Comic-Review: „Legion“ #1

Über 10 Jahre hat es gedauert, doch nun, mit immerhin zweimonatiger Verspätung, ist mit Teil 1 von 4 von „Ghostbusters: Legion“ ein neuer Comic mit unseren Freunden erschienen. Es ist der erste einer ganzen Reihe neu geplanter Merchandise-Artikel des kleinen kanadischen Verlages 88mph. Bei Erfolg ist bereits eine fortlaufende Reihe geplant. Doch werfen wir einen Blick auf „Legion“!

Der Comic ignoriert Film Nr. 2, verlegt die Handlung des ersten Films in die Jetztzeit und setzt 6 Monate später an. Die Geisterjäger hechten von Auftrag zu Auftrag, Venkman versucht, seine kriselnde Beziehung zu Dana zu kitten und steckt in einer Sinnkrise, nachdem nicht er, sondern ausgerechnet Danas Nerd-Nachbar Louis (Moranis im Film) zu Populärehren gekommen ist. Auch Ray hat eine tiefe Sinnkrise erfasst. Ray hatte nämlich mit Anerkennung als Wissenschaftler gerechnet, doch statt dessen blieb es nur bei einem dreckigen Auftrag nach dem anderen.

„Legion“ macht vieles gut und einiges nicht. Autor Andrew Dabb versteht die Filmfiguren, schafft aber eine neue Situation, in der ihnen nichts übrig bleibt, als ganz anders zu agieren als bekannt. Das macht als Fortsetzung erzählerisch Sinn, doch wäre es hier besser gewesen, die ausgelassene Stimmung des Films als Wieder-Einführung hier nochmal zu wiederholen. Dass ein Ray Stantz, der Emotionalste der Geisterjäger, bei freudigen Ereignissen genauso aufblüht wie er es sich zu Herzen nimmt, wenn etwas nicht klappt, macht Sinn. Doch ist das nicht der Ray, den viele zu Beginn und als Vorstellung dieser Figur erwarten. Denn sie bekommen nicht das etablierte, kindliche „Herz der GB“ zu sehen, sondern einen tief depressiven Kettenraucher. Ähnlich irritierend die Portraitierung von Louis, der sich vom goldigen Schusserl im Film zu einem kleinen, schmierigen Wichtigtuer gemausert hat. GB-Fans runzeln hier die Stirn, Neueinsteiger bekommen ein ganz falsches Bild der Figuren.

Bleibt keine Zeit für Drama, fährt Dabb in den Actionszenen den GB-Humor zielsicher. Doch das Heft ist zu kurz, um aus diesen schnellen Sequenzen Stimmung zu schöpfen. So ist es ein an sich gut geschriebener Auftakt, der für den Anfang aber zu begeistert weiterspinn, was bekannt ist. Dabb hätte hier auf sein Publikum warten sollen, vielleicht bis Heft 6, oder 7.

Optisch weiß „Legion 1“ zu begeistern. Illustrator Steve Kurth interpretiert seine Figuren irgendwo zwischen Film und RGB-Serie, und das moderne, zeitgemäße Gewand freut, steht es doch dafür, dass GB im 21. Jahrhundert angekommen ist. Nur Ray markiert hier wieder einen Schwachpunkt, denn den hat man vom dicklichen Gutmüter zu einem Schwarzenegger-Bodybuilder aufgebläht. Gemeinsam mit der Schreibe von Dabb bleibt so gar nichts mehr weder von Aykroyds Ray, noch von der Trickfilmfigur.

Fazit: Ein immer noch guter Auftakt, der zumindest bei ausgehungerten Hardcore-Fans davon profitiert, dass es einfach lange nichts Vergleichbares mehr gab. Es wäre zu wünschen, dass sich die Reihe mit der nächsten Ausgabe und weit darüber hinaus zunächst erstmal wieder auf die beliebten Charakterisierungen verlässt, bevor diese so schnell so radikal ausgebaut werden.

5,5 von 10 Punkten!

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