Comic-Review: Der „Ghost Busted“-Manga

Soooo, mit einigen Tagen Verzögerung nun meine Kritik zum Manga! Hatte viel um die Ohren und bin erst gar nicht zum lesen gekommen, denn mit 200 Seiten kriegt man schon eine gehörige Dosis GB um die Ohren geknallt, und die Mittagspause, in der man das andere Heft (ich habe gar kein großes Interesse, es anders zu nennen) durchliest, reicht hier längst nicht! Da kommen wir doch gleich zum Preis / Leistungsverhältnis! Ich habe keine Ahnung, wie viel der Comicdealer nimmt, aber Amazon hat mir hier knapp 8 Euro berechnet, und die ist der dicke Band dicke wert!

Ich möchte ganz lieb sein und die Kritik versöhnlich enden lassen, deshalb beginne ich zuerst mit den Dingen, die mir nicht so sehr gefallen haben!

Zunächst mal, das konnte man hier im Fred vorher schon lesen, bin ich kein allzu großer Freund japanischer Zeichenmassenunterhaltung! Ich habe nichts dagegen, sie hat natürlich ihre Existenzberechtigung neben europäischen oder amerikanischen Stilen, denn dann findet sich für jeden etwas in den Regalen! Das ist aber genau mein Problem, denn wenn ich in die Läden gehe, dann sehe ich Mangas die Verkaufsflächen mehr und mehr dominieren, sie verdrängen andere Kulturstile, und sie unterwandern sogar europäische oder uramerikanische Marken… Heraus kommen dann absurde „Star Trek“-Kuriositäten oder Sternenprinzessinen, deren Augen genauso groß sind wie die seltsamen Schneckenfrisuren. Experimente sind immer etwas Schönes, aber wer 20, 30 Jahre ein bestimmtes Bild von einer Sache hat, der empfindet so etwas als „fremd“ und „nicht richtig“. Was der Bauer nicht (oder anders) kennt, das frisst er nicht, das sei hier mal als selbstkritischer Kommentar bemerkt, aber sicher wäre die Sache auch weniger heikel, wenn Manga (oder Animé im TV) die Comickultur halt eben bereichern, statt dominieren würde!

Das hier einfach mal als Statement für die Vielseitigkeit, denn warum der eine Stil dem anderen überlegen ist oder umgekehrt, ist müßig… je nachdem, für welche „Seite“ man Patei ergreift, kann man deren Vorteile aufzählen und die Nachteile ignorieren… So sind schon die unterhaltsamsten Internetdebatten entstanden! Aber ich schweife ja ab…

Punkt ist: Man liest es schon heraus, ich bin hier negativ vorbelastet! Als ich dann mit der ersten Geschichte im Band anfing (es sind insgesamt 6 Storys, von denen die Geschichten 2 -5 einen roten Faden haben und 1 und 6 abgeschlossen sind), schienen sich meine schlimmsten Albträume zu bestätigen: Wirre, furchtbare Underground-Kritzeleien, bei denen einem die Sprechblasen grobe Hinweise geben zu dem, was man da gerade sehen soll. Immer, wenn Dialoge stattfinden, ruht sich der Zeichner auf krakeligen Grobskizzen aus (Peter und Ray sind austauschbar, Egon sieht aus wie eine Storyboard-Version von Jeff Goldblum, und Winston, nehme ich an, ist der dunkelhäutige Kerl). Wenn etwas passiert, tobt sich der Zeichner aus, als wolle er einen Cocktail mixen statt ein Bild zu zeichnen…

Geschrieben ist die Geschichte ganz witzig, aber etwas zu albern (wer kommt eigentlich auf so bescheuerte Ideen, Egon tatsächlich singen zu lassen? ), und der Autor ist auch für die letzte Geschichte, Nr. 6, zuständig, die zweite eigenständige Handlung. Hier geht es genauso konfus weiter, es erwartet einen eine überzogene Gesellschaftskritik in der sich die Texte und Zeichnungen in ihrer Silliness ergänzen (zumindest also harmonisch), beschreiben könnte man das Ganze auch als „Ghostbusters 1“-Finale in der Christopher Street Day-Version mit den „Blinx“-Elfen (hießen die so?) als Geisterjäger.
Das Ganze ist so übertrieben abgedreht, dass man an die 20 Jahre alten, englischen Real GB-Comics von Marvel zurückdenken muss (die es teils auch hier gab). Albern statt lustig, aber da albern auch zum Schmunzeln anregen kann, bevorzuge ich so eine Geschichte immer noch lange vor einem Genre-fremden Schnellschuss wie „The Other Side“… oder halt, dem anderen Heft!

