Ghostbusters, die Offenbarung des Johannes und das Jahr 2012

Unser Rain hat sich Gedanken über die Hintergründe zu „Ghostbusters – Die Geisterjäger“ gemacht und das möchten wir Euch nicht vorenthalten!

Wir kennen die Szene aus Ghostbusters, in der Ray und Winston in Ecto1 sitzend über die geisterhaften Ereignisse des Films reden, während sie, erschöpft nach einem harten Tag der Geisterjagd, über die Manhattan Bridge nach Hause fahren. Dabei kommt Ray eine Bibel-Passage in den Sinn, die ihm passend auf die derzeitige Situation in New York erscheint. Es ist eine Stelle aus der Offenbarung des Johannes, die sich mit der Apokalypse, dem Ende der Welt beschäftigt. Ray zitiert dabei Kapitel 6, Vers 12 (im Film wird in der deutschen und amerikanischen Fassung fälschlicherweise Kapitel 7 erwähnt).

Diese im Verhältnis sehr dunkle und bedächtige Szene ist für den Film sehr wichtig. Sie bringt uns nicht nur die beiden Charaktere Ray/Winston näher und beleuchtet ein wenig ihre religiösen Ansichten – sie stimmt zudem mit ihrer Bedrohlichkeit gut auf die kommenden Ereignisse im Film ein und vermittelt ein starkes Maß an Authentizität, das eine sinnvolle Ergänzung zum prägenden Humor des Film ist und Glaubwürdigkeit vermittelt.

Sie bringt außerdem die Bedrohung um Gozer, Shandor und die verschiedenen Spuk-Phänomene auf eine höhere Ebene und gibt dem Zuschauer die zusätzliche Möglichkeit die Aussagen des Films zu hinterfragen und mit der Realität, bzw. der tatsächlichen Bibel-Botschaft in Verbindung zu bringen.

Was erzählt die besagte Stelle in der Bibel und ist sie den Ereignissen im Film tatsächlich sehr ähnlich? Wie so oft in der Bibel ist die Sprache in der Johannes Offenbarung (das letzte Buch des neuen Testaments) schwer zu verstehen und ihre bildhaften Darstellungen können sehr offen interpretiert werden. Es geht um die bevorstehende Apokalypse und die Ereignisse, die diese einleiten. Es beginnt mit dem Öffnen der 7 Siegel, die die 4 Reiter der Apokalypse freisetzen – setzt sich fort mit den 7 Engel, die, Posaune blasend, weitere schreckliche Dinge verbreiten und mit 7 Schalen verschiedene Seuchen über die Welt bringen – und gipfelt schlussendlich mit dem ultimativen Kampf Jesus gegen den Antichristen im Tal des Armageddon, in dem Satan besiegt wird. Am Ende gibt es einige Auserwählte, die diese Ereignisse überleben werden.

Harter Stoff – der aber auch, wie schon gesagt, in seiner bildhaften Darstellung viele Interpretationsmöglichkeiten offen lässt.

Neben Satan höchst selbst, der am Ende als Drache in Erscheinung tritt, ist von den beiden Tieren/Biestern des Landes und des Meeres die Rede, die diese Wiederkunft einleiten und in der Bibel als Menschen dargestellt werden. Sie werden als irdische Diener mit sichtbarer Macht beschrieben, als falsche Propheten, die viele Anhänger durch Betrug und Verführung um sich scharren.

Kommt uns das bekannt vor? Wie wir später im Ghostbusters-Film erfahren, hat die dargestellte paranormale Bedrohung erst ihren Ursprung in Ritualen aus der Zeit um den ersten Weltkrieg in denen Ivo Shandor mit seiner Sekte und vielen Anhängern das Ende der Welt einleitet. Dies würde gut auf obige Beschreibung passen. Er ist der Meinung, dass die Menschheit zu krank zum überleben sei – und ergreift so gesehen die Initiative um ein höheres Stadium der menschlichen Zivilisation einzuleiten, das er als angesehener Architekt und Arzt der Stadt mit aufwändigen Mitteln plant, etwa mit dem Bau eines New Yorker Hochhauses, das in der Lage ist geisterhafte Energien zu bündeln und daraus oben auf seinem tempel-ähnlichen Dach ein Verbindungs-Tor zu einer anderen Dimension entstehen zu lassen.

Den zweiten irdischen Macht-Menschen könnte der hochrangige Mitarbeiter des Umweltschutzamtes Walter Peck darstellen, der (unwissend oder gar wissend??) mit seinem ignoranten Befehl den Eindämmungscontainer in der Geisterjägerzentrale zu öffnen, direkten Einfluss auf die Verkettung der Ereignisse im Film ausübt. Denn es ist das absolute Zeichen des Aufbruchs für die beiden Öffner des Dimensionstores.

