik öffnet sich die Wissenschaft heute mehr und mehr diesem Ansatz, der rigoros gegen selbstgefälliges und doch lückenhaftes Schulwissen verstößt. Ganz gleich ob nun Außerirdische oder andere Existenzen, die Götter waren reale, körperliche Gestalten. Ein großer Vordenker in diesem Bereich ist natürlich Erich Von Däniken. Einige kluge Köpfe lassen übrigens die Möglichkeit nicht aus, dass die Götter nicht nur die damalige menschliche Kultur geprägt haben, sondern auch gleich für die Erschaffung des Menschen selbst verantwortlich sind: Gott schuf den Menschen nach seinem Ebenbild. Vom Affenmensch zum Wesen mit Potenzial durch Gottes Gene.

Zurück zum urbanen Setting des neuzeitlichen New Yorks im Ghostbusters-Film… Steinerne Wasserspeier und erhabene Statuen kündigen bereits zu Anfang des Films eine mystische, uralte und schlummernde Präsenz an, die die Zeiten überdauert hat und auf ihre Rückkehr wartet.

Wir erfahren, dass in Zeiten des ersten Weltkriegs Architekt und Arzt Ivo Shandor die Menschheit für zu krank zum Überleben hielt. Er benutzte seinen Einfluss um ein spezielles Hochhaus in New York zu errichten, das durch seine ungewöhnliche Bauart als Magnet und Antenne für energetische Geisterkräfte diente. Hoch oben auf dem Gebäude führte er mit seinen zahlreichen Kult-Anhängern bizarre Rituale für den Wiedereintritt des sumerischen Gottes Gozer in unsere Welt durch. (Im aktuellen Ghostbusters-Videospiel erfahren wir übrigens mehr über Shandors Masterpläne, die sich passend in den Film-Kanon einfügen.) Im Film war Gozer ein hoher Gott, der von den Sumerern und den Hethitern verehrt wurde. In unterschiedlichen Formen seiner Existenz fiel er über ganze (und ferne) Kulturen her und vernichtete ihre Völker.

In der Gegenwart machen Dana und Louis, zwei Bewohner des Shandor-Hauses, Bekanntschaft mit den hundeartigen Halbgott-Untertanen Gozers, Zuul und Vinz, die Besitz von den beiden Menschen ergreifen und auf das große unbekannte Zeichen warten um oben auf dem Dach ihre rituelle Vereinigung von „Schlüsselmeister“ und „Torwächter“ zu vollziehen. Als das geheime Zeichen wird die Explosion des Gespenster-Eindämmungscontainers der Geisterjäger gedeutet, die alle gefangenen Spukphänomene wieder befreit, das alte Shandor-Gebäude mit ausreichend geisterhafter Energie versorgt und die Wiederkunft Gozers mit Schrecken und Massenpanik unter den Einwohnern der Stadt perfekt macht.

So kommt es oben auf dem Dach des Gebäudes, vor einer riesigen Kultstätte mit Tempel und Zeremonienplatz, zur Begegnung der Geisterjäger mit dem Gott Gozer. In Form einer menschlichen Frau, mit bizarrer Kleidung und roten Augen tritt er/sie aus einem Dimensionsraum innerhalb der Tempeleinrichtung und begrüßt zunächst Zuul und Vinz, seine geliebten Günstlinge. Die Geisterjäger erblicken Nebel, Licht und eine außerweltliche Pyramide im inneren der fremden Dimension. Gozer stellt sich als der Reisende vor, der gekommen ist um zu zerstören. Ray wählt die Form Gozers, in der er über die Stadt herfallen wird; es ist der Marshmallow-Mann, eine weiße, dicke Seemannsfigur aus dem Werbefernsehen. Die Geisterjäger machen sich bereit ihre Protonenstrahlen zu kreuzen. Es ist die einzige Möglichkeit die Bedrohung zu stoppen. So gelingt es den Männern eine riesige Explosion herbei zu führen, die die Geisterenergie wieder in die fremde Dimension befördert und den Seemann in eine zähe Masse Marshmallow-Schaum verwandelt, die sich über die Straßen ergießt. Alles ist weiß und friedlich. Sogar Dana und Louis haben in den zu Stein gewordenen Hüllen der Terror-Hunde überlebt. Die Geisterjäger werden gefeiert. Sie sind Helden, Weltenretter und Götterbezwinger.

