Ein Jahr später

Ein Rückblick auf „Ghostbusters: The Video Game“

Fast 2 Jahre haben Geisterjäger-Fans sich auf das neueste Videospiel freuen dürfen. Dann erschien es, Halligalli-Alarm, und danach kehrte langsam Ruhe ein. Das ist nun etwa ein Jahr her, doch angesichts seiner Bedeutung ist das Spiel einen zweiten ausführlichen Blick, einen Rückblick, wert.

Der Donner war in US-Foren recht groß, als direkt mit der Ankündigung bekannt wurde, dass alle wichtigen Schauspieler der Filme wieder – mitunter auch wieder kreativ eingebunden – am Spiel beteiligt sein werden. Es war ein Donner, dem eine gebannte Anspannung folgen sollte – zumindest eben in den USA. In Deutschland nahmen Interessierte die Neuigkeiten verhältnismäßig angetan, aber doch eher mit analytischer Nüchternheit auf. Ein Verhalten, das zum einen von der recht toten Fanbase in good ol‘ Schland zeugte, zum anderen von unserer fehlenden Leidenschaft. Denn was könnte es besseres geben als eine Reunion „unserer“ Helden, mit einer neuen Geschichte (Aykroyd bezeichnete das Spiel bei jeder Gelegenheit als „Ghostbusters 3“ – immerhin das Happening, auf das wir so lange gewartet hatten), präsentiert im populärsten zeitgenössischen Unterhaltungsmedium? Ein neuer Film war nicht in Sicht, zum Zeitpunkt der Bekanntgebung und des ursprünglichen Veröffentlichungstermins stand kein Jubiläum an, es gab schlichtweg nichts, das dieses Spiel hätte begleiten können. Jemand, irgendwo, entschied einfach so, dass man 15 Mio. Dollar in ein für die Verhältnisse grosses Spiel stecken sollte, inklusive der Beteiligten von damals. Noch einen Tag vor der Ankündigung wäre man ausgelacht worden, wenn man davon auch nur geträumt hätte.

„Ghostbusters: The Video Game“ ist ein Wunder. Nicht mehr, nicht weniger. Es präsentierte uns die Geisterjäger so, wie wir sie kannten. Sie sahen aus, wie wir sie kannten. Sie interagierten gemeinsam, rissen Sprüche, erlebten ein neues Abenteuer. Noch viel mehr: Sie nahmen uns mit, redeten mit uns, schulten uns. Wer seiner Fantasie freien Lauf ließ, der konnte in ihrer Welt regelrecht versinken, wurde Teil davon. All das sind Dinge, an denen der nach wie vor diskutierte dritte Film scheitern muss, zwangsläufig. Er wird uns bestenfalls daran erinnern, was wir an den ursprünglichen Filmen gut fanden, eventuell unterhält er uns gut. Aber Bill Murray wird alt sein, Harold Ramis, nun, sagen wir mal, kräftig, und wir werden als Hauptspeise Jünglinge vorgesetzt bekommen, an denen jeder schon allein aus prinzipieller Starrsinnigkeit kein gutes Haar lassen wird – Ob sie nun würdige Nachfolger sein werden, oder eben nicht.

Lässt man das ganze Fangeplänkel weg, bleibt das Videospiel ein technisch beeindruckender und witziger Fantasy-Shooter: Augen glänzen voller Lebendigkeit, Mimiken der zu Grunde liegenden Schauspieler werden detailgetreu getroffen (mal mehr, mal weniger gut), das Spielprinzip ist fair, nicht immer abwechslungsreich, im Vergleich zur Konkurrenz immerhin innovativ und im Sud düster-brauner Sci-Fi-Ballerspiele mit seiner kunterbunten Präsentation mal etwas anderes, dennoch spannend und mitunter sogar klassisch unheimlich, zum Beispiel in den Gewölben der Bibliothek, oder auf der Geisterinsel, bevor man dann sogar auf einem düsteren Friedhof aufräumen darf. Wie gesagt: Auch technisch groß, einstimmig beurteilt auch von Presse und Skeptikern, und mancher wusste nicht, wann er zuletzt solch ein gelungenes Lizenzspiel gesehen hatte. Im Internet schirieb dann trotzdem manch Gamer jüngeren Jahrgangs, dass „Crysis“ doch wesentlich besser wirke. Das wohl, und Luft nach oben gibt es sicher immer – doch ich kann so lange durch „Crysis“ rennen, wie ich will – Es wird mir niemals Dr. Venkman über den Weg laufen und mir erzählen dass ICH das ganze gefährliche Zeug testen muss, weil ja auf Stantz die Hypothek läuft. Genau das macht die zu prognostizierende Langlebigkeit des „Ghostbusters“-Spiels aus: Eines Tages wird dessen Technik völlig veraltet sein, sein Unterhaltungswert aber nicht geschmälert. Bester Beweis dafür ist die Fassung für die 12 Jahre alte PlayStation 2-Engine. Dessen Konturen sind manchmal matschiger Brei, Walter Peck bewegt aus Ressourcenknappheit seinen Mund nicht und sogar einer der großartigsten Trümpfe fällt weg, indem die Geisterjäger lediglich wie Cartoon-Karikaturen ihrer selbst wirken. Enttäuschen? Na klar – aber nur im (unfairen) Vergleich zum heute Machbaren: Wäre dasselbe Spiel 1999 erschienen, hätte es für dieselben Begeisterungsstürme gesorgt wie nun sein großer PS3- und Xbox360-Bruder. Aber das ist eine Diskussion die aufzeigt, dass superbe Technik nur Bonbon ist, denn die Fortsetzungsgeschichte von den Co-Autoren Aykroyd und Ramis, sowie ihre Stimmen und die der Kollegen… all das bleibt ja dennoch. Trotzdem: Wer die Möglichkeit hat, sollte zwangsweise zur „Filmfassung“ der aktuellen Konsolen greifen. Nur hier wird – symbolisch mit dem alten Columbia-Logo – ein wahrhaft spektakuläres „Ghostbusters 3“ eingeleitet.

Neben dem regulären Ur-Cast, der an sich schon das Ganze wert ist, hat man sich aber auch für die Nebenrollen nicht lumpen lassen: William Atherton und Annie Potts spielen wieder Peck und Janine, Bills Bruder Brian Doyle-Murray gibt wie schon beim Murmeltier-Tag den Bürgermeister (und sein Aussehen), und der Vergabe der weiblichen Hauptrolle an „Charmed“-Star Alyssa Milano beweist man, dass hier nicht nur das Allernötigste getan wurde, sondern konstant groß gecastet hat. Ursprünglich sollte sogar die Edeldiva Sigourney Weaver wieder den Part von Venkmans Love-Interest spielen, doch die sagte erst ab, und dann viel zu spät wieder zu, nachdem sie erfahren hatte dass Murray mit an Bord ist. Sie zu ersetzen ist schade, denn natürlich kann ein – wenn auch populärer TV-Star – schwerlich in die Fußabdrücke einer Hollywood-Größe alter Schule treten, und man merkt der Handlung auch an, dass sie für Weavers Rolle Dana geschrieben wurde. Aber wir wollen nicht unfair sein: Milano spielt und klingt toll, ist gewitzt, charmant und schlagfertig. Ganz anders als die deutsche Stimme, die symbolisch für die ganze Synchronisation steht: Scheinbar ohne Regie, sicher aber ohne jedes Charisma agieren die Stimmgeber, und sogar die hörbar gealterten Original-Filmsprecher können nichts mehr reissen. Die deutsche Synchro ist in solch einem Maße schlecht, dass sie sogar das ganze Spiel in seiner Wirkung ein Stück weit herunter reisst. „Peter“ deutsch auszusprechen, das geht einfach nicht. Noch dazu fällt bei der 360/PS3-Fassung im Deutschen eine ganze Szene weg, die eigentlich während des Abspanns zu hören ist.

Ein wenig Enttäuschend ist auch der Koop-Modus: Gemeinsam zieht man hier mit bis zu 3 Kumpel in der Rolle von Spengler, Stantz, Venkman oder Winston in den Kampf, beschützt Artefakte, stellt P.K.E.-Disruptoren auf, oder fängt einfach so viele Geister wie möglich. Fan-Goodie: Hier gibt’s sogar den aus Film 2 bekannten rosa Schleim, der positiv geladen Gespenster gefügig macht. Mit steigendem Erfolg bekommt man schicke Uniformvarianten, leidlich gut klingende Status-Bezeichnungen, und über Headset macht das Ganze tierisch Spaß. Dumm nur, dass der Mode nur online gespielt werden kann (für den PC fällt er ganz weg). Eines Tages, wenn Sony die Spieleserver abstellt, wird er gar nicht mehr vorhanden sein – und dann? Unverständlich. Gerade die technisch bescheidene Wii-Version punktet hier: Nicht nur zusammen durch den Storymode ziehen kann man, sondern es können auch offline bis zu vier Geisterjäger in Mini-Missionen miteinander antreten, sogar in die Rolle von Geistern darf man schlüpfen. Vorbildlich. Schade, dass es keine ultimative Fassung mit der „erwachsenen“ Grafik UND diesen Co-op-Möglichkeiten gibt. Durch den Storymode zu zweit zu ziehen, würde zwar viel Illusion zerstören, aber Mini-Missionen offline… das muss gehen! Vielleicht wird so ein Spiel ja noch nachgereicht. Toll wäre es, und auch nicht unmöglich: „Ghostbusters“ war einer der kommerziell erfolgreichsten Titel 2009.

 

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5 Gedanken zu “Ein Jahr später

  1. Schön geschrieben. Werde es sicherlich bald wieder einlegen, um dann daoch noch online den letzten Geist zu holen, bevor die Server abgeschaltet werden ^^

    Nur am Ende stimmt die Info zur Wii-Version nicht ganz. Man kann nur zu zweit die Story im Co-op spielen. Weitere Möglichkeiten wie etwa einen Vierspielermodus oder gar einen Geist zu spielen, gibt es nicht.

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  2. Danke für die Rezi! Ich habe wirklich 0, nada, null komma nix von diesem Spiel mitbekommen. Das werde ich jetzt mal ändern.
    Ich bin mit den beiden Filmen aufgewachsen, wobei ich mich an den 2. Teil (mit Schleim) besser erinnern kann.
    Mensch, ich werde ganz nostalisch… denke an die späten 80iger, als mein Leben noch schön war (Schüler) 😉

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