Diese Boten, im Film als eine Art Höllenhunde (Zuul und Vinz) dargestellt, die die beiden Menschen Dana und Louis in Besitz nehmen, könnten übrigens zwei weitere Deutungsmöglichkeiten um die „einleitenden Bestien“ aus der Bibel darstellen, und das natürlich im wahrsten Sinne des Wortes.

Die sieben Siegel die zu Beginn der Apokalypse geöffnet werden und die Reiter freilassen, die wiederum Zerstörung und Chaos verursachen, damit sind vielleicht, die geisterhaften Erscheinungen, bzw. die Aufträge der Geisterjäger selbst gemeint, die Ray und Co. ab dem Moment des Bibliothek-Spuks beschäftigen und die in der Auftrags-Montage in der Mitte des Films ihren Höhepunkt erreichen. Diese Meinung vertreten im Film eben nicht nur Ray und Winston, sondern auch der Vorstand der Kirche, der im Amt des Bürgermeisters zu den dort Anwesenden sowie dem Zuseher des Films spricht. Ganz schön viel Aussage für eine Komödie!

Eine weitere Idee wäre dann noch folgende… In der Bibel wird die zweite Bestie als aus dem Meer stammend beschrieben. Auch wenn im Film der große Zerstörer in Form des Marshmallow-Mannes Gozer selbst ist (also wohl eher der finale Drache/Satan höchst selbst) so war in der ursprünglichen Skript-Fassung des Films geplant, den pummeligen Seemann aus den Wellen des Hudson-Rivers entsteigen zu lassen. Aufgrund zu hoher Produktionskosten wurde diese Idee aber wieder verworfen.

Schauen wir auf das Ende von Bibelschrift und Film, so wird Satan/Gozer besiegt durch Jesus/Geisterjäger. Ein Geisterjäger als Erlöser? Ein Fazit, das diesmal vielleicht etwas zu weit geht? Nicht unbedingt, denn zum einen sind sich Ray, Peter, Egon und Winston am Ende bewusst, dass der Sieg über das Böse ihr Lebensopfer fordern wird, wie sich laut Bibel auch Jesus-Christus für unsere Sünden opferte (ein Umstand dem die Geisterjäger dank dem Gesetz des Hollywood-Kinos natürlich dann doch noch getrickst entkommen können), und zum anderen stehen die Männer mit ihren selbstgebauten Protonenstrahlern hier auch als frei entscheidende und bestimmende Individuen, als Verkörperung des amerikanischen Traumes der Selbstverwirklichung, als MENSCH selbst dar, dem das Göttliche innewohnt.

Die vielen Lichter und Explosionen auf dem Dach des Wolkenkratzers, der als Bühne der epischen Schlacht dient, runden das Bild der Bibel nur ab, das natürlich immer wieder von Feuern am Himmel spricht. Nicht zu vergessen auch das typische Erdbeben, das die Jungs verschluckt bevor sie das Hochhaus erklimmen.

Auch wenn der Film ohne Wissen um seine biblischen Pendants verstanden werden kann – es macht Spaß, quasi von Ray eingeladen, diese Parallelen zu finden und es stärkt den Film um eine zusätzliche Betrachtungsebene.

Und wie sieht es in der Realität aus? Sind Katastrophen, Apokalypse und Marshmallowmann direkt auf uns anwendbar? 2012 hat grade begonnen und es ranken sich bekannterweise viele Mythen, Drohungen und Voraussagen um dieses exakte Jahr, die ihren Ursprung meist im Kalender der uralten Zivilisation der Mayas nehmen. (Im Film sind es übrigens die Sumerer-Nachbarn, die im Film als Ursprungsort der eintreffenden Gottheiten genannt werden.) Aber auch irdischere Phänomene selbst wie die wissenschaftlich untersuchten gefährlichen Sonnenstürme, die Verschiebung des Erd-Magnetfelds oder der mögliche Ausbruch des größten Vulkans der Welt im Nationalpark Yellowstone könnten laut Experten für den „Weltuntergang“ verantwortlich sein und einen einleitenden Domino-Effekt darstellen. Wer es noch irdischer und realer haben möchte, der schlage die Zeitung auf und betrachte Naturkatastrophen (das Fazit aus Erd-Erwärmung/Verschmutzung) sowie den fortschreitenden Zusammenbruch von Wirtschaft, Welt-Bankwesen und Wertesystem des Menschen. Verschwörungstheorien ranken sich auch um Präsident Obama (sowie die amerikanische Regierung), der johannestechnisch das Sinnbild des vom Volk gewählten Machtmenschen/Bestie an der Spitze sein könnte. Sind wir etwa mittendrin in der Johannes-Offenbarung?