Gott Gozer bleibt eine Phantasie-Figur. Er und seine Halbgott-Gefolgschaft haben in den sumerischen Überlieferungen nicht existiert. Sein Auftritt schaut indes etwas vertrauter aus – Reliefs und Pyramiden in den Tempelbauten erinnern an die sumerische und ägyptische Kultur. Seine Mythologie greift außerdem Elemente der antiken Göttergeschichten auf. So ist in diesen immer wieder von den zornigen Göttern die Rede, die vom Himmel fahren (oder je nach Deutung eben aus dem Weltraum oder anderen Dimensionen) und ganze Landstriche bis hin zur gesamten Menschenschöpfung selbst zerstören. Man denke an die biblische Sintflut, oder die Zerstörung der Städte Sodom und Gomorrha, bei denen angeblich nur eine kleine Anzahl Ausgewählter überlebt hat. Die Wucht der Zerstörungen erinnert dabei an den Gebrauch atomarer Waffen… Ein strafender Gott fällt also in einer Vernichter-Form über die Menschen hernieder, weil sie zu krank zum Überleben sind. Hat Shandor etwa nur die Bibel studiert? In allen Schriften ist außerdem die Rede davon, dass die verschwundenen Götter in fernen Zeiten zurückkehren werden. Dieser Wiederkunft-Gedanke ist uralt und universell. In den Chilam Balam Schriften der Mayas ist zB. geschrieben; …“und wenn sie wieder vom Himmel steigen, werden sie neu ordnen, was sie einst schufen.“ Parallelen dazu finden sich auch in der düsteren Offenbarung des Johannes, die im ersten Teil beschrieben wurde.

Bleiben wir noch einen Moment bei den Mayas, den späteren Nachbarn der Sumerer auf dem westlichen Kontinent (ab ca. 1.500 v.Chr.). Eine kleine GB-bezogene Kuriosität findet sich in ihrer Sprache. Denn für das Wort „Hund“ gibt es bei den Mayas zwei Bezeichnungen; das eine ist „Tsul“ und das andere ist „Pek“. Ist es Zufall, dass diese Bezeichnungen stark an den hundeähnlichen „Zuul“ im Film, sowie an „Peck“ von der Umweltbehörde erinnern, der seinen Beitrag zur Geschichte leistet und die gefangenen Geister befreit? Von den Hethitern (die aus den Sumerern hervorgingen) ist indes überliefert, dass sie den Stier angebetet haben. Auch der Stier erinnert visuell stark an das Aussehen der beiden Terrorhunde im Film. Und die Sumerer sprechen von speziell gezüchteten Tempelwesen…

Am Ende des Films vergleicht Ray die Ereignisse mit der großen Explosion auf der sibirischen Tunguska Waldfläche, die sich 1908 zugetragen hat. Ray spricht zwar versehentlich vom Jahr 1909 (was wir dem gestressten Wissenschaftler natürlich nicht nachtragen), doch mit seiner Annahme, dass es sich auch damals um eine plötzliche Öffnung zwischen den Welten handelte, damit ist er nicht alleine. Wissenschaftler schließen keine Möglichkeit aus, nachdem Indizien für den Eintritt eines Meteoriten mehr und mehr widerlegt werden. Das Rätsel bleibt offen. Ein kleiner Vorgeschmack von Gozers Zerstörungskraft aus Zeiten in denen Shandors gefährliche Praktiken begannen?

Auch diesmal wieder ein Sprung zu The Real Ghostbusters. Was erfahren wir in der Geisterjäger-Serie über die alten Kulturen? Und beherrscht Egon vielleicht zufällig die Uralt-Sprache der Sumerer? Klar kann er die! Und zwar im Schlaf, unter Wasser und mit verbundenen Augen, wie der Wissenschaftler in der Folge „Das Tor zur Unterwelt“ mit dem Blick auf eine uralte sumerische Bodentafel kühl klar stellt. Die geometrischen, grotesken Schriftzeichen auf der Tafel, die auf das Konto der Storyboard-Künstler der Serie gehen, sehen der sumerischen Keilschrift übrigens tatsächlich sehr ähnlich.

Ganz im Geiste des GB-Films gibt es in der Top-Folge „Tummel und das Jenseits“ einen exzentrischen alten Milliardär, der sein Vermögen mit ins Jenseits nehmen will. Dies erreicht er in der obersten Etage seines Wolkenkratzers mittels einer riesigen Maschine, die wie eine technisierte ägyptische Pyramide anmutet. Nach dem abenteuerlichen Erklimmen der Geisterjäger des Hauses, das derweil zu einem Spukhaus geworden ist, weil Geister aus dem Jenseits durch das neue Tor in unsere Dimension gelangt sind, ist Egon höchst beeindruckt von den Apparaturen des Milliardärs. Er sagt, dass Tummels Vorhaben sehr den Methodiken der alten Ägypter ähnelt. Die ägyptische Kultur ist eine direkte Weiterentwicklung der sumerischen. Über die Pyramiden sagt man, dass diese höchstentwickelte Stätten ungeheuren Wissens über Astronomie, heilige Geometrie und Zahlensymbolismus seien. Weltoffene Wissenschaftler vermuten hinter ihnen tatsächlich antike Pforten zu höheren Orten und Bewusstseins-Ebenen der Götter. Und selbst engstirnige Wissenschaftler dürften zugeben, dass der Bau der Pyramiden aus riesigen, exakt geschliffenen und zentrierten Steinen von außerhalb der Region mit damaligem Verstand und primitivem Werkzeug unmöglich zu bewältigen erscheint.