An dieser Stelle ist das letzte negative Wort gefallen! Ich komme jetzt zu den Geschichten 2 bis 5! Die sind durchgehend von einem anderen Autor geschrieben, während die Zeichner sich weiterhin abwechseln! Zuviel möchte ich nicht verraten, aber Hardemeyer kommt zurück (obwohl, schrieb Rain schon ) und will Rache an den GB nehmen… Wie er das genau anstellt daß es am Ende einen interessanten Twist gibt, sei verraten, mehr aber auch nicht, denn das müsst ihr unbedingt selbst alles lesen! Stichwort Twist, es kommt der ein- oder andere „sixth Sense“ drin vor… Viel ist schonmal da gewesen, aber der Autor holt das Beste aus allem raus und verknüpft es zu einer Sammlung der besten GB-Comics, die es bisher gab!
Zunächst geht es mit Rays Geschichte los (jeder GB bekommt einen großen Auftritt), die mir zeichnerisch am besten gefallen hat, obwohl sie neutral betrachtet am ödesten war. Sehr amerikanisch (jedenfalls noch am ehesten) und vom Empfinden her passend, mit viel Phantasie konnte ich sogar hier und da den RGB-Ray hineininterpretieren (der aber ironischerweise noch eher eine Animé-Figur war als es dieser Ray ist!), was bestimmt auch an der Charakterisierung lag! SO hat ein Ray zu sein: Nett, warmherzig, hilfsbereit und leidenschaftlich! An dieser Stelle möchte ich bemerken, dass flächendeckend auch alle anderen Figuren genial getroffen wurden. Wen man in diesem Band trifft, das sind die bekannten und geliebten Geisterjäger, keine düstere, blasse Neuinterpretation (wie in dem „anderen“ Heft)!

Als nächste Geschichte der Härtetest für mich: Ausgerechnet Egons Story ist in meinem persönlichen Manga-Hass-Stil zu Papier gebracht: Egon sieht aus wie ein Schuljunge (witzigerweise sagt er sogar an einer Stelle, er käme sich wieder wie ein Student vor), genau wie alle anderen hat er diese riesigen Kulleraugen und einen runden Kopf… Da hat es wohl mit der Fußballkarriere nicht geklappt und du hast eine Umschulung gemacht, Tsubasa?
Was mit bösen Worten anfängt, nimmt ein Happy End: Die Figuren sind weiter so treffend und gut geschrieben und auch die Geschichte an sich ist sowas von toll, dass man auch als Anti-Otaku schnell über seinen Schatten springt, die Darstellung akzeptiert und mitfiebert… Am Ende dieses Kapitels wird einen dieser Band davon überzeugt haben, dass zuerst ganz skurille Kombis wie Hardcore-Extrem-Manga und GB durchaus Kombinierbar sind! Im Nachhinein bin ich kein größerer Freund dieser Comics, aber wenn man sich prinzipiell verweigert, entgehen einem hier grandiose Geschichten!

Die letzte Story die ich hier bespreche, Nr. 5, löst den übergreifenden Handlungsbogen auf und wirkt hier und da ein wenig zusammenkonstruiert, ein paar Dinge sind auch übertrieben (Winston hat anscheinend immer ein Mörder-Maschinengewehr in seinem Kofferraum, denn „it’s New York, Baby“), aber wenn man an dieser Stelle angekommen ist, dann hat einen das Büchlein schon so gepackt, dass man gerne diese Minimalschwächen vergibt. Witzige Anekdote: In einem Bild ist Winston die exakte Kopie der zu steuernden Spielfigur aus dem neuen Game, bis ins kleinste Detail…

Es ist jetzt 24 Stunden her, dass ich das Teil gelesen habe, und es steckt sowas von erwähnenswerten Einzelheiten, dass sicher dies oder das auf der Strecke geblieben ist. Aber der Beitrag ist auch so schon so lang geworden, dass ihn keiner bis hier gelesen hat… Als abschließendes Fazit bleibt mir einzugestehen, dass ich dieses wahre GB-Schmuckstück viel zu früh abgeurteilt habe, denn es ist das, was das „andere“ Heft für mich hätte sein sollen: Ein sehr gutes GB-Comic, das den „Spirit“ der Sache einfängt! Wenn einen ein Comic, der in einem Stil gezeichnet ist den man eigentlich nicht mag, fast völlig überzeugt, dann ist das das größte Kompliment für dieses Büchlein! Also Leute, springt über euren Schatten! Ach, und Tokyopop: Nachlegen!

Trotz anfänglicher Kritik:

Note 2++!

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