Scheinbar rein phantastische Elemente aus Ghostbusters, wie der zerstörerische Marshmallow-Mann bleiben dabei nicht ohne Kommentar, wenn man das Wildern des fetten Maskottchens der Werbewelt als Metapher für die menschliche Gier nach hohlem Konsumgut und die zerstörerische Wirkung von Medien und Werbung ansieht.

Auch wenn im Film nach einem Spuk in der Küche die absurd-witzige Frage gestellt wird was ein Sumerer-Halbgott in Danas Kühlschrank zu suchen hat, so schlägt dies den doppelten Boden des Films um und unterstreicht einmal mehr die unmittelbare und direkte Symbiose zwischen uns und dem was wir heraufbeschwören.

Alles scheint eben aktuell wie nie zuvor. Ein Zenit scheint erreicht.

Ist die „menschliche Gemeinschaft“ tatsächlich „zu krank um zu überleben“, um Shandor zu zitieren?

Die Antwort kann jeder für sich selbst entscheiden.

Ich persönlich bin kein Mensch der Religion. Ganz gleich um welchen Welt-Glauben es sich handelt, ich empfinde die Kirchen dieser Organisationen als vom Ursprungskonzept entfremdet, konzern-orientiert und selbstgefällig angepasst um dem Menschen mit Kitsch und Lüge Versprechungen zu geben um ihn, wie eben alle Konzerne und Machtmonopole, zu kontrollieren. Oft mit mehr als fragwürdiger Firmenphilosophie. (Am wenigsten aber noch deutlich in den fernöstlichen Religionen.) …Die Kirche selbst als die oben besprochene herrschende Bestie?

Ich gehe aber immer gerne an den Anfang zurück, an eine Basis die allen Dingen als Ursprung dient – auf denen eben auch Elemente der christlichen Bibel beruhen, bevor sie durch menschliche Hand (unwissend und bewusst), sowie Übersetzungs- und Interpretations-Fehlern, entstellt wurden. Ich sehe den Schöpfer als notwendig an. Im Zweifel aber eher Quantenphysik-Gesetz oder nicht-irdische Intelligenz als strafende/liebende Großvater-Figur. Der Kern diverser Bibelaussagen kann mMn. dennoch beibehalten werden, da sie sich wahrhaftiger Grundsätze bedienen und Allgemeingültigkeit besitzen. Vielleicht ist so gesehen ein Zusammenbruch von Dingen die entstehen (Völker, die wachsen etc.) eben einfach nur rein logisch, denn alles wächst so lange bis es eben eingeht.

Vielleicht ist der „Weltuntergang“ auch bloß rein symbolisch zu verstehen und stellt den Untergang des menschlichen Bewusstseins dar, der zugunsten eines neuen, verbesserten Weltbildes weicht.

Wir müssen uns wohl noch ein wenig gedulden und abwarten…

Rain, im Januar 2012

PS.

Am Ende noch ein kleiner Sprung zurück zu den vier Reitern der Apokalypse… Diese wurden übrigens auch als zentrale Bedrohung in der Serie The Real Ghostbusters, Folge „Das Geheimnis des Siegels“ aufgegriffen. Janine öffnet das Wachs-Siegel eines uralten Buches (in der Bibel sind es indes 7 Siegel/Bücher) aus einem fernen Kloster, worauf vier grässliche Geister-Reiter auf ihren Pferden befreit werden. Nach einem stilsicheren Regen aus Fröschen und einer Reise um die Welt, gelingt es den Geisterjägern natürlich wieder den Tag zu retten und die apokalyptischen Reiter zu besiegen. Schönerweise hat Story-Editor J.M.Straczynski hier den Geist von Ghostbusters ganz besonders gut verstanden. Er und Aykroyd scheinen eine kleine Vorliebe für das Ende der Welt zu haben…

Bonusmaterial:

– RGB-Folgen mit Weltuntergangs-Thematik: Das Geheimnis des Siegels, Was ist Ragnarock? (Top-Episode), Die anstrengende Geisterbeschwörung (Top-Episode)

– Online-Bibel zum nachlesen: http://www.bibleserver.com/text/LUT/Offenbarung6

– Musik-Tipp: Die Gruppe „Aphrodite’s Child“ (eine erste Gruppe des Komponisten Vangelis) mit dem Konzeptalbum „666“ von 1972, das die Johannes-Offenbarung aufwändig und teils augenzwinkernd vertont. Anspieltipps: TheFourHorsemen, AeganSea, Altamont. 😉

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