In der Folge „Der babylonische Superman“ treffen wir indes auf Marduk, den babylonischen Gott der Stadt, der sich just New York ausgesucht hat um dort als Beschützer der Menschen zu dienen. Dumm nur, dass Marduk nicht ohne seinen bösen Gegenspieler Tiamat existieren kann, einem fünfköpfigen Drachen, der es sich im Central Park gemütlich macht. Die Geisterjäger kämpfen gegen Tiamat und besiegen ihn. Da die beiden Götter nur durch Ectosymbiose existieren verschwindet scheinbar auch Marduk… Die ansonsten leider eher mittelmäßige Episode greift hier zwei alte Göttergestalten des alten Babylons auf, deren Mythologie von den Sumerern übernommen wurde. Marduk war der Nationalgott der Babylonier, „Sohn des reinen Hügels“ und ein direkter Abkömmling des Hauptgottes Anuk. Die Interpretationen sind komplex und reichen bis zu Darstellungen ganzer Planten. So wird unsere Erde auch als Überbleibsel des Planeten Tiamat beschrieben, den der Planet Marduk zerstört hat.

In der letzten Staffel (bis zu der die Serie leider jede Qualität verlor) gibt es die Folge „Der Schatz von Sierra Tamale“. Die Geisterjäger reisen nach Mexiko und treffen in einem pyramidenartigen Tempel auf Quetzalcoatl, der mystischen fliegenden Schlange der Azteken. Neben den Azteken verehrten auch zuvor die Mayas den Gott Kukulkan, der aus einem fernen Land kam und die Menschen in Wissenschaften und Gesetzen unterwies. Als Quetzalcoatl wird er als gefiederte fliegende Schlange dargestellt. Und er verkündete, dass er einst wieder von den Sternen zurückkehren wird…

Die Bezüge zu sumerischen Mythen, Maya-Kulturen und phantastischem Götterkult sind also elementare Teile des Ghostbusters-Universums. Sie spannen den Bogen von unserer modernen, rastlosen Zeit bis zu antiken ersten Geschichten der Menschheit. Diese Idee gibt Ghostbusters nicht nur einen universellen Boden, sie ist natürlich auch ein großer Aspekt des Humors und des Phantastischen im Film. Man stelle sich eine Gottesmacht vor, die in der Gestalt eines pummeligen Werbemaskottchens über die Menschheit hereinfällt. Vielleicht ist’s aber wenig abwegig wenn man bedenkt wie sehr unser individueller Geist vom TV-Gerät geprägt ist. Was früher der Götterkult war, ist heute die beglückende aber leere und kontrollierende Welt der Medien für den Menschen geworden, die uns am Ende buchstäblich zerstört. Beißende Sozialkritik. Auch diese ist elementarer Teil von Ghostbusters.

Im Angesicht eines früheren Menschen dürfte der vernetzte Mann von heute, der durch die Sphären reisen kann und die Bausteine des Lebens wie Atome und Genetik längst entschlüsselt hat, wie ein Gott erscheinen. Haben wir unsere Ursprünge eingeholt? Die Geisterjäger erschaffen mit ihrer Ausrüstung, den Protonenstrahlern, menschliche Technik mit der sie eine Hoch-Macht bezwingen. Vielleicht wäre ein „JA“ als Rays Antwort auf die Frage Gozers, ob er ein Gott ist, die richtigere (und für die Geisterjäger bequemere) Erwiderung gewesen. Und was ist der nächste Schritt nachdem wir selbst zu den Allmächtigen wurden? Vielleicht erfahren wir 2012 die Antwort. 😉

Rain, Februar 2012

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Ein Gedanke zu “Ghostbusters, die Kultur der Sumerer und das Jahr 2012

  1. Ewig lange her als ich den Film gesehen habe. Und doch fasziniert mich die Idee hinter dieser Geschichte immer wieder. 🙂 Damals wie noch heute für mich ein klasse Film. (y